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08.11.2018

22:49 Uhr

„The Spark“

Platz 1: Magazino – Start-up mit ersten Wachstumsschmerzen

VonAxel Höpner

Mit einem Betriebssystem für Roboter will Magazino die Logistik revolutionieren – und gewinnt damit den Digitalpreis „The Spark“.

Die Regalroboter haben 3D-Kameras an Bord und können eigenständig Entscheidungen treffen.

Magazino-Roboter

Die Regalroboter haben 3D-Kameras an Bord und können eigenständig Entscheidungen treffen.

MünchenIm Einreißen von Wänden sind sie bei Magazino inzwischen Experten. Das Start-up ist seit der Gründung vor vier Jahren in einem schier endlos langen Gewerbezweckbau neben S-Bahn-Gleisen in München angesiedelt. Sobald in den Nachbarbüros eine Firma aufgab oder auszog, mietete Magazino die Flächen an und vergrößerte sich.

100 Mitarbeiter finden so inzwischen verteilt auf zwei Stockwerke einen Platz. „Als wir angefangen haben, hat sich kaum einer für Robotik interessiert“, sagt Gründer Frederik Brantner, „und jetzt stecken wir mitten drin in einem Hype.“

Magazino hat das Glück, dass es ein wenig vor den anderen dran war. Mit seinen Regalrobotern, die mit 3D-Kameras sehen und eigenständig Entscheidungen treffen können, ist das Münchener Vorzeige-Start-up derzeit technologisch führend. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde sammelte Magazino mehr als 20 Millionen Euro ein.

Noch wichtiger vielleicht: Als strategische Investoren konnten potenzielle Großkunden wie der Onlineversender Zalando, der Technologiekonzern Körber und Fiege Logistik gewonnen werden.

Während viele Konkurrenten mit der komplexen Materie – es gilt, mit dem menschlichen Chaos fertigzuwerden – noch in der Entwicklung sind, kommt das Geschäft bei Magazino gerade so richtig ins Rollen. Nach Schätzung in Industriekreisen macht Magazino derzeitig einen zweistelligen Millionenbetrag Umsatz, im nächsten Jahr sollen die Wachstumsraten dreistellig sein.

Digitalpreis „The Spark“: Ein Betriebssystem für Roboter und eine künstliche Hand – diese Start-ups sind die Gewinner

Digitalpreis „The Spark“

Ein Betriebssystem für Roboter und eine künstliche Hand – diese Start-ups sind die Gewinner

Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben. Das Start-up Magazino entwickelt ein Betriebssystem, mit dem Firmen die Geräte steuern können – und gewinnt damit den Digitalpreis „The Spark“.

„Da werden wir sicherlich über 100 Millionen Euro liegen“, sagt Brantner und gibt damit noch eine eher konservative Schätzung ab. Ein Grund dafür: Magazino will künftig auch ein intelligentes Roboter-Betriebssystem für andere Hersteller lizenzieren.

Denn Magazino verbreitert gerade die Geschäftsbasis. Bislang war Toru das Hauptprodukt. Der Roboter kann quaderförmige Objekte erkennen und ergreifen. „Bei Zalando und anderen Kunden sind im Internethandel bereits etwa 20 Roboter im Einsatz“, sagt Brantner.

Die Roboter können zum Beispiel Schuhkartons für den Versand aus dem Regal holen und so eine Bestellung zusammenstellen. Sie sind mit einer intelligenten Objekterkennung ausgestattet. Wenn ein anderer Karton auf dem Zielobjekt liegt, wird dieser mit einem Greifer wieder zurück ins Regal geschoben.

Der Versandhändler Amazon zeigt mit hochautomatisierten Lagern, wohin die Reise in der Branche geht. Weltweit drehen bei Amazon in den Versandhallen Zehntausende Roboter ihre Runden. Die Amerikaner haben 2012 für 775 Millionen Dollar den Lagerroboterhersteller Kiva Systems übernommen. Die Roboter setzt Amazon aber ausschließlich bei sich selbst ein, und sie sind damit keine erdrückende Konkurrenz für Magazino.

Ein noch größeres Potenzial könnte das zweite Standbein liefern: Roboter für die Intralogistik auf Produktionsgeländen. „Das wird ein Milliardenmarkt“, ist auch Thomas Visti überzeugt, Gründer der dänischen Mobile Industrial Robots, die autonome Transportroboter herstellt, die allerdings nicht selbstständig greifen können.

„The Spark“ : Platz 3: Quantum Systems – Ein Computer mit Flügeln

„The Spark“

Platz 3: Quantum Systems – Ein Computer mit Flügeln

Quantum Systems hat zwei Drohnen entwickelt, die einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Drohnen haben.

Denn die Fertigung selbst haben zum Beispiel Autokonzerne schon weit automatisiert. Doch beim Transport von Teilen auf dem Gelände gibt es noch viel Nachholbedarf.

Magazino hat daher den etwas größeren Transportroboter SOTO entwickelt, der auch etwas schwerere Kleinladungsträger wie Kunststoffkisten ergreifen kann. Mit mehreren Kunden laufen derzeit Einführungsprojekte. Schon im kommenden Jahr will Magazino insgesamt knapp 100 Roboter ausliefern. Das Start-up will dann stärker auf Auftragsvorfertiger setzen, noch werden die Maschinen einzeln in dem Gewerbebau an den Bahngleisen zusammengebaut.

Noch ist das Zukunftsmusik, doch eines Tages werden die Roboter selbst ein austauschbares Standardprodukt sein, mit entsprechendem Druck auf die Margen. „The Spark“-Gewinner Magazino baut vor und will noch stärker zu einer Software-Firma werden. Schon heute beschäftigt das Unternehmen etwa 50 Software-Entwickler.

Nun hat die Firma ein Software-Betriebssystem mit dem Namen ACROS zur einfachen Programmierung von Robotern entwickelt, das gegen Bezahlung anderen Roboterbauern zur Verfügung gestellt werden soll. „Das ist einfach der noch größere Markt“, sagt Brantner.

Bei ACROS werden die Daten aus dem Betrieb der Roboter in der Cloud gespeichert. Die Maschinen lernen aus den Erfahrungen ihrer Kollegen und werden so dank maschinellen Lernens intelligenter.

„The Spark“: Platz 2: Vincent Systems – Hightech als Handersatz

„The Spark“

Platz 2: Vincent Systems – Hightech als Handersatz

Mit Hightech-Handprothesen, die fast einem Miniaturroboter gleichen, ermöglicht Vincent Systems immer mehr Menschen einen höheren Freiheitsgrad.

Über die Daten, die ein Roboter bei einem Kunden zum Beispiel beim Picken in einem Schuhlager sammelt, könnten Roboter bei ganz anderen Anwendern unbekannte Objekte, die einem Schuhkarton ähneln, so ebenfalls ergreifen, ohne eigens auf diese programmiert worden zu sein. Mit ACROS können ganze Roboterflotten gesteuert werden.

Darin eingebunden sind zum Beispiel die Programm-Module für die Objekterkennung, die freie Navigation im Lager, die Planung der Greiferbewegung und die Kommunikation der Arbeitsaufträge mit dem Warenwirtschaftssystem des Lagers.

Begonnen hatte alles mit einer Currywurst. Bei einer Veranstaltung des Hightech-Gründerfonds traf Brantner am Bistrotisch auf zwei Siemens-Manager und lästerte, dem Konzern fehle in der Automatisierung ja noch einiges.

Auch bei Siemens nahm man forsche Gründer inzwischen ernst, und so wurde Brantner in die Zentrale eingeladen – und der Dax-Konzern beteiligte sich im Jahr 2015 mit 49 Prozent an dem Roboterbauer. Inzwischen wurde der Siemens-Anteil verwässert.

Magazino steht nun vor der klassischen Herausforderung: Die Organisation muss mit dem schnellen Wachstum mithalten, ohne dass der Start-up-Geist verloren geht. „Früher habe ich einmal im Raum was gesagt, und alle wussten Bescheid“, sagt Brantner.

Benny Jürgens und Carlo Ulbrich: Das Start-up Nect liefert die KI-Technologie zum Video-Ident-Verfahren

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Die Hamburger Benny Jürgens und Carlo Ulbrich haben intelligente Technologie entwickelt, die es möglich macht, Versicherungen online abzuschließen.

Heute ist der Trakt so lang, dass das nicht mehr möglich ist. Viele Mitarbeiter haben zudem Kopfhörer auf, weil es ihnen sonst zu laut ist. Ein Stück weit wie ein Konzern zu werden, mit Controlling, Abteilungen und Hierarchien sei ein schwieriger Prozess. „Das geht nicht ohne Wachstumsschmerzen.“

Doch herrscht noch immer Gründerflair. Statussymbole wie große Einzelbüros gibt es nicht, Frühstück und Mittagessen sind umsonst. Doch als neulich jemand um eine sechste Sorte Milch bat – Soja-, Hafer-, Halbfett- und andere Sorten stehen bereits im Kühlschrank –, dachte sich der Gründer: „Man kann es mit dem Start-up auch übertreiben.“

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