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24.01.2019

18:19

„Jobsharing ist zwar auf dem Vormarsch, aber kein Megatrend.“  Institut für Beschäftigung und Employability IBE

Personalmanagement-Professorin Rump

„Jobsharing ist zwar auf dem Vormarsch, aber kein Megatrend.“

Arbeitsmarkt-Expertin Jutta Rump über Jobsharing

„Klone gibt es in der Arbeitswelt nun einmal nicht“

Von: Lazar Backovic

Von Jobsharing sprechen Arbeitsmarktexperten, wenn eine Stelle auf mehrere Köpfe verteilt wird. Eine Trendforscherin für den Arbeitsmarkt sieht diese Entwicklung kritisch.

Immerhin 32 Prozent der Firmen hierzulande bieten irgendeine Form von geteilter Arbeit oder Jobsharing an. Das zeigt eine Studie des Familienministeriums vom November 2018. Trotz dieser Zahlen ist Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen, skeptisch, was das Phänomen Jobsharing betrifft: „Wenn am Ende auf der Kostenseite etwas Negatives steht, würde ich als Wirtschaftswissenschaftlerin immer sagen: Finger weg.“

Frau Rump, Sie erforschen Megatrends in der Arbeitswelt. Zählt Jobsharing dazu?
Die Möglichkeit, Zuständigkeiten auf mehrere Mitarbeiter zu verteilen, nimmt zwar zu, ist aber kein Megatrend. Es ist ein Instrument, das Firmen einsetzen, um attraktiver für Arbeitnehmer zu werden und Fachkräfte zu sichern. Dafür müssen aber einige Rahmenbedingungen stimmen.

Welche sind das aus Ihrer Sicht?
Jobsharing ist zunächst nicht kostenneutral. Sie sollten salopp gesagt also schon ein wenig Geld in der Tasche haben, bevor sie damit anfangen. Das bedenken die wenigsten.

Womit müssen Arbeitgeber rechnen, die eine Tandemlösung einführen wollen?
Damit das Modell funktioniert, sollte eine Stelle als Daumenregel mit einer Kapazität von 120 Prozent besetzt werden. Die Aufteilung 50/50 funktioniert beim Jobsharing nicht. Sie sollten eher mit 60/60 kalkulieren, damit es Überschneidungen für Übergaben gibt. Dann kann Jobsharing langfristig auch wirtschaftlich sinnvoll sein, weil Sie immer eine Vertretung da haben.

In welchen Unternehmen funktioniert Jobsharing?
Fürs Jobsharing braucht es das perfekte Pendant. Dafür brauchen Sie eine relativ große Grundgesamtheit an Mitarbeitern, die sich überhaupt vorstellen können, im Tandem zu arbeiten. Gerade kleine und mittelständische Firmen sind hier im Nachteil.

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Und wann funktioniert ein Tandem besonders gut?
Am wenigsten Reibungsverluste gäbe es natürlich, wenn die beiden identisch wären. Aber Klone gibt es in der Arbeitswelt nun einmal nicht (lacht). Im Ernst: Die Einstellungen und die Arbeitsweisen sollten im Tandem schon irgendwo ähnlich sein, sonst wird es schwierig.

Aber es gilt ja durchaus als Stärke, mehrere Perspektiven einzubringen – gerade in Führungspositionen.
Absolut. Dafür ist es unbedingt nötig, dass die Tandemmanager ihre unterschiedlichen Profile kennen und die offen im Team kommunizieren. Das kann aber nicht jeder.

Unterm Strich – wann ergibt Jobsharing Sinn?
Wenn am Ende auf der Kostenseite etwas Negatives steht, würde ich als Wirtschaftswissenschaftlerin immer sagen: Finger weg. Jobsharing kann aber gerade in Zeiten des Fachkräftemangels durchaus auf das Image eines Unternehmens einzahlen und gute Leute binden. Das muss jede Firma für sich abwägen.

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