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14.10.2021

04:00

Mukesh Ambani

Solar-Innovation aus Deutschland begeistert Asiens reichsten Unternehmer

Von: Mathias Peer

Der indische Multimilliardär Mukesh Ambani sichert sich die Technologie des deutschen Solar-Start-ups Nexwafe. Er will damit in die Massenproduktion von Billigsolarzellen einsteigen.

Bis 2030 will der Unternehmer Indiens Solarkapazität im Alleingang um 100 Gigawatt erhöhen. imago/Hindustan Times

Mukesh Ambani

Bis 2030 will der Unternehmer Indiens Solarkapazität im Alleingang um 100 Gigawatt erhöhen.

Bangkok Asiens reichster Mann will die Energiewende in seiner Heimat Indien mit deutscher Hilfe vorantreiben. Mit seinem Industriekonglomerat Reliance hat sich Mukesh Ambani dafür den Zugang zur Technologie des baden-württembergischen Start-ups Nexwafe gesichert. Die strategische Partnerschaft will der Multimilliardär dazu nutzen, in die Massenproduktion von Billigsolarzellen einzusteigen – als Teil seines Plans, Indiens Solarkapazität bis 2030 im Alleingang um 100 Gigawatt zu erhöhen.

Nexwafe, eine Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, arbeitet an einem neuartigen Verfahren zur kostengünstigen Herstellung von Silizium-Wafers, die in Photovoltaikanlagen zum Einsatz kommen. Das Start-up erwartet nach eigenen Angaben, dass sich die Produktionskosten mit der patentierten Technologie drastisch senken lassen und sich Solarstrom damit als billigste Erneuerbare-Energien-Form durchsetzen kann.

Als Teil der Vereinbarung führt Ambanis Solartochter Reliance New Energy Solar eine 39-Millionen-Euro-Investitionsrunde bei dem sechs Jahre alten Start-up an. Die Inder steuern dazu 25 Millionen Euro bei, wie der Mumbaier Konzern in der Nacht auf Mittwoch mitteilte. Der Rest kommt unter anderem von der EU-Initiative Inno-Energy und dem saudi-arabischen Risikokapitalgeber Saudi Aramco Energy Ventures.

Reliance – Indiens größter börsennotierter Konzern – plant nach eigenen Angaben den Bau von groß angelegten Wafer-Produktionsanlagen in Indien, die mit den von Nexwafe entwickelten Prozessen arbeiten sollen. „Unsere Investition in Nexwafe ist ein wichtiger Schritt, um Indiens grüne Energiewende zu beschleunigen und Indien als weltweit führendes Land in der Photovoltaikproduktion zu positionieren“, sagte Ambani laut einer Mitteilung. Er gehe davon aus, sich mit der Technologie aus Deutschland einen erheblichen Vorteil gegenüber bestehenden Photovoltaiktechnologien verschaffen zu können, fügte er hinzu.

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    Nexwafe arbeitet derzeit in Freiburg daran, seine Prototypen für kommerzielle Anwendungen weiterzuentwickeln. Das Unternehmen verspricht bei der Waferproduktion Einsparungen von rund 30 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Herstellungsverfahren. Mit der strategischen Partnerschaft könne Reliance die Innovation nun nach Indien bringen, sagte Davor Sutija, der das Start-up seit vergangenem Jahr leitet.

    „Solarenergie mehr als nur eine Geschäftschance“

    Reliance-Chef Ambani, der im indischen Bundesstaat Gujarat die größte Ölraffinerie der Welt betreibt, hatte im Juni angekündigt, in den kommenden drei Jahren zehn Milliarden Dollar in eine ökologische Neuausrichtung seines Konzerns zu investieren. Im Zentrum seines Plans steht der Bau eines 20 Quadratkilometer großen Industriekomplexes, in dem Ambani Solarzellen, Batteriespeicher, Brennstoffzellen und grünen Wasserstoff herstellen möchte. Mit der Produktion von Photovoltaikanlagen plant er, für fast ein Viertel von Indiens 450-Gigawatt-Gesamtziel an erneuerbaren Energien bis 2030 zu sorgen.

    Mit der Strategie versucht Ambani auch, den Ruf als Umweltsünder abzustreifen. Sein Konzern zählt derzeit zu den größten CO2-Emittenten Indiens. Bis 2035 soll das Unternehmen nach Ambanis Willen aber klimaneutral werden. „Für Reliance ist unser Ausflug in die Solarenergie viel mehr als nur eine Geschäftschance“, sagte der 64-Jährige anlässlich der Vereinbarung mit Nexwafe. „Es ist unsere Art, uns um den Planeten Erde zu kümmern und zu der globalen Mission beizutragen, ihn vor der drohenden Klimakrise zu retten.“

    Bereits am Wochenende hatte Ambani den Kauf eines 40-Prozent-Anteils an dem indischen Solarspezialisten Sterling & Wilson für mehr als 300 Millionen Dollar sowie die Übernahme des norwegischen Solarmodulherstellers REC Solar für 771 Millionen Dollar angekündigt. REC verfügt über Produktionsstätten in Norwegen und Singapur und plant weitere Werke in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Die Technologie des Unternehmens soll, ebenso wie die Verfahren von Nexwafe es sollen, bei Ambanis Solarplänen in Indien zum Einsatz kommen.

    Jahresproduktion von zehn Gigawatt geplant

    In einem ersten Schritt plant der Milliardär eine Vier-Gigawatt-Photovoltaikfabrik, die anschließend auf eine Jahresproduktion von zehn Gigawatt ausgeweitet werden soll. Insgesamt beträgt die installierte Photovoltaikleistung in Indien derzeit rund 40 Gigawatt. Kohlekraftwerke liefern derzeit noch rund 70 Prozent des indischen Stroms.

    Ambani, dessen geschätztes Vermögen vor wenigen Tagen erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar überstieg, zeigte sich zuletzt überzeugt, dass sich Indien so schnell wie möglich von fossilen Energieträgern trennen muss. „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für die Menschheit“, sagte er. „Die einzige Option ist ein rascher Übergang in eine grüne Ära.“

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