MenüZurück
Wird geladen.

Smarte Exoskelette

Diese Roboteranzüge sollen körperliche Arbeit erleichtern

Von: Carina Kontio

Viele smarte Exoskelette werden entwickelt, um Menschen im Job zu entlasten und so den Krankenstand zu mindern. D ie neuesten Modelle im Überblick.

  • zurück
  • 1 von 15
  • vor
Exoskelette sind, vereinfach gesprochen, eine Art Roboteranzug. Die Geräte sollen Mitarbeiter beispielsweise beim Heben schwerer Lasten oder Arbeiten in unergonomischen Positionen entlasten – und so letztlich auch den Krankenstand mindern. Sie bilden die Gelenke des Körpers nach und kommen dort zum Einsatz, wo sich menschliche Arbeit nicht sinnvoll durch Roboter oder Automatisierung ersetzen lassen. (Credit: PR Ottobock)

Was ist das überhaupt, ein Exoskelett?

Exoskelette sind, vereinfach gesprochen, eine Art Roboteranzug. Die Geräte sollen Mitarbeiter beispielsweise beim Heben schwerer Lasten oder Arbeiten in unergonomischen Positionen entlasten – und so letztlich auch den Krankenstand mindern. Sie bilden die Gelenke des Körpers nach und kommen dort zum Einsatz, wo sich menschliche Arbeit nicht sinnvoll durch Roboter oder Automatisierung ersetzen lassen.
(Credit: PR Ottobock)

Während sich die ersten Exoskelette bereits in der Industrieproduktion verbreiten, warnen jedoch auch einige Arbeitsschützer vor möglichen gesundheitlichen Folgen. „Ich möchte nichts dramatisieren. Aber wir wissen nicht, was diese Systeme langfristig machen“, sagt etwa Sascha Wischniewksi, wissenschaftlicher Direktor und Leiter der Fachgruppe „Human Factors, Ergonomie“ an der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund. „Wenn ich ein Exoskelett drei, vier Monate jeden Tag trage: Verändert sich mein Bewegungsverhalten dadurch? Die Kräfte sind nicht weg, wirken nur auf eine andere Körperregion“, sagt er in einem Beitrag des Magazins Technology Review. „Ein guter Arbeitsplatz sollte gar kein Exoskelett erfordern. Es sollte das letzte Mittel sein.“ Unsplash

Chancen & Risiken

Während sich die ersten Exoskelette bereits in der Industrieproduktion verbreiten, warnen jedoch auch einige Arbeitsschützer vor möglichen gesundheitlichen Folgen. „Ich möchte nichts dramatisieren. Aber wir wissen nicht, was diese Systeme langfristig machen“, sagt etwa Sascha Wischniewksi, wissenschaftlicher Direktor und Leiter der Fachgruppe „Human Factors, Ergonomie“ an der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund. „Wenn ich ein Exoskelett drei, vier Monate jeden Tag trage: Verändert sich mein Bewegungsverhalten dadurch? Die Kräfte sind nicht weg, wirken nur auf eine andere Körperregion“, sagt er in einem Beitrag des Magazins Technology Review. „Ein guter Arbeitsplatz sollte gar kein Exoskelett erfordern. Es sollte das letzte Mittel sein.“

Bild: Unsplash

Auch Sportmediziner Benjamin Steinhilber von der Universität Tübingen mahnt vor vorschnellen Gesundheitshoffnungen: „Niemand kann momentan sagen, welche Chancen die Systeme bieten und welche neuen Probleme sie bringen“, sagt er in einem Beitrag von Heise-Online.de. „Ich glaube schon, dass diese Systeme die spezifischen Belastungen reduzieren. Aber es kann sein, dass neue Belastungen auftreten.“ Kritisch könnte beispielsweise das erhebliche Eigengewicht einiger Modelle sein. Der Noonee etwa wiege vier bis fünf Kilogramm, die am unteren Rücken hängen.

Viel Gewicht am Körper

Auch Sportmediziner Benjamin Steinhilber von der Universität Tübingen mahnt vor vorschnellen Gesundheitshoffnungen: „Niemand kann momentan sagen, welche Chancen die Systeme bieten und welche neuen Probleme sie bringen“, sagt er in einem Beitrag von Heise-Online.de. „Ich glaube schon, dass diese Systeme die spezifischen Belastungen reduzieren. Aber es kann sein, dass neue Belastungen auftreten.“ Kritisch könnte beispielsweise das erhebliche Eigengewicht einiger Modelle sein. Der Noonee etwa wiege vier bis fünf Kilogramm, die am unteren Rücken hängen.

Derzeit ist der Markt für zivile Exoskelette etwa 130 Millionen Dollar groß, wie die Marktforschungsfirma Wintergreen Research schätzt. Bis 2025 soll er stark anwachsen und mehr als fünf Milliarden Dollar erreichen. Unsplash

Der Markt

Derzeit ist der Markt für zivile Exoskelette etwa 130 Millionen Dollar groß, wie die Marktforschungsfirma Wintergreen Research schätzt. Bis 2025 soll er stark anwachsen und mehr als fünf Milliarden Dollar erreichen.

Bild: Unsplash

Dieses smarte Exoskelett ist eine Weltneuheit und wurde gerade auf der Hannover Messe von der Firma German Bionic Systems präsentiert. Das „Cray X“ ist laut Hersteller das erste mit einer Cloud-Plattform vernetzte Exoskelett für das Internet der Dinge (IoT). Und das Exoskelett lernt: Jeder Arbeiter, der es nutzt, legt ein Profil an, in dem seine Präferenzen gespeichert werden. (Credit: German Bionic Systems)

Cray X

Dieses smarte Exoskelett ist eine Weltneuheit und wurde gerade auf der Hannover Messe von der Firma German Bionic Systems präsentiert. Das „Cray X“ ist laut Hersteller das erste mit einer Cloud-Plattform vernetzte Exoskelett für das Internet der Dinge (IoT). Und das Exoskelett lernt: Jeder Arbeiter, der es nutzt, legt ein Profil an, in dem seine Präferenzen gespeichert werden.
(Credit: German Bionic Systems)

Über einen Sensor erkennt das System, wenn der Mensch die Bewegung einleitet, und aktiviert die Motoren, die dem Träger dabei helfen, sich aufzurichten. Es kann aber auch bei Tätigkeiten, bei denen sich ein Mensch über längere Zeit nach vorne beugen muss, stabilisierend wirken. (Credit: German Bionic Systems)

Cray X

Über einen Sensor erkennt das System, wenn der Mensch die Bewegung einleitet, und aktiviert die Motoren, die dem Träger dabei helfen, sich aufzurichten. Es kann aber auch bei Tätigkeiten, bei denen sich ein Mensch über längere Zeit nach vorne beugen muss, stabilisierend wirken.

(Credit: German Bionic Systems)

Das Exoskelett Paexo Shoulder des Medizintechnikherstellers Ottobock entlastet die Schultern, Oberarme und den Rücken bei Tätigkeiten mit erhobenen Armen. Der Roboter-Anzug wiegt 1,9 Kilogramm, lässt sich individuell an den Nutzer anpassen und kann mehrere Stunden lang getragen werden.(Credit: PR Ottobock)

Paxeo Shoulder

Das Exoskelett Paexo Shoulder des Medizintechnikherstellers Ottobock entlastet die Schultern, Oberarme und den Rücken bei Tätigkeiten mit erhobenen Armen. Der Roboter-Anzug wiegt 1,9 Kilogramm, lässt sich individuell an den Nutzer anpassen und kann mehrere Stunden lang getragen werden.
(Credit: PR Ottobock)

Daumen hoch für das kleinste Exoskelett der Welt, vorgestellt ebenfalls von Ottobock auf der Hannover Messe. Paexo Thumb wird über den Daumen gestülpt, eine Kappe schützt die Daumenkuppe vor mechanischer Belastung, ähnlich einem Fingerhut. Gedacht ist das Exoskelett vor allem für Arbeiter in der Automobilproduktion. Es soll den Daumen um 70 Prozent entlasten und wird via 3D-Druck bereits in Serie gefertigt. Golem/Werner Pluta

Paxeo Thumb

Daumen hoch für das kleinste Exoskelett der Welt, vorgestellt ebenfalls von Ottobock auf der Hannover Messe. Paexo Thumb wird über den Daumen gestülpt, eine Kappe schützt die Daumenkuppe vor mechanischer Belastung, ähnlich einem Fingerhut. Gedacht ist das Exoskelett vor allem für Arbeiter in der Automobilproduktion. Es soll den Daumen um 70 Prozent entlasten und wird via 3D-Druck bereits in Serie gefertigt.

Bild: Golem/Werner Pluta

Neben Ottobock und German Bionic hat auch die Firma Comau ein Exoskelett für den industriellen Bereich vorgestellt: Mate hat wie Paxeo einen medizintechnischen beziehungsweise orthopädischen Hintergrund, denn Comau arbeitet seit einigen Jahren mit dem isländischen Unternehmen Össur zusammen, einem Hersteller nicht-invasiver orthopädischer Geräte. Mate kann jede Bewegung der Schulter vollständig nachbilden und ist dem Körper wie eine zweite Haut angepasst. (Credit: PR Comau)

Mate

Neben Ottobock und German Bionic hat auch die Firma Comau ein Exoskelett für den industriellen Bereich vorgestellt: Mate hat wie Paxeo einen medizintechnischen beziehungsweise orthopädischen Hintergrund, denn Comau arbeitet seit einigen Jahren mit dem isländischen Unternehmen Össur zusammen, einem Hersteller nicht-invasiver orthopädischer Geräte. Mate kann jede Bewegung der Schulter vollständig nachbilden und ist dem Körper wie eine zweite Haut angepasst.
(Credit: PR Comau)

Die Arbeit an der Fertigungslinie ist oft anstrengend und ermüdend. Das Schweizer Unternehmen Noonee hat für die Mitarbeiter eine Erleichterung konstruiert: eine Sitzgelegenheit, die sie sich an den Körper schnallen. Das Exoskelett ist den Körperproportionen millimetergenau anpassbar. Bei Bedarf geht man in die Hocke und wird gestützt. (Credit: PR Noonee)

Noonee Chairless Chair

Die Arbeit an der Fertigungslinie ist oft anstrengend und ermüdend. Das Schweizer Unternehmen Noonee hat für die Mitarbeiter eine Erleichterung konstruiert: eine Sitzgelegenheit, die sie sich an den Körper schnallen. Das Exoskelett ist den Körperproportionen millimetergenau anpassbar. Bei Bedarf geht man in die Hocke und wird gestützt.
(Credit: PR Noonee)

Der Ergo Jack des Fraunhofer Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik erfasst über Sensoren die Bewegungen des Mitarbeiters. Diese werden dann mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz mit optimalen Bewegungsmustern abgeglichen. (Credit: Fraunhofer IPK)

Ergo Jack

Der Ergo Jack des Fraunhofer Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik erfasst über Sensoren die Bewegungen des Mitarbeiters. Diese werden dann mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz mit optimalen Bewegungsmustern abgeglichen.

(Credit: Fraunhofer IPK)

Vibrationen geben dem Träger des Ergo Jack unmittelbar Rückmeldung, welche Bewegungen er besser vermeiden sollte. (Credit: Fraunhofer IPK)

Ergo Jack

Vibrationen geben dem Träger des Ergo Jack unmittelbar Rückmeldung, welche Bewegungen er besser vermeiden sollte.
(Credit: Fraunhofer IPK)

Das US-Unternehmen Roam Robotics hat ein Exoskelett entwickelt, das die Beinmuskulatur unterstützt, damit Skiläufer und Snowboarder ihren Sport länger ausüben können. Den Akku tragen die Sportler in einem Rucksack. Das Besondere: Wie stark das System unterstützen soll, kann der Skiläufer über eine App einstellen. Kostenpunkt: etwa 2.500 US-Dollar. (Credit: Roam Robotics)

Roam-Ski-System

Das US-Unternehmen Roam Robotics hat ein Exoskelett entwickelt, das die Beinmuskulatur unterstützt, damit Skiläufer und Snowboarder ihren Sport länger ausüben können. Den Akku tragen die Sportler in einem Rucksack. Das Besondere: Wie stark das System unterstützen soll, kann der Skiläufer über eine App einstellen. Kostenpunkt: etwa 2.500 US-Dollar.
(Credit: Roam Robotics)

Dieses Exoskelett des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin soll Soldaten, die oft schwere Lasten über lange Strecken und umwegiges Gelände schleppen müssen, körperlich unterstützen. Hinknien, Hocken, Heben, Ziehen, Tragen oder Klettern mit schweren Lasten sollen damit leichter werden. Befestigt wird die smarte Bewegungshilfe mit einem Gürtel, Klettbändern und weiteren Haltungen am Körper und an der Uniform. (Credit: Lockheed Martin)

Fortis-Knee-Stress-Release-Gerät (K-SRD)

Dieses Exoskelett des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin soll Soldaten, die oft schwere Lasten über lange Strecken und umwegiges Gelände schleppen müssen, körperlich unterstützen. Hinknien, Hocken, Heben, Ziehen, Tragen oder Klettern mit schweren Lasten sollen damit leichter werden. Befestigt wird die smarte Bewegungshilfe mit einem Gürtel, Klettbändern und weiteren Haltungen am Körper und an der Uniform.
(Credit: Lockheed Martin)

Auch das US-Unternehmen Ekso Bionics will Arbeiter mit seinem Oberkörper-Exoskelett unterstützen, das ohne Motoren auskommt. Die EksoVest wiegt 4,3 Kilogramm und ist unter anderem bei dem Autobauer Ford im Einsatz. Inzwischen erproben aber auch nahezu alle anderen Autobauer, ob Audi, VW oder BMW, die „Maschinen zum Anziehen“. (Credit: Ekso Bionics)

Ekso Works Industrial Exoskeleton

Auch das US-Unternehmen Ekso Bionics will Arbeiter mit seinem Oberkörper-Exoskelett unterstützen, das ohne Motoren auskommt. Die EksoVest wiegt 4,3 Kilogramm und ist unter anderem bei dem Autobauer Ford im Einsatz. Inzwischen erproben aber auch nahezu alle anderen Autobauer, ob Audi, VW oder BMW, die „Maschinen zum Anziehen“.
(Credit: Ekso Bionics)

  • zurück
  • 1 von 15
  • vor

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×