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13.09.2021

11:15

Milliardenbewertung

Millionen für Agile Robots: Deutschland hat jetzt auch ein Roboter-Einhorn

Von: Larissa Holzki, Volker Votsmeier

Das Unternehmen entwickelt Roboter, die Smartphones zusammenbauen können. Die von Softbank angeführte Finanzierungsrunde bringt der Firma 186 Millionen Euro ein.

„Wir sehen uns selbst als ein Anbieter einer Robotik-Software-Plattform mit einem tiefen Verständnis der Hardware“, sagt Zhaopeng Chen.

Die beiden Gründer Peter Meusel (l.) und Zhaopeng Chen

„Wir sehen uns selbst als ein Anbieter einer Robotik-Software-Plattform mit einem tiefen Verständnis der Hardware“, sagt Zhaopeng Chen.

Düsseldorf Es ist Deutschlands erstes Roboter-Einhorn: Das in München gegründete Roboter-Start-up Agile Robots erhält in einer neuen Finanzierungsrunde 186 Millionen Euro und wird dabei von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet (850 Millionen Euro). Das ist die Grenze, ab der sich ein Start-up als Einhorn bezeichnen darf. Konkret entwickelt das Unternehmen Software und Hardware für Roboter-Hände für den Einsatz in der Industrie.

In Deutschland gibt es derzeit etwa 20 junge Technologiefirmen, die die Einhorn-Marke überschritten haben. Die Milliardenbewertung von Agile Robots ist dennoch bemerkenswert: Denn es handelt sich um eine Deep-Tech-Firma, also ein stark forschungs- und ingenieurgetriebenes Unternehmen, das erst vor drei Jahren von Zhaopeng Chen und Peter Meusel aus dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) ausgegründet wurde. Solche Firmen haben es immer noch ungleich schwerer als etwa Onlinehandelsunternehmen, hohe Kapitalsummen einzusammeln und damit auch hohe Bewertungen zu erreichen. Neben Agile Robots zählt unter den deutschen Einhorn-Firmen nur das Flugtaxi-Unternehmen Lilium in die Deep-Tech-Kategorie.

Menschliche Fingerfertigkeiten auf Roboter zu übertragen ist eine große technologische Herausforderung, manchen Experten gilt sie als unlösbar. Im DLR hatten Zhaopeng Chen und Peter Meusel zunächst an der Entwicklung von Roboterhänden für einen robotischen Astronauten mitgewirkt. „Unsere Herausforderung ist es, visuelle und haptische Daten mit Künstlicher Intelligenz zu verarbeiten“, erklärt CEO Zhaopeng Chen im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Mit der Ausgründung hätten sich die beiden Gründer unabhängig von den begrenzten Einsatzszenarien im Weltraum machen wollen. „Um die robotische Intelligenz auf das nächste Level zu bringen, müssen wir sie in die breite Industrie und unser tägliches Leben bringen“, sagt der CEO.

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    Als spezialisierter Hersteller von Roboterarmen ließe sich Agile Robots auch als Cobot-Unternehmen bezeichnen, aber Zhaopeng Chen definiert seine Firma lieber anders: „Wir sehen uns selbst als ein Anbieter einer Robotik-Software-Plattform mit einem tiefen Verständnis der Hardware.“ Die Roboterarme von Agile Robots lösen nach Unternehmensangaben in der Industrie bereits erste komplizierte Tätigkeiten: Bei dem Elektronik-Hersteller Foxconn setzen sie einzelne Bestandteile hochwertiger Smartphones zusammen.

    Auch BMW arbeitet in China schon mit Prototypen von Agile Robots

    Ein Großteil der neuen Wagniskapitalfinanzierung für Agile Robots kommt von asiatischen Investoren beziehungsweise von Investoren, die sich auf Asien fokussieren. Der Grund: Agile Robots hat neben dem Hauptsitz in München einen weiteren in Peking. In China ist das Unternehmen mit dem Vertrieb seiner Prototypen bisher besonders erfolgreich gewesen. Die chinesische Industrie setzt stark auf den Einsatz von Robotern in der Industrie, um menschliche Arbeitskraft zu ersetzen. Für die junge und gut ausgebildete chinesische Bevölkerung ist die Fabrikarbeit nicht mehr attraktiv, es geht auch um den Erhalt der Produktionsstandorte in China.

    Christoph von Einem, anwaltlicher Berater und Aufsichtsratschef von Agile Robots, sagt auch: „Es ist ungleich einfacher, chinesische Tochterfirmen von deutschen Unternehmen vom Einsatz unserer Roboter zu überzeugen als die deutschen Unternehmen selbst.“ Zu den deutschen Unternehmen, die in China bereits mit Prototypen von Agile Robots arbeiten, gehören BMW und ein weiterer großer deutscher Autohersteller.

    Der größte Anteil der neuen Risikofinanzierung für Agile Robots kommt vom japanischen Rieseninvestor Softbank. Die Finanzierung sei „Teil des fortbestehenden Bekenntnisses zu Chinas dynamischem Markt“, sagt Eric Chen, Managing Partner bei Softbank Investment Advisers. Agile Robots verbinde Künstliche Intelligenz mit fortgeschrittener Robotik-Technologie, um einige der herausforderndsten Probleme Industrie zu lösen. „Es ist ein weiteres Beispiel unserer Unterstützung von Chinas wachsendem Technologie-Sektor.“

    Neben Softbank beteiligen sich unter anderem Sequoia Capital China, die Abu Dhabi Royal Group, Hillhouse Ventures und Linear Capital sowie als strategische Investoren der chinesische Smartphonehersteller Xiaomi, Foxconn Industrial Internet und die Investmentgesellschaft Midas. Bereits 2020 hatte Agile Robots in zwei Finanzierungsrunden 110 Millionen Euro von Investoren eingesammelt, aber damals keine Bewertung genannt.

    Dass Agile nun das mit Abstand wertvollste deutsche Robotik-Start-up ist, liegt insbesondere am Geschäftsmodell, das Software, Hardware und die Integration dieser Komponenten beinhaltet. So konnte das Unternehmen schnell Umsätze erzielen – brauchte für Entwicklung und Vertrieb aber auch schnell viel Geld. In diesem Jahr peilt das Unternehmen bereits einen Jahresumsatz von 25 bis 30 Millionen Euro an.

    Dennoch ist die aktuelle Bewertung eine Wette, sagen Experten. Ob das Unternehmen den großen Erwartungen seiner Investoren gerecht werden kann, hängt jetzt davon ab, ob es seine Versprechen für die industrielle Anwendung jetzt auch umsetzen kann.

    Ein Konkurrent von Agile Robots und das wohl zweitwertvollste deutsche Robotik-Start-up ist Franka Emika, das ebenfalls in München ansässig und aus dem DLR heraus entstanden ist. Das Start-up soll laut Branchenkreisen von Investoren im Jahr 2018 mit etwa einer halben Milliarde Euro bewertet worden sein.

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