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07.04.2022

11:40

Baumaschinen

Liebherr zu Russland-Sanktionen: „Wir rechnen mit deutlichen wirtschaftlichen Folgen“

Von: Martin-W. Buchenau

Von der Coronakrise hat sich eines der größten Industrieunternehmen in Familienhand im Jahr 2021 erholt. Jetzt birgt das Russlandgeschäft neue Risiken.

Wie viel Umsatz das schwäbische Unternehmen in Russland macht, teilt es nicht mit. dpa

Mehrere Kräne auf dem Werksgelände des Herstellers Liebherr

Wie viel Umsatz das schwäbische Unternehmen in Russland macht, teilt es nicht mit.

Stuttgart Russland ist einer der wichtigsten Märkte von Liebherr. Das große Familienunternehmen stellt weltweit mit 50.000 Beschäftigten Baumaschinen, Flugzeugteile und Hausgeräte her. Wie viel Umsatz das schwäbische Unternehmen mit Firmensitz in der Schweiz in Russland macht, teilt es nicht mit.

Liebherr beschäftigt dort landesweit rund 2000 Mitarbeiter, unter anderem in zwei Produktionswerken bei Dserschinsk in der Region Nischni Nowgorod und in einer Vertriebs- und Servicegesellschaft mit Hauptsitz in Moskau. Nahe der Grenze zur Ukraine betreibt Liebherr drei Servicestandorte mit Ersatzteillagern.

Einmal im Jahr zeigt sich die Familie Liebherr bei einem Interview im Geschäftsbericht der Unternehmensgruppe in der Öffentlichkeit. Hier kommen neben den Geschwistern Willi und Isolde Liebherr als Co-Chefs des Verwaltungsrats inzwischen auch aus der dritten Generation Willi Liebherrs Sohn Philipp, 36, und Isolde Liebherrs Tochter Stéfanie Wohlfahrt, 42, zu Wort.

Liebherr: Ukraine-Krieg belastet Standorte in Russland

„Die humanitären Folgen des Krieges sind furchtbar“, sagt Wohlfahrt in dem Interview. Das Familienunternehmen spendet unter anderem ans Schweizerische Rote Kreuz, um die Menschen im Kriegsgebiet und auf der Flucht zu unterstützen.

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    Die Familie hofft auf eine möglichst rasche Beendigung der Kampfhandlungen. „In den letzten Wochen ging es darum, unsere Russlandaktivitäten auf die Sanktionen, die gegen das Land verhängt wurden, auszurichten“, betont der inzwischen 74-jährige Willi Liebherr. „Die mittel- und langfristigen Auswirkungen auf unsere dortige Geschäftstätigkeit sind aktuell schwer abzuschätzen – wir rechnen jedoch mit deutlichen wirtschaftlichen Folgen.“ Der Krieg erinnere Willi Liebherr an „längst vergangen geglaubte Zeiten“.

    „Mit sehr guter Auftragslage in das Jahr gestartet“

    Liebherr hatte im vergangenen Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 12,6 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro gerade wieder das Niveau vor der Coronakrise erreicht. Auch das Jahresergebnis lag bei 545 Millionen Euro über Vorjahr.

    Die Familie sorgt sich ums Geschäft, bleibt aber ihrem unternehmerischen Optimismus trotz des Ukrainekriegs treu. „Wir sind mit einer sehr guten Auftragslage in das Jahr 2022 gestartet und blicken trotz der veränderten Rahmenbedingungen verhalten optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf“, sagt Isolde Liebherr.

    In der Ukraine arbeitet Liebherr eng mit langjährigen Handelspartnern zusammen, die Liebherr-Baumaschinen und Hausgeräte vor Ort vertreiben. In Russland ist Liebherr seit 1965 aktiv. Liebherr war in den vergangenen Wochen auch wegen der Verbindungen zum russischen Nutz- und Militärfahrzeugproduzenten Kamaz in die Kritik gekommen. Das Familienunternehmen hat nach eigenen Angaben von 2014 bis 2018 gemeinsam mit Kamaz einen Sechszylinder-Reihenmotor entwickelt. Seither produziert Kamaz diese Aggregate auf Basis einer Lizenzvereinbarung. Liebherr liefert aber noch direkt Wälzfräs- und Wälzstoßmaschinen.

    Liebherr arbeitet an Elektro-Antrieben für Krane und Bagger

    Lieferungen von Kränen für die militärische Nutzung an Russland hat es bei Liebherr aber „auch vor Inkrafttreten der Sanktionen nicht gegeben“, betont das Unternehmen. Diese Mobil- und Bergekräne würden nur an die Bundeswehr und an die niederländischen Streitkräfte ausgeliefert.

    Liebherr wird von der zweiten und dritten Generation der Familie Liebherr gemeinsam geführt. Das operative Geschäft führen allerdings familienfremde Manager. Ihr Schwerpunkt liegt darin, die Transformation zu alternativen Antrieben zu schaffen. Die Firmengruppe arbeitet an wasserstoffgetriebenen Verbrennungsmotoren und deren Einspritztechnologien wie auch an elektrischen Antrieben.
    So erweiterte der Familienkonzern sein Programm an Baumaschinen mit Elektroantrieben um zwei vollelektrische Fahrmischer. Auch der erste vollelektrische Offshore-Kran ist in Arbeit.

    Überdies hat Liebherr verschiedene Produktlinien auf den Einsatz von hydrierten Pflanzenölen (HVO) als Treibstoff vorbereitet. Die Standorte Ehingen und Kirchdorf an der Iller betanken bereits jetzt alle Maschinen standardmäßig ab Werk mit dem klimaneutralen Kraftstoff.

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