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04.09.2019

17:37

Porsche Taycan

Premiere des Tesla-Jägers: Wie Porsche seine Wagen auf Elektro trimmt

Von: Martin Murphy, Martin-W. Buchenau

Mit dem Taycan präsentiert Porsche sein erstes reines Elektroauto. Die Investitionen in das Zukunftsprojekt sind immens – die Erwartungen aber auch.

Das Elektroauto wurde in Neuhardenberg vorgestellt. Bloomberg

Porsche Taycan

Das Elektroauto wurde in Neuhardenberg vorgestellt.

Stuttgart Noch nie betrieb Porsche einen größeren Aufwand für eine Modellpremiere: Gleichzeitig an drei Orten auf der Welt präsentieren die Schwaben den ersten Elektrosportwagen in der 70-jährigen Unternehmensgeschichte. Die Niagarafälle, Windmühlen in China und eine Solarfabrik bei Berlin sollen für Wasser, Wind und Sonne und den Aufbruch in eine nachhaltigere Zeit stehen.

„Wir schlagen ein neues Kapital in der Unternehmensgeschichte auf“, sagt Porsche-Chef Oliver Blume. Dieser Tag markiere den Beginn einer neuen Ära. Große Worte folgen: Der Taycan verbinde Porsches Tradition mit der Zukunft.

Ganz zum Schluss öffnet sich die Rückwand der eigens errichteten Halle in Neuhardenberg und erlaubt den Blick auf Tausende von Solarmodulen. Fernab jeder Großstadt hat Porsche sein neues Spitzenmodell nahe der deutsch-polnischen Grenze vorgestellt.

Die VW-Tochter wolle sich nachhaltig neu positionieren, betont Blume. Porsche, Hersteller von Sportwagen, aber vor allem von spritfressenden Geländeautos, will mit dem Taycan in die Elektromobilität vordringen. Dies ist auch zwingend nötig, drohen doch hohe Bußgelder. Ab dem kommenden Jahr müssen die Konzerne Strafen zahlen, wenn die in Europa verkauften Fahrzeuge insgesamt im Durchschnitt mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer in die Luft blasen. Porsche ist bislang weit von diesem Zielwert entfernt.

Blume will dies ändern. Bis zum Jahr 2022 wollen die Stuttgarter sechs Milliarden Euro für die Umstellung von Verbrennern auf Elektroantriebe ausgeben. Bis zum Jahr 2025 werde jeder zweite Porsche elektrisch sein, versprach Blume.

Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen des Dieselskandals und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt. dpa

Porsche-Chef Oliver Blume und der neue Taycan

Porsche steht, wie die Branche insgesamt, wegen des Dieselskandals und der Debatte um Fahrverbote in der Kritik und wird skeptisch beäugt.

Es soll also ein neues Kapital in der Firmengeschichte werden, aber kein Bruch mit der Tradition. Porsche verändere sich. Das Unternehmen mit seinen Autos sei Kult, betont Blume. „Porsche ist ein Mythos.“ Dies soll aber kein Abschied vom Verbrenner sein. „Benziner haben einen festen Platz in unserem Portfolio“, sagt Blume und verteilt damit Beruhigungspillen an die eingefleischten Fans der Sportwagen-Ikone 911.

Von Unternehmensgründer Ferdinand „Ferry“ Porsche ist der berühmte Satz überliefert: „Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen.“ Und ein bisschen ist es dem heutigen Vorstandschef Oliver Blume auch so beim Taycan gegangen.

Im Volkswagen-Konzern haperte es mit der Elektrostrategie, da preschten die Zuffenhausener vor fünf Jahren vor und fingen einfach an. „Wir haben die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt, noch bevor die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors und den Klimaschutz aufkamen“, betont der 51-jährige Vorstandschef.

Auf dem Taycan ruhen jetzt nicht nur die Hoffnungen von Porsche, sondern des gesamten Volkswagen-Konzerns, den Sprung in die Elektromobilität wirklich zu schaffen. Zwar ist Audi mit dem e-tron Porsche zuvorgekommen, aber eher mit holpriger Technologie und marginalem Verkaufserfolg.

Für jeweils 2500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für sein erstes reines Elektroauto angenommen. Porsche

Porsche Taycan

Für jeweils 2500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für sein erstes reines Elektroauto angenommen.

Beim Taycan soll und muss alles anders werden. Mehr als 20.000 Vorbestellungen meldet Blume – verbunden mit einer Anzahlung von 2500 Euro. Und bei der Jahresproduktion wird schon mit 30.000 Stück kalkuliert. Die technischen Daten klingen eher nach Tradition: In der Topversion kommt der Turbo S mit 761 PS aus dem Stand von null auf 100 km/h in 2,8 Sekunden.

Die Reichweiten liegen bei bis zu 450 Kilometern. Ob der Elektroflitzer auch ein Porsche wird, den „keiner braucht aber jeder haben will“ – wie Ferry Porsche einst über die Markenikone 911 sagte – ist noch offen. „Wir haben uns mit dem Taycan bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war“, sagt Blume.

Der Taycan ist irgendwo zwischen dem Klassiker 911 und dem viertürigen Panamera zu verorten. Und er soll vor allem dem US-Elektropionier Tesla das Wasser abgraben. Mit etwa 10.000 Euro höheren Materialkosten rechnet der Konzern zum Start bei jedem Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem Verbrenner-Modell. Kosten soll der Taycan in Deutschland gut 150.000 Euro, das Spitzenmodell „Turbo S“ rund 185.000 Euro.

Am Mittwoch feierte das erste reine Elektromodell aus Stuttgart-Zuffenhausen zeitgleich auf drei Kontinenten Weltpremiere. dpa

Im Cockpit des Porsche Taycan

Am Mittwoch feierte das erste reine Elektromodell aus Stuttgart-Zuffenhausen zeitgleich auf drei Kontinenten Weltpremiere.

Um das angesichts der schwachen Autokonjunktur ohnehin nicht gerade bescheidene Ziel von 15 Prozent Rendite trotzdem halten zu können, hat Blume ein „Ergebnisprogramm“ aufgesetzt. Bis 2025 soll das sechs Milliarden Euro und von da an pro Jahr zwei Milliarden einbringen – über Einsparungen, aber auch mit neuen Umsatzquellen.

Porsche-Chef Oliver Blume braucht den Erfolg des Taycan in jedem Fall. Nur wenn der Stromer einschlägt, könnte sein Weg in ein paar Jahren auch an die VW-Konzernspitze führen.

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Kommentare (1)

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Herr Nico Birkholz

05.09.2019, 11:36 Uhr

Teslajäger mit einem 150.000 Euro Fahrzeug, dass noch nicht mal in Serie gegangen ist? Wie schlecht geht es unseren Autobauern, dass Sie als Autor die Realität verdrehen müssen?

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