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04.09.2019

16:57

Versteckte Seiten

Google soll persönliche Daten heimlich an Werbetreibende weitergegeben haben

Von: Anis Mičijević

Ein Konkurrent wirft Google vor, das Surfverhalten von Chrome-Nutzern auszuspähen und Werbetreibenden persönliche Nutzerdaten über versteckte Webseiten zur Verfügung zu stellen.

Derzeit verbieten die eigenen Regeln von Google Anzeigenkunden, unterschiedliche Profile desselben Nutzers abzugleichen. AP

Google

Derzeit verbieten die eigenen Regeln von Google Anzeigenkunden, unterschiedliche Profile desselben Nutzers abzugleichen.

Düsseldorf Google verwendet heimlich versteckte Webseiten, um personenbezogene Daten seiner Nutzer an Werbetreibende weiterzugeben – so lautet der Vorwurf des Nischen-Webbrowsers Brave, der laut einem Bericht der „Financial Times“ (FT) entsprechende Belege der irischen Datenschutzbehörde vorgelegt hat. Damit untergrabe Google seine eigenen Regeln und umgehe EU-Datenschutzvorschriften, beklagt der kleinere Konkurrent.

Dem FT-Bericht zufolge untersucht die irische Datenschutzbehörde, ob Google sensible Daten wie Rasse, den Gesundheitszustand und die politische Orientierung seiner Nutzer verwendet, um Anzeigen gezielt zu schalten. Johnny Ryan, Chief Policy Officer von Brave, will die versteckten Webseiten entdeckt haben, als er versuchte nachzuvollziehen, wie seine Daten auf Googles Werbebörse namens „Authorized Buyers“ gehandelt werden. Authorized Buyers ist die weltgrößte Werbeauktionsplattform, die in Echtzeit Werbeplätze auf Webseiten verkauft.

Ryans Experiment wurde vom Adtech-Analysten Zach Edwards, der das Beratungsunternehmen Victory Medium leitet, im Auftrag von Brave reproduziert. Dafür wurden Hunderte von Leuten angeheuert, um das Verhalten von Google über einen Monat zu testen.

Brave wirft Google vor, Nutzer seines Chrome-Browsers ohne ihr Wissen mit einem Identifizierungs-Tracker gekennzeichnet und diese an Drittanbieter weitergegeben zu haben, die sich auf einer versteckten Webseite angemeldet hatten. Der Tracker, mit dem das Surfverhalten der Nutzer ausgespäht worden sein soll, soll unter mehreren Werbeunternehmen geteilt worden sein, um noch passgenauere Werbung auszuspielen. Je passgenauer die Werbung, desto größer der Wettbewerbsvorteil für Google.

Derzeit verbieten die eigenen Regeln von Google Anzeigenkunden, unterschiedliche Profile desselben Nutzers abzugleichen. Ein Google-Sprecher erklärte der FT zudem, der Konzern schalte keine personalisierten Anzeigen und sende keine Ausschreibungen an Werbeanzeigen-Bieter ohne Zustimmung der Nutzer.

Auch in den USA hat der Suchmaschinenkonzern Ärger wegen Datenschutzverletzungen: Google und die zum Unternehmen gehörende Video-Plattform Youtube müssen 170 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil sie widerrechtlich persönliche Informationen von Kindern gesammelt haben. Das teilte die US-Kartellbehörde FTC am Mittwoch mit.

Den beiden Unternehmen wird vorgeworfen, mit Hilfe sogenannter Cookies Informationen über Nutzer von Youtube-Kinderkanälen gesammelt zu haben, ohne zuvor die Erlaubnis der Eltern einzuholen. Ziel war es demnach, auf Basis der Daten gezielte Werbeanzeigen verbreiten zu können und damit Geld zu verdienen.

2018 hat der Google-Mutterkonzern Alphabet einen Großteil seines Umsatzes mit Werbung erzielt (rund 116 Milliarden US-Dollar). Google und Facebook dominieren den Online-Werbemarkt – das Beratungsunternehmen WARC schätzt, dass die beiden Plattformen im vergangenen Jahr über die Hälfte (56,4 Prozent) des globalen Digitalwerbebudgets erwirtschaftet haben.

Mehr: Alphabet macht vor allem mit seiner Suchmaschine Geld – hofft aber, Zukunftsmärkte zu erobern. Die Kosten dafür sind hoch. Was Anleger wissen sollten.

Kommentare (1)

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Herr Marc Dahl

05.09.2019, 12:38 Uhr

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