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03.05.2022

11:11

Biotech-Finanzierung

Krebszellen gezielt zerstören: Start-up Tubulis erhält 60 Millionen Euro

Von: Maike Telgheder

PremiumDas Unternehmen setzt auf einen vielversprechenden Ansatz zur gezielten Tumorzerstörung. Frisches Geld von Investoren soll die Entwicklung beschleunigen.

Die promovierten Naturwissenschaftler gründeten vor drei Jahren ihr Unternehmen. Lisa Eiden Fotografie

Tubulis-Gründer Dominik Schumacher (l.) und Jonas Helma-Smets

Die promovierten Naturwissenschaftler gründeten vor drei Jahren ihr Unternehmen.

Frankfurt Der Münchener Krebsspezialist Tubulis erhält 60 Millionen Euro für die Weiterentwicklung seines Behandlungsansatzes. Wie das Start-up am Dienstag bekanntgab, wurde eine Finanzierungsrunde der Serie B erfolgreich abgeschlossen, angeführt von der europäischen Life-Science-Forschungsgesellschaft Andera Partners.

Tubulis entwickelt sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC), mit denen gezielt Tumore angegriffen werden sollen. Dabei sorgen die Antikörper dafür, dass das Chemotherapeutikum, also das Zellgift, direkt zum Tumor gebracht wird. Auf diese Weise sollen Krebszellen zielgerichtet zerstört werden, was idealerweise mit weniger Nebenwirkungen als eine im ganzen Körper wirkende Chemotherapie einhergeht.

Tubulis startete 2019 als Ausgründung des Leibniz-Forschungsinstituts Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Der Chemiker Dominik Schumacher (34) und der Biologe Jonas Helma-Smets (40) lernten sich über eine Forschungskooperation kennen und hoben das Unternehmen vor drei Jahren aus der Taufe.

Heute ist Schumacher Chef von Tubulis, Helma-Smets ist Chief Scientific Officer. Als wissenschaftliche Mitgründer sind Professor Christian Hackenberger vom Leibniz-Forschungsinstitut und Professor Heinrich Leonhardt von der LMU mit an Bord.

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    Tubulis hat zwei eigene Technologien, die auf den wissenschaftlichen Ergebnissen der Forschungsgruppen basieren. Die ermöglichen laut Unternehmen unter anderem, besonders stabile ADC herzustellen, weil Chemotherapeutikum und Antikörper sozusagen miteinander verklebt werden.

    Zudem wird dafür gesorgt, dass die Antikörper das Zellgift besser am Tumor abliefern und nicht anderswo im Körper abgeben, wo es für unerwünschte Nebenwirkungen sorgt. Beide Bereiche sind bisher die großen Herausforderungen bei der Entwicklung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten.

    Aktuell hat Tubulis drei Wirkstoffkandidaten in der präklinischen Phase. Einer davon richtet sich gegen Lymphome, also Lymphdrüsenkrebs, die beiden anderen gegen sogenannte solide Tumore, also Gewebeneubildungen. Die genauen Indikationen gibt das Unternehmen bisher nicht bekannt.

    Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde sollen die Wirkstoffkandidaten in die nächste Entwicklungsphase gebracht werden und am Menschen erprobt werden. Dazu will das Unternehmen mit derzeit 22 Beschäftigten auch die notwendige Expertise ins Unternehmen holen und neue Mitarbeiter einstellen.

    Auch große Pharmakonzerne arbeiten an der Technologie

    ADC gehören derzeit zu den vielversprechendsten Forschungsfeldern in der Bekämpfung von Krebs. Weltweit forschen viele Pharma- und Biotechunternehmen auf diesem Gebiet. Zu den Pionieren zählt das US-Biotechunternehmen Seagen, das bereits einige ADC entwickelt hat.

    Aber auch große Pharmakonzerne wie etwa Roche und Daiichi Sankyo sind hier aktiv. Roche hat seit 2014 das ADC Kadzyla auf dem Markt, Daichi Sankyo seit 2021 das Medikament Enhertu. Beide richten sich gegen fortgeschrittenen oder metastasierenden Brustkrebs.

    Auch bei Biotech-Investoren steht das Thema hoch im Kurs, das zeigt nicht nur das Beispiel Tubulis. Vergangenen Dezember sammelte das deutsche Biotech-Unternehmen Emergence Therapeutics aus Essen bei der größten deutschen Biotech-Erstrundenfinanzierung 2021 insgesamt 87 Millionen Euro ein.

    Tubulis konnte sich Mitte 2020 in einer Erstrundenfinanzierung bereits 10,7 Millionen Euro sichern. Alle Investoren von damals, unter anderem BioMedPartners, High-Tech Gründerfonds (HTGF), Seventure Partners, Coparion, Bayern Kapital und Occident, sind auch in der neuen Runde dabei. Neu hinzugekommen sind zudem das Hamburger Biotechunternehmen Evotec und der Wagniskapitalgeber Fund+.

    Für Leadinvestor Andera Partners ist das Investment ein weiterer wichtiger Schritt beim Ausbau der Aktivitäten im deutschsprachigen Raum, in dem die Gesellschaft hohes Potenzial insbesondere im Life-Science-Bereich sieht. Andera mit Firmensitz in Paris investiert seit 2001 in Deutschland und hat seit vergangenem April auch eine Dependance in München.

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