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11.09.2019

15:49

CO2-Minimierung

VW-Chef Diess sieht Branche wegen Umweltauflagen am Rande der Belastbarkeit

Von: Stefan Menzel

VW kann nach eigener Aussage die Umweltauflagen der EU nur erfüllen, wenn die Kunden die neuen E-Autos auch kaufen. Konzernchef Diess warnt vor den Belastungen.

Der VW-Konzern wird 2020 voraussichtlich weltweit insgesamt 200.000 E-Autos verkaufen. AFP

Herbert Diess

Der VW-Konzern wird 2020 voraussichtlich weltweit insgesamt 200.000 E-Autos verkaufen.

Frankfurt Volkswagen freut sich zwar darüber, rechtzeitig fertig geworden zu sein und mit dem ID.3 sein erstes echtes Elektroauto auf der IAA präsentieren zu können. Doch für Vorstandschef Herbert Diess ist das noch kein Grund, um Entwarnung zu geben. Die größte unternehmerische Herausforderung aus seiner Sicht: die weiter verschärfte Umweltgesetzgebung.

„Die Kohlendioxid-Minimierung geht an die Grenzen der Belastbarkeit unserer Branche“, sagte Diess auf der IAA im Gespräch mit Journalisten. Der Wolfsburger Konzern werde die von der EU vorgegebenen Grenzen zwar voraussichtlich erreichen können. Doch das sei nur möglich, wenn die neu vorgestellten Elektrofahrzeuge auch tatsächlich von den Kunden angenommen und gekauft würden.

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Die nächste Verschärfung der Kohlendioxid-Werte innerhalb Europas tritt im nächsten Jahr in Kraft. Dann dürfen die von den europäischen Herstellern verkauften Fahrzeuge im Durchschnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid je gefahrenen Kilometer an die Umwelt abgeben.

Aktuell liegen die Werte bei den meisten Autokonzernen noch bei 120 bis 130 Gramm. 2025 und 2030 stehen weitere Verschärfungen an: Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts müssen die Autohersteller einen Durchschnittswert von etwa 60 Gramm erreichen. Liegen die Konzerne dann über diesen Vorgaben, drohen ihnen Strafen in Milliardenhöhe.

Mit dem stark erweiterten Angebot an Elektrofahrzeugen will die Automobilindustrie die erste anstehende Verschärfung des kommenden Jahres in den Griff bekommen. Der VW-Konzern wird 2020 voraussichtlich weltweit insgesamt 200.000 E-Autos verkaufen. „Diese Anlaufziele sind erreichbar“, betonte Diess auf der Automesse. In dieser Zahl seien sowohl rein batteriegetriebene Pkw als auch Plug-in-Hybride enthalten.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die VW-Fabrik im sächsischen Zwickau, wo der Wolfsburger Autokonzern im November mit der Serienfertigung des neuen rein batteriegetriebenen ID.3 beginnen will. Das Auto soll so etwas wie das elektrische Gegenstück zum VW-Klassiker Golf werden. Wenn Konzernchef Diess Recht behält und die Produktionsanläufe tatsächlich funktionieren, werden in Zwickau im nächsten Jahr rund 100.000 Pkw von den Bändern laufen.

Diese E-Autos sind immens wichtig, um drohende Bußgelder aus Brüssel zu vermeiden. Sie werden als Null-Emissions-Fahrzeuge in der Kohlendioxid-Statistik gewertet und können den Durchschnittswert aller von Volkswagen verkauften Autos entscheidend drücken.

Die frühere Golf- und Passat-Fabrik in Zwickau ist das erste VW-Werk, das komplett auf die Fertigung von Elektroautos umgerüstet wird. In einem zweiten Schritt sollen später Emden und Hannover folgen. Insgesamt investiert allein die Marke Volkswagen im Zeitraum 2019 bis 2023 etwa elf Milliarden Euro in den Aufbau des Elektrogeschäfts. Auf Konzernebene werden weitere Elektrofabriken in den USA und vor allem auch in China entstehen.

In dem Gespräch auf der IAA ließ Volkswagen-Chef Herbert Diess durchblicken, dass die Automobilindustrie bei der Kohlendioxid-Reduktion aus seiner Sicht ungerecht behandelt wird. Auch andere Wirtschaftszweige müssten ihren Anteil dazu leisten, dass die Kohlendioxid-Belastung entscheidend zurückgehe.

Diess nannte an erster Stelle die Energiewirtschaft. Es sei viel einfacher, beispielsweise einige wenige Kraftwerke von Kohle auf Erdgas umzurüsten, um große Fortschritte bei der Klimaverbesserung zu machen. Deshalb stelle VW auch sein eigenes Kraftwerk in Wolfsburg von Kohle auf Gas um.

Viele Millionen Autos auf umweltfreundliche Antriebsformen umzustellen, sei mit viel mehr Aufwand verbunden als die Umstellung einiger weniger großer Kraftwerke. Beim Auto koste es etwa 1000 Euro, um die Umweltbelastung um eine Tonne Kohlendioxid zu reduzieren. In einem Kraftwerk müssten dafür gerade einmal 14 Euro aufgebracht werden.

Mehr: Viele Konzerne haben ihr Engagement bei Deutschlands wichtigster Automesse bereits reduziert. Nun steht die IAA wohl vor radikaleren Umbrüchen.

Kommentare (1)

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Herr Werner Mocke

11.09.2019, 18:38 Uhr

Die politischen Grenzwerte müssen der technischen Realität angepasst werden. Und zwar in der EU. Tausende von Arbeitsplätzen stehen sonst auf dem Spiel. Eine neue Bundesregierung muß ganz klar Kante zeigen. Werden eigene Unternehmen gefährdetet, gibts weniger Geld für Brüssel. Diesen Aufschrei der Linksgrünen in Brüssel möchte ich dann sehen.

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