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08.01.2019

07:03

Samsung, Sony, Panasonic

Es kommt kein Apple-Fernseher, aber Apple auf den Fernseher

Von: Axel Postinett

Auf der CES in Las Vegas wittern die TV-Hersteller wieder Morgenluft. Dabei setzen sie auf neue Technik – und Kooperationen mit den einst gefürchteten Silicon-Valley-Riesen.

CES: Kein Apple-Fernseher, aber Apple auf dem Fernseher Reuters

Samsung-Fernseher

Micro-LED heißt das Zauberwort und es soll Samsung in eine neue und ertragreiche Zukunft führen – mit Hilfe von Google, Apple und Co.

Las VegasDie Konsumelektronikbranche kann auf der Branchenmesse CES in Las Vegas wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Vor drei Jahren war die Welt noch überzeugt, dass Apple mit einem eigenen Fernseher den gesamten Markt revolutionieren werde. Das „nächste große Ding“, wie es Steve Jobs noch vor seinem Tod angedeutet hatte. Er habe „das Problem“ gelöst, hieß es. Doch die Realität sieht anders aus.

Die Apple-TV-Box ist noch immer ein Liebhaberprodukt, und der Konzern versucht nun, seine Inhalte so schnell wie möglich in so viele Geräte wie möglich zu integrieren. Das ist eine klare Folge des dramatischen iPhone-Absturzes und des Bekenntnisses von Apple-CEO Tim Cook, Dienste und Inhalte würden die nächsten Wachstumsmärkte.

Die Plattformen aber, um Apple, Google oder Amazon über die eigenen Ökosysteme hinaus zu transportieren, entwickeln die alten Riesen wie Samsung, LG oder Sony und Neulinge wie Hisense aus China. Sie haben die Bildtechnik, in die immer mehr Künstliche Intelligenz einzieht, gigantische Fertigungskapazitäten und Vertriebssysteme. Sie werden wieder gebraucht im Machtkampf der Silicon-Valley-Riesen.

219 Zoll. So groß ist die Fernsehwand mit ultramoderner Technologie, die Samsung in Las Vegas präsentiert hat. Die Auflösung ist dabei so hoch, dass man praktisch die Nase an den Bildschirm drücken und trotzdem keine der berüchtigten Pixel erkennen kann, aus denen sich digitale Bilder zusammensetzen.

Micro-LED heißt das Zauberwort, und es soll Samsung in eine neue und ertragreiche Zukunft führen – mit Hilfe von Google, Apple und Co. Die junge Micro-LED-Technologie, die es ermöglichen wird, Fernseher in Größen nach eigenen Wünschen zusammenzubauen, ist wohl auch die bedeutendste Neuerung der Unterhaltungselektronik-Messe 2019.

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Früher wäre die Fernsehwand der unumstrittene Star des Tages gewesen. Doch die größte Aufmerksamkeit bekam die Ankündigung, dass Apples Produkte iTunes und Airplay erstmals auf Geräten zu haben sein werden, die nicht von Apple kommen – nämlich auf Fernsehern von Samsung. Zudem versprach Samsung-Chef HS Kim, dass bald Google Maps, Youtube und Google-Mail über Samsungs Sprachassistenten Bixby zu hören sein werden.

Bixby ist die Konkurrenz zu Google Assist, Amazons Alexa oder Apples Siri. Auch auf Samsungs Pressekonferenz kamen die Helden also aus dem Silicon Valley (Sitz von Google, Apple) oder Seattle (Amazon). Amazon Prime Video wird ebenfalls bald nahtlos als Neuzugang auf TV-Geräten von Samsung und in der Bixby-Suche zu finden sein.

Samsung ist in einer weit besseren Position als die meisten anderen Unternehmen der Branche. Neben der Chip- und Speicherproduktion ist der Konzern Marktführer bei Smartphones, was in einer vernetzten Welt ungemein hilft.

Leif Erik Lindner von Samsung Deutschland sieht die TV-Hersteller auch nicht in der Verliererposition. „Wir verhandeln auf Augenhöhe“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es ist in der Branche üblich, dass Umsatzbeteiligungen ausgehandelt werden, wenn Dienste oder Software auf fremden Geräten aufgespielt werden.

Samsung hat in Deutschland einen Marktanteil bei den installierten TV-Geräten von rund 40 Prozent. Das ist eine Verhandlungsmasse gegenüber Unternehmen wie Amazon oder Apple, die eine große Nutzerbasis haben und ihre Inhalte wie Videos oder Musik schnell und einfach zu so vielen Kunden wie möglich bringen wollen.

„Da nicht mitzumachen ist keine Option“

Für Samsung-Manager Lindner sind die Kooperationen daher überhaupt kein Problem. „Da nicht mitzumachen ist keine Option“, sagt er. Die Branche wisse, dass sie sich nicht auf einen reinen Hardware-Lieferanten reduzieren lassen dürfe. All die zusätzlichen Angebote würden helfen, sich vom Wettbewerb abzusetzen.

Für Lindner wird 2019 das „Jahr der großen TV-Geräte“. Gemeint ist damit eine 75-Zoll-Diagonale oder mehr. Schon heute würden in den USA 50 Prozent aller TV-Geräte mit Bildschirmdiagonalen von 65 Zoll oder mehr verkauft.

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Was vor wenigen Jahren noch unerschwinglicher Luxus war, steht heute für 3000 Dollar oder weniger in amerikanischen Supermärkten. Die CES-Muttergesellschaft CTA rechnet alleine bei den großen TV-Geräten mit 8K-Auflösung mit einem Umsatzplus von acht Prozent auf 545 Millionen Dollar und 200.000 verkauften Geräten.

Auch beim japanischen Vorzeigekonzern Sony gibt es neue, große Fernseher. Doch es dominieren die Silicon-Valley-Riesen: Die Fernseher laufen mit Googles Android-TV-Betriebssystem. Amazons Alexa-Sprachassistent hält Einzug in die Kopfhörer WH-1000MX3, und auch Apples Airplay 2 wird im 98-Zoll-Luxusfernseher mit Android-TV Einzug integriert.

Doch nicht jeder Traditionshersteller geht diesen Weg. Auch Sonys japanischer Konkurrent Panasonic präsentierte TV-Geräte. Doch um die unbestrittene Qualität der Panasonic-Flachfernseher zu bezeugen – gezeigt wurde das neue OLED-Modell GZ 2000 – musste ein vorgelesenes Statement eines Hollywood-Regisseurs reichen. Man gibt sich bescheiden. Smartphones baut das Unternehmen schon lange nicht mehr, Laptops oder Tablets sind ein Nischenmarkt, smarte Lautsprecher – Fehlanzeige.

Das, was Panasonic heute ausmacht, ist nicht mehr so einfach auf die Bühne zu stellen. Tom Gebhardt zufolge, verantwortlich für das US-Geschäft des Konzerns, hat das einstige Hardware-Unternehmen heute zum Ziel, „die physische und digitale Welt zusammenzubringen. Unsere Erfahrung bei Hardware verschmilzt mit unseren Innovationen bei Software.“

Gesprochen wird von „HomeX“, einer smarten Plattform für das Internet der Dinge, „CirrusV2X“, einer Plattform für vernetzte Transportsysteme, an der zusammen mit Ford, Qualcomm und anderen geforscht wird. Aber das ist noch viel Zukunftsmusik.

Eine elektrische Harley – mit LTE

Auf der Bühne gab es vielmehr eine Harley Davidson zu sehen. Der neue, vollelektrische Supersportler des Motorradherstellers, die „LifeWire“, wird serienmäßig mit GPS und LTE ausgerüstet, auf der Elektro- und Batterietechnik des japanischen Konzerns basieren und ist für rund 30.000 Dollar vorbestellbar.

Panasonic zeigte auch smarte Neuerungen bei der erfolgreichen Kameraserie Lumix. Außerdem kündigte der Konzern an, seinen weltweit bei professionellen DJs beliebten Technics-Schallplattenspieler in der Version SL-1500C zu überarbeiten und zu einer digital-analogen Audio-Schaltzentrale auszubauen.

Panasonic ist ein Paradebeispiel für den dramatischen Wandel der Konsumelektronikindustrie. Als VHS-Rekorder, DVD-Spieler, der Walkman und erste Flachfernseher die Stars der Industrie waren, gehörte die Branchenmesse CES Panasonic, Sharp, Sony und Samsung. Zuletzt kamen noch chinesische Spieler wie Hisense dazu.

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Die Microsoft-Chefs Bill Gates und später Steve Ballmer mussten ihre Reden immer am Vorabend der CES halten. Die Haupttage gehörten den asiatischen Riesen, die auch die größten Stände und die aufwendigsten Auftritte hatten. Sie finanzierten praktisch die ganze Messe.

Der CES-Muttergesellschaft CTA zufolge ist der US-Konsumelektronikmarkt 389 Milliarden Dollar schwer. Und der TV-Markt ist ein beachtlicher Teil davon. Aber da sind zum Beispiel auch noch Smartphones mit 80 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Als die TV-Geräte den Höhepunkt ihrer Beliebtheit erreicht hatten, gab es sie noch gar nicht.

Die Marktforscher von Canalys rechnen für 2022 mit 1,6 Milliarden Geräten in den USA, die vorbereitet sind, mit digitalen Assistenten wie Googles Assistant, Apples Siri oder Amazons Alexa zusammenzuarbeiten. Das können Türöffner, Lampen, Rollos – aber auch TV-Geräte sein.

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