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08.11.2018

22:52 Uhr

„The Spark“

Platz 2: Vincent Systems – Hightech als Handersatz

VonChristof Kerkmann

Mit Hightech-Handprothesen, die fast einem Miniaturroboter gleichen, ermöglicht Vincent Systems immer mehr Menschen einen höheren Freiheitsgrad.

Mit der künstlichen Hand von Vincent Systems können Träger ihre Finger einzeln bewegen und zwischen 14 verschiedenen Griffarten variieren.

Künstlicher Handersatz

Mit der künstlichen Hand von Vincent Systems können Träger ihre Finger einzeln bewegen und zwischen 14 verschiedenen Griffarten variieren.

MünchenDie Entscheidung kann Stefan Schulz bis heute nicht nachvollziehen. Neun Jahre schon erforschte er am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) moderne Prothesen, als die Forschungseinrichtung 2007 die Förderung für Medizintechnik kurzerhand einstellte. „Dabei kamen gerade erste bionische Hände auf den Markt“, sagt der Ingenieur – und seine Arbeitsgruppe werkelte an einem Durchbruch.

Im Nachhinein erwies sich die Entscheidung als Glücksfall. Schulz machte mit zwei Kollegen auf eigene Faust weiter. Heute bauen sie mit der Firma Vincent Systems Hightech-Handprothesen, die vielen Menschen das Leben erleichtern. Es ist ein kleiner, aber wachsender Markt – der Umsatz des Start-ups liegt im einstelligen Millionenbereich, er dürfte sich nächstes Jahr verdoppeln.

Schon im Mittelalter trugen Ritter eiserne Hände, mit der Industrialisierung des Krieges im 20. Jahrhundert stieg der Bedarf an Ersatzteilen für versehrte Körper. „Aber es gibt erst seit 2010 Armprothesen, die mehrere Griffmuster ermöglichen“, sagt Boris Bertram, Leiter der Abteilung für Armprothetik an der Universitätsklinik Heidelberg.

Modelle wie die von Vincent Systems, Otto Bock oder Össur seien ein großer Fortschritt: „Sie bieten den Patienten deutlich höhere Freiheitsgrade.“

Vincent Systems hat eine künstliche Hand entwickelt, die dem Träger deutlich mehr Freiheiten ermöglichen soll: Er kann damit die Finger einzeln bewegen und zwischen 14 verschiedene Griffarten variieren. „Der Anwender wählt sie an wie ein Computerprogramm“, sagt Schulz. So kann er den Zeigefinger ausstrecken oder wie mit einer Pinzette greifen. Nach einigen Wochen klappt das im Alltag.

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Wie bei einer richtigen Hand betätigt der Anwender die Muskeln. Das Gerät misst anhand der Hautspannung die Aktivität, interpretiert die Signale und gibt den Motoren ein Kommando – ein Mikrocomputer in der Hand macht es möglich. „Moderne bionische Handprothesen sind am Körper getragene Miniaturroboter“, sagt der Gründer. Je nach Ausführung kostet das Modell zwischen 20.000 und 35.000 Euro.

Die Entwicklung war schwierig. Die Prothese soll stabil, aber leicht sein, kräftig zupacken, aber keinen Lärm machen. Und mit einer Akkuladung über den Tag kommen. „Das ist wie ein Formel-1-Wagen, der nur drei Liter braucht und nicht zu hören ist“, sagt Schulz. Zumal seine Firma fast alle Bauteile selbst entwickelt hat – von den Akkusystemen bis zu den Getrieben.

Die Arbeit macht sich aber bezahlt. Der Markt für hochwertige Handprothesen ist zwar klein, derzeit werden weltweit 1000 Geräte pro Jahr verkauft – aber der Bedarf wächst kräftig. Das macht sich auch bei Vincent Systems bemerkbar.

Das Wachstum finanziert Schulz aus dem laufenden Geschäftsbetrieb – er will unabhängig sein, „um frei und schnell entscheiden zu können“.

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