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20.08.2019

16:55

Alexander Falk

Vorwurf Mordauftrag: Prozessauftakt gegen den Erben des Faltplan-Verlags

Von: René Bender

Der Unternehmer Alexander Falk steht wegen angeblichen Mordauftrages vor Gericht. Seine Anwälte zweifeln an der Version der Staatsanwaltschaft.

Der einstige Unternehmer soll einen Mordanschlag auf einen Anwalt beauftragt haben. dpa

Alexander Falk

Der einstige Unternehmer soll einen Mordanschlag auf einen Anwalt beauftragt haben.

Düsseldorf Ohne Genehmigung kein Hemd. Der Justizwachtmeister war unerbittlich. Alexander Falks Frau musste das Hemd wieder mitnehmen, in dem ihr Mann beim Auftakt seines Strafprozesses an diesem Mittwoch vor dem Frankfurter Landgericht wenigstens ordentlich gekleidet sein sollte.

Für den Millionärssohn, der einst den Verlag mit den berühmten ausklappbaren Faltplänen erbte, sind momentan selbst so schlichte Dinge wie die Ausstattung mit vernünftiger Kleidung beschwerlich. Denn Falk soll – was er vehement bestreitet – einen Mord an einem Anwalt in Auftrag gegeben haben. Seit fast einem Jahr sitzt er deshalb in Untersuchungshaft.

Um sicherzustellen, dass die erforderliche Genehmigung für „ein adäquates Oberhemd“ noch rechtzeitig vor dem Prozess vorliegt, mussten Falks Anwälte schließlich schriftlich beim Vorsitzenden Richter insistieren. Falks letzte Chance: Die Hemd-Übergabe in der sogenannten Vorführzelle, in der der Gefangene nach seinem Transport aus der Haftanstalt im Gerichtsgebäude auf ihren Prozess warten – sie genießen den zweifelhaften Ruf, etwas von kerkerhaften Verliesen zu haben.

Doch wenn Falk dann wahrscheinlich in Handschellen und von Justizwachtmeistern begleitet gegen 09:30 Uhr den Sitzungssaal im Frankfurter Landgericht betritt, werden Äußerlichkeiten schnell wieder zur Nebensache verkommen. Überlagert von einem Fall, der zum Krimi taugt. Falk war als Internetunternehmer um die Jahrtausendwende in den Kreis der 100 reichsten Deutschen aufgestiegen, später wirtschaftlich gestrauchelt und hatte sich in der Folge mit Kriminellen eingelassen. Dokumentiert wird das unter anderem in Tonbandmitschnitten, die üble Charakterzüge und Machenschaften Falks nach außen kehren werden.

Ob Falk aber tatsächlich auch einen Mord in Auftrag gab, wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, wird Richter Jörn Immerschmitt an insgesamt 18 Verhandlungstagen und mithilfe von 20 Zeugen zu klären haben. Das erste Wort ist dabei Falk und seinen Verteidigern vorbehalten. Starten wird der Prozess mit einer umfassenden Erklärung von Falks Anwalt Björn Gercke. Anschließend, so der Plan, wird sich auch Falk ausführlich zu der Sache einlassen.

Falk soll Bilanzen manipuliert haben

Eines dürfte dabei schon jetzt klar sein: Falk und seine Verteidigung werden zahlreiche Punkte vorbringen, die zumindest manches dicke Fragezeichen an der Theorie der Staatsanwaltschaft, deren Beweismitteln und Zeugen aufbringen werden. Der Fall hat eine lange Vorgeschichte: Im Jahr 2000 verkaufte Falk seine Internetfirma Ision für 762 Millionen Euro.

Allerdings hatte Falk, so sahen es später die Gerichte, Bilanzen manipuliert, was ihm eine vierjährige Haftstrafe wegen versuchten Betruges und hohe zivilrechtliche Forderungen einbrachte. Der Anwalt Wolfgang J. arbeitete seinerzeit an einer Klage. Falk sah sich zu Unrecht verurteilt und vermutete bei Wolfgang J. Dokumente, die seine Unschuld beweisen könnten.

Nach Ansicht der Strafverfolger erteilte Falk dann im September 2009 in einer Hamburger Filiale der Restaurantkette „Block House“ für 200.000 Euro den Auftrag, Wolfgang J. zu ermorden. Dafür sorgen sollten Männer aus dem Hamburger Boxer-Milieu, die Falk in der U-Haft kennengelernt hatte. Monate später schoss ein Unbekannter Wolfgang J. ins Bein, der Anwalt überlebte schwer verletzt.

Falk geriet zwar schon kurz nach dem Anschlag auf den Anwalt ins Visier der Fahnder, belastbare Hinweise gab es damals jedoch nicht. Erst Jahre später offenbarte sich ein Zeuge den Strafverfolgern, erzählte von dem Treffen in dem Steakrestaurant. Dann tauchte das Tonband auf, in dem sich Falk nicht nur über den Schuss auf J. freute. Er überlegte offenbar auch, einen Einbruch bei einem weiteren Anwalt zu beauftragen, um an Dokumente zu kommen.

Für die Ermittler reichten die Belastungsmomente aus, um Falk aus seiner nach außen wieder heilen Welt herauszureißen, nur wenige Wochen nachdem er mit Freunden im Ferienhaus auf Sylt seinen 49. Geburtstag gefeiert hatte. Beruflich hatte er zwar nie wieder an frühere Zeiten anknüpfen können. Aber damit hatte sich der Mann, dem auch enge Freunde ein großes Ego zuschreiben, offenbar gut arrangiert.

Er kümmerte sich um seine fünf Kinder, engagierte sich unter anderem als Taekwondo- Trainer und investierte einiges Herzblut in eine Biofarm für Äpfel und Wein in Südafrika. Dazu schmiedete er, so erzählt es jemand, der ihm nahesteht, neue berufliche Pläne. Selbst seinen 50. Geburtstag plante er bereits. Es wollte in kleinerem Kreis verreisen.

Prozess bis Dezember terminiert

Daraus wurde bekanntlich nichts. In den vergangenen Monaten scheinen seine Anwälte aber dem Ziel, Falk freizubekommen, nähergekommen zu sein. So recherchierten sie, dass es sich bei einem der Hauptbelastungszeugen offenbar – anders als dies etwa das Bundeszentralregister ausweist – um einen mehrfach vorbestraften Mann handelt. Inzwischen wird gegen diesen gar ermittelt, möglicherweise kommt er selbst als Schütze für den Schuss auf den Anwalt infrage. Zudem stellte ein Gutachter fest, dass die Tonbandaufnahme offenbar an mindestens zwei Stellen manipuliert ist.

Der Prozess ist bis in den Dezember terminiert. Falk und seine Verteidiger jedenfalls zeigen sich zuversichtlich, dass er Weihnachten mit seiner Familie feiern kann. „Ich kenne keinen Menschen mit einem intensiveren Bewegungsdrang und einer größeren Freiheitsliebe als Alexander“, sagt einer seiner guten Freunde.

Mehr: Dem einstigen Börsenstar und Ex-Häftling wird vorgeworfen, einen Mord beauftragt zu haben. Jetzt muss Alexander Falk in Untersuchungshaft.

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