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23.06.2022

16:17

TSMC

Weltgrößter Fertiger verspricht mehr Chips für Autobauer – aber nur zu höheren Preisen

Von: Joachim Hofer

Der Auftragsfertiger TSMC beugt sich dem Druck seiner Kunden und investiert in ältere Technologien. Das soll den Chipmangel beheben. An einem Punkt bleiben die Taiwaner aber hart.

Der weltgrößte Auftragsfertiger der Chipbranche will die Autoindustrie künftig besser mit Halbleitern versorgen. Reuters

TSMC

Der weltgrößte Auftragsfertiger der Chipbranche will die Autoindustrie künftig besser mit Halbleitern versorgen.

Amsterdam Es sind gute Nachrichten für die vom Chipmangel geplagte europäische Autoindustrie: Der weltgrößte Auftragsfertiger TSMC baut erstmals neue Kapazitäten für reifere Halbleitergenerationen auf, wie sie die Fahrzeughersteller dringend benötigen. „Das haben wir noch nie gemacht“, betonte Vorstandschef C. C. Wei auf einer Veranstaltung mit Kunden diese Woche in Amsterdam.

Das sei allerdings teuer, warnte der Manager: „Es verändert unsere Kostenstruktur.“ Denn TSMC verabschiedet sich damit von seinem bisherigen Geschäftsmodell. So haben die Taiwaner die Autoindustrie bislang stets aus älteren Fabriken beliefert, in denen zunächst hochmoderne Chips für Computer und Handys produziert wurden und die nach einigen Jahren vollständig abgeschrieben waren. Das sorgte für niedrige Preise.

Große Chip-Nachfrage bei Autoindustrie

Angesichts der gewaltigen Nachfrage der Autoindustrie investiere der Konzern nun zum ersten Mal in seiner 35-jährigen Geschichte in neues Equipment für ältere Technologien, erläuterte C. C. Wei. Für die Autohersteller heißt das: Sie müssen in den kommenden Jahren wesentlich mehr bezahlen als bisher. Während Smartphones und PCs stets mit den jüngsten Chipgenerationen bestückt werden, stecken in Autos zum Teil Halbleiter, die vor Jahrzehnten entwickelt wurden.

Fehlende Bauelemente: Die Bänder stehen still

Den Fahrzeugherstellern allerdings bleibt gar nichts anderes übrig, als die höheren Preise zu akzeptieren. Seit mittlerweile zwei Jahren stehen weltweit immer wieder die Bänder still, weil die Bauelemente fehlen.

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    Dabei beginnt die große Zeit der Chips in Autos gerade erst. „Halbleiter werden wirklich wichtig für die Autoindustrie“, sagte VW-Chef Herbert Diess auf dem TSMC-Event. Mit dem autonomen Fahren und den Elektroantrieben benötigten die Fahrzeuge wesentlich mehr und auch leistungsstärkere Chips.

    Der Vorstandschef des größten europäischen Autobauers war eigens für das Treffen mit TSMC nach Amsterdam gereist. Das zeigt, wie wichtig der Konzern aus Hsinchu inzwischen für die Autobranche geworden ist.

    Dabei kauft VW, wie alle anderen etablierten Autohersteller, seine Chips gar nicht direkt bei TSMC ein. Stattdessen bezieht Diess die Bauteile über große Zulieferer wie Bosch, Continental oder ZF. Die bestellen bei Halbleiterkonzernen, also Infineon, NXP oder STMicroelectronics. Diese wiederum haben einen Teil der Produktion an Auftragsfertiger wie TSMC, Samsung, UMC oder Globalfoundries ausgelagert.

    VW-Chef Diess: „Wir müssen alle zusammenarbeiten“

    Trotzdem sei der Kontakt zu TSMC wichtig, unterstrich Diess: „Wir müssen alle zusammenarbeiten“, so der Manager. Diess rief gleichzeitig dazu auf, die Chips innerhalb der Autobranche stärker zu standardisieren. Denn das sorge für größere Stückzahlen – und mache das Autogeschäft für TSMC attraktiver.

    Grafik

    Das ist wichtig, denn mit den Mengen der TSMC-Großkunden Apple, Qualcomm oder Nvidia können die Autohersteller noch lange nicht mithalten. Für die amerikanischen Tech-Konzerne produzieren die Taiwaner riesige Mengen mit den modernsten Verfahren weltweit.

    TSMC hat eine große Bedeutung für die Chip-Industrie weltweit

    Tatsächlich ist TSMC derzeit eines der wichtigsten Unternehmen der Welt. Mit 63.000 Mitarbeitern stellt der Konzern rund 12.000 verschiedene Produkte her, und das mit mehr als 300 Technologien. Fast alle großen Halbleiterhersteller lassen bei TSMC fertigen. Selbst der US-Rivale Intel greift auf die Fabriken der Asiaten zurück, denn TSMC hat den Chip-Pionier aus dem Silicon Valley technologisch abgehängt.

    TSMC verkauft grundsätzlich keine Chips unter eigenem Namen, um den Kunden keine Konkurrenz zu machen. Der Konzern erzielte im ersten Quartal gut 17 Milliarden Dollar Umsatz. Damit steht TSMC für 53,6 Prozent aller Erlöse der zehn größten Auftragsfertiger weltweit, so die Marktforscher von Trendforce.

    Zum Vergleich: Die Nummer zwei unter den sogenannten Foundries, Samsung aus Südkorea, kam nur auf rund fünf Milliarden Dollar Umsatz und einen Marktanteil von 18,3 Prozent.

    Keine konkreten Pläne von TSMC für Fabrik in Europa

    Den Autoherstellern verspricht TSMC, die Produktionskapazitäten bei reiferen Technologien bis Mitte des Jahrzehnts um die Hälfte auszubauen. Mit einer eigenen Produktionsstätte näher an die Kunden in Europa heranrücken will das Unternehmen gleichwohl nicht. „Wir schauen uns viele Orte an“, sagte TSMC-Vorstand Kevin Zhang. Konkrete Pläne für eine Fabrik in Europa gebe es aber nicht.

    Die EU-Kommission hat das Ziel ausgegeben, den Anteil Europas an der weltweiten Chipproduktion von unter zehn auf 20 Prozent zu steigern – und das bis Ende des Jahrzehnts. So will sich Brüssel weniger abhängig von Asien machen. Um die Halbleiterfirmen anzulocken, sollen mehr als 40 Milliarden Euro an Subventionen fließen. Trotz der gewaltigen staatlichen Unterstützung hat sich bislang aber nur Intel gefunden, um in Europa in großem Stil zu investieren.

    Werke auch in Japan und den USA - nicht in Europa

    TSMC produziert bis heute fast ausschließlich in Taiwan. Inzwischen aber baut das Unternehmen auch große, neue Werke in Japan und den USA.

    Warum der Konzern ausgerechnet vor Europa zurückschreckt? „Wir müssen unsere eigenen Ressourcen im Blick behalten“, erläuterte Zhang. Zu viele Projekte auf einmal könnten die eigene Organisation überfordern. Offenbar zweifelt TSMC aber auch daran, dass sich eine Fabrik in Europa rentabel betreiben lässt. Zhang: „Wir müssen das gesamte Umfeld berücksichtigen, und da ist immer noch viel in Asien.“

    TSMC will mehr als 40 Milliarden Dollar investieren

    Zwischen 40 und 44 Milliarden Dollar will TSMC insgesamt 2022 investieren. Eigenen Angaben zufolge hat TSMC vergangenes Jahr gut zehn Prozent aller Wafer, das sind die Scheiben, auf denen Chips entstehen, an europäische Kunden geliefert.

    Die europäischen Chipkonzerne begrüßen unterdessen, dass TSMC eine neue Richtung einschlägt. „Wir brauchen viel Unterstützung bei reiferen Technologien“, sagte Kurt Sievers, Chef des niederländischen Halbleiterherstellers NXP. Das ist kein Wunder, denn es kann nur besser werden für den Rivalen des Münchener Dax-Konzerns Infineon. Der Manager muss die knappe Ware seinen Kunden regelrecht zuteilen, weil TSMC als Auftragsfertiger mit der Lieferung nicht hinterherkommt.

    Erstpublikation: 23.06.22, 14:24 Uhr.

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