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Aktionärinnen für Chancengleichheit

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Mit Chanson zur sachlichen Debatte

Aktionärinnen für mehr Chancengleichheit in Unternehmen (v.l.): Marie-Jo Zimmermann, Mitglied des Französischen Parlaments, Ramona Pisal, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, EU-Kommissarin Vera Jourova, Angela Kolb-Janssen, Ministerin für Justiz und Gleichstellung in Sachsen-Anhalt, und Professorin Jackie Jones. Michael Chia

Treffen in Brüssel

Aktionärinnen für mehr Chancengleichheit in Unternehmen (v.l.): Marie-Jo Zimmermann, Mitglied des Französischen Parlaments, Ramona Pisal, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, EU-Kommissarin Vera Jourova, Angela Kolb-Janssen, Ministerin für Justiz und Gleichstellung in Sachsen-Anhalt, und Professorin Jackie Jones.

Die dreifache Mutter war das erste Mal als „Aktionärin“ im Einsatz, als sie mit ihrem zweiten Sohn in Mutterschutz war – das Baby wartete draußen, als sie drinnen nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie fragte. Im vergangenen Jahr stand sie dann sechs Mal auf der Bühne einer Hauptversammlung, unter anderem bei Banco Santander, Iberdrola und dem Modekonzern Inditex.

Dort hat sie gesehen, was ein einziger Auftritt bewirken kann: Aus einem Konzern kam anschließend die einzige Vorständin auf sie zu und bedankte sich: „Sie sind meine Heldin.“ Und der Versorger Iberdrola, ein ohnehin sehr fortschrittliches Unternehmen, habe sich anschließend für ihre Vorschläge bedankt und seine Familienpolitik noch mal nachgebessert.

Meeting-Wahnsinn: Ritter der Schwafel- Runde

Meeting-Wahnsinn

Ritter der Schwafel- Runde

Viele Konferenzen sind ineffizient und langweilig. Dabei lässt sich viel frischer Schwung in Besprechungen bringen: Zum Beispiel Meetings beim Spazieren, Ideen sammeln im World Café oder hierarchiefreie Diskussionen.

So freundlich werden die Aktionärinnen nicht immer bedacht. In Frankreich etwa trat Nathalie Leroy bei der Hauptversammlung des Medienkonzerns Vivendi in der berühmten Konzerthalle „Olympia“ ans Rednerpult, vor sich ein Meer aus ergrauten oder haarlosen Männerköpfen. „So ist das in Frankreich immer“, sagt sie und lachte. Was sie aber gar nicht witzig fand: Dass die Masse ihre Fragen offenbar für unwichtig hielt, jedenfalls schwoll ein Geraschel und Getuschel an, kaum dass sie anfing zu sprechen.

„Da dachte ich: Oh, là là. Wann stehe ich schon wieder in einer Konzerthalle? Mit einem Mikro in der Hand?“ Und spontan stimmte sie den bekannten französischen Schlager „Ou sont les Femmes?“ an – „Wo sind die Frauen…?“ Im Nu war Ruhe im Saal, erst lachten die Männer, dann hörten sie zu. Ein Lehrstück darüber, wie ein bisschen Humor die notwendige Sympathie für die Sache und damit eine sachliche Debatte schaffen kann.

Die Französin machte auf der Hauptversammlung mit einem Chanson auf sich aufmerksam. Michael Chia

Nathalie Leroy

Die Französin machte auf der Hauptversammlung mit einem Chanson auf sich aufmerksam.

Manchen Frauen hilft aber auch der Humor nicht weiter. Davon kann Katalin Prandler berichten, Koordinatorin des Projekts in Ungarn. Sie hatte manches Mal Probleme, überhaupt Einlass zu Aktionärstreffen zu erhalten. Es gab abenteuerliche Begründungen, warum der Anteilsschein just am Tag der Hauptversammlung keinen Einlass gewähre; andere Konzerne fingen sie am Eingang ab.

„In Ungarn geht kaum einer zu diesen Versammlungen. Ich war dann geradezu verdächtig, weil ich obendrein nur eine Aktie besaß“, erzählt Prandler. Und ihre Fragen? Die wurden kaum ernst genommen, ein Vorstand verfiel sogar in Ironie: „Schlagen Sie uns doch eine Frau vor, die wir hier hinsetzen sollen.“ Und das bei Konzernen, die international tätig sind und immerhin dem nationalen Index Bux angehören.

Spielregeln: So zeigen Sie Macht

Quelle

Reiner Neumann, „Die Macht der Macht“, erschienen im Hanser-Verlag.

Erwerben und bewahren Sie Macht

Sichern Sie sich die nötigen Ressourcen. Werden Sie zum Experten für ein wichtiges Fachgebiet oder ein zentrales Thema. Kultivieren Sie Ihre Netzwerke. Verschaffen Sie sich Zugang zu wesentlichen Informationen. Entwickeln Sie Charisma - arbeiten Sie an Ihrem Auftreten und Ihrer Wirkung.

So zeigen Sie Macht

Macht wird im Verhalten sichtbar. Einige Spielregeln können Ihnen helfen, situative Macht zu zeigen. Sie entscheiden über die Dosis.

Macht braucht Hierarchie und muss sichtbar werden

Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihre Position in der Rangordnung, füllen Sie die Position aus, Sie ist Ihre Position, bauen Sie sie aus.

Wahrnehmung durch Signale unterstützen

Sorgen Sie für die richtigen Symbole wie Firmenwagen oder Budget, setzen Sie diese gezielt ein.

Lassen Sie es andere wissen...

...woran Sie arbeiten und wie erfolgreich Sie dabei sind. Wichtige Entscheidungsträger müssen erfahren, dass Sie Leistung bringen.

Kämpfen Sie um wichtige Aufgaben

Erfolgreich bewältigte Aufgaben mit überschaubarem Risiko, hohem Prestige und der Aufmerksamkeit des Topmanagements sind wichtige Bausteine für jede Karriere.

Gehen Sie gezielt nützliche Allianzen ein

Alleine werden Sie es nicht schaffen, Sie brauchen ein Netzwerk.

Machen Sie sich bemerkbar

Beziehen Sie Stellung, sprechen Sie laut und deutlich, kein Meeting ohne einen qualifizierten und pointierten Beitrag.

Wichtige Besprechungen bereiten Sie vor

Sprechen Sie im Vorfeld mit den wichtigsten Meinungsträgern, sorgen Sie für abgestimmte Meinungen, bevor es zum Showdown in der Sitzung kommt.

Unterstützen Sie durch Ihre Körpersprache

Nehmen Sie den Ihnen gebührenden Raum ein. Unterstreichen Sie Ihre Aussagen durch Gestik und nehmen Sie Blickkontakt auf. Souveränes Lächeln und nachhaltige Freundlichkeit unterstützen die Sicherheit Ihres Auftretens. Berühren Sie in passenden Situationen Ihr Gegenüber am Arm, um Aufmerksamkeit und Nähe herzustellen.

Gezielt sprechen

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Ausführungen. Sprechen Sie laut und deutlich. Sprechpausen sind ein Zeichen von Sicherheit und Souveränität. Unterbrechen Sie gezielt mit einem wichtigen Kommentar.

Kleider machen Leute

Tragen Sie die richtige Kleidung und tragen Sie diese richtig.

Der Autor Reiner Neumann

Neumann ist Diplom-Psychologe und arbeitet als Trainer und Berater mit Vorständen, Geschäftsführern und Personen des öffentlichen Lebens. Als Manager arbeitete er früher für Siemens, bei der Hamburg-Mannheimer AG, war Bereichsleiter bei Mummert und Kienbaum sowie Vice President der ABB Business Services in der Schweiz.

Dabei geht es den Aktionärinnen mitnichten um irgendwelche Bekenntnisse zu lila Latzhosen. Zwar halten sie es grundsätzlich für fragwürdig, dass die Hälfte der Bevölkerung so unterrepräsentiert ist in den Gremien globaler Akteure, die weitreichende Entscheidungen fällen und internationale Prozesse beeinflussen – zumal mittlerweile 60 Prozent aller Studienanfänger in Europa Frauen sind. Man darf an dieser Stelle daran erinnern, dass etwa das Brasilien-Desaster von Thyssen-Krupp von einer rein männlichen und typisch deutschen Managerriege verursacht wurde, dass auch im Volkswagen-Konzern keine Frau im Vorstand sitzt. Vielleicht hätten dort gemischte Truppen andere Entscheidungen gefällt?

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