MenüZurück
Wird geladen.

12.06.2015

09:29

Raubzüge im ICE

Die dreiste Masche der erpresserischen Datendiebe

Von: Jürgen Berke
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Datenklau ganz analog: Banden stehlen Handys und Laptops von Managern, um die Besitzer oder deren Firmen mit den erbeuteten Daten zu erpressen. Häufig sind sie in deutschen Zügen unterwegs.

Daten nicht ausreichend gesichert? Kriminelle können mit sensiblen Daten, an die sie über gestohlene Geräte gekommen sind, hohe Summen erpressen. Getty Images

Datenklau

Daten nicht ausreichend gesichert? Kriminelle können mit sensiblen Daten, an die sie über gestohlene Geräte gekommen sind, hohe Summen erpressen.

DüsseldorfDie Diebe schlagen am frühen Dienstagmorgen zu, und das Opfer ist ausgerechnet Dieter Kempf. Der Vorstandsvorsitzende des Nürnberger IT-Dienstleisters Datev und Präsident des IT-Dachverbands Bitkom reist am 19. Mai mit dem ICE zum 14. IT-Sicherheitskongress in Bonn. Um 13 Uhr soll er dort eine Expertenrunde über „sichere mobile Kommunikation“ moderieren.

Doch dann wird ausgerechnet Deutschlands höchster IT-Repräsentant beim Zwischenstopp in Würzburg Ziel eines Angriffs von Cyberkriminellen.

Gerade ist der ICE im Hauptbahnhof eingefahren. Nur zwei Minuten haben die Fahrgäste zum Ein- und Aussteigen Zeit. Da machen sich drei Männer an ihr Werk: Der eine steht auf dem Bahnsteig Schmiere, der zweite hält die Zugtür offen, der dritte sucht im Großraumwagen der 1. Klasse nach sorglosen Geschäftsleuten, die für einen kurzen Moment ihre Laptops und Smartphones unbeaufsichtigt an ihrem Sitzplatz zurücklassen.

Gefahren der Digitalisierung: Wenn Hacker den Verkehr lahmlegen

Gefahren der Digitalisierung

Wenn Hacker den Verkehr lahmlegen

Die Digitalisierung und Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche geht mit Riesenschritten voran. Oft kann jedoch die Sicherheit nicht mithalten. Die Gefahr von Angriffen auf Netze der Bahn oder von Energieversorgern steigt.

Kempf ist in seinen Laptop vertieft, als der Dritte im Diebesbund eines seiner beiden Smartphones, einen Blackberry Z 30, aus seinem Jackett am Kleiderhaken fischt – und flieht. Der Bitkom-Chef hatte Glück im Unglück: Sein Blackberry mit dem neunstelligen Zugriffscode und dem achtstelligen Code ins Firmennetz lässt sich kaum knacken. Dennoch sagt er: „Ich ärgere mich am meisten über mich selbst. In Zürich ist mir das schon mal passiert.“

Mehrfach hat Kempf in den vergangenen zwei Wochen diese Geschichte in Managerkreisen erzählt – und dabei unter vier Augen erfahren, dass vielen Kollegen schon das Gleiche passiert ist. Denn offenbar hat es eine neue Sorte Cyberkrimineller auf Firmendaten abgesehen.

Anders als gewöhnliche High-Tech-Kriminelle hacken sie sich aber nicht in die Datennetzwerke ihrer Opfer, um diese Daten dann missbräuchlich einzusetzen. Ihnen geht es gar nicht so sehr um die ergaunerten Bits und Bytes; die sind vielmehr Mittel, um von den eigentlichen Besitzern Lösegeld zu erpressen.

Besonders viel Lehrgeld musste der Frankfurter Rechtsanwalt Klaus Müller* zahlen. Der Jurist, zu dessen Mandanten auch Top-Manager gehören, hatte nur kurz seinen Sitzplatz verlassen, um ein Getränk aus dem Bordrestaurant zu holen. Als er zurückkehrte, war sein Laptop verschwunden. Keine Stunde später griffen die Diebe erstmals auf Dokumente und Kontaktlisten zu, die im kanzleiinternen Netzwerk unverschlüsselt hinterlegt waren.

* Name von der Redaktion geändert

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×