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05.08.2019

04:02

CFO des Monats

Stefan Asenkerschbaumer – Boschs Garant der Unabhängigkeit

Von: Martin-W. Buchenau

Der Finanzchef gibt Milliarden für Klima, Chips und Brennstoffzellen frei – aber nicht für Batteriezellen. Schwere Entscheidungen klingen bei ihm einfach.

Der CFO und Vizechef von Bosch gilt als als sehr offener und ruhiger Mensch.

Stefan Asenkerschbaumer

Der CFO und Vizechef von Bosch gilt als als sehr offener und ruhiger Mensch.

Gerlingen Stefan Asenkerschbaumer gefällt das hippe Luxusprovisorium: bunte Einrichtung, lichtdurchflutete offene Räume prägen das ehemalige Entwicklungszentrum am Stammsitz von Bosch in Gerlingen. Hier ist die komplette Führungsspitze auf einer Etage untergebracht, bis das Hauptgebäude auf der Schillerhöhe modernisiert ist. Die Nähe zu den Kollegen kommt der offenen Art des Finanzchefs entgegen. Locker nimmt er in einer Lounge Platz – wie meistens in sich ruhend und humorvoll.

Wer sich auf die Suche nach Eitelkeit bei ihm macht, wird allenfalls bei gewissem Stolz über seine Vielseitigkeit fündig. „Ich habe eigentlich schon alles gemacht im Unternehmen“, sagt Asenkerschbaumer. Er war Controller, Werksleiter, Arbeitsdirektor und führte den Bereich Starter und Generatoren operativ, ehe er 2010 als Finanzchef (CFO) in die Geschäftsführung aufstieg und im Juli 2013 zusätzlich Vize von Bosch-Chef Volkmar Denner wurde. Internes Kürzel: G2.

Dass der Posten des Vorsitzenden der Geschäftsführung (G1) für ihn nicht in Aussicht ist, ficht den 63-jährigen verheirateten Vater zweier erwachsener Kinder nicht an. Als Herr über die Zahlen war sein Wort auch ohne den Chefposten schon häufiger mehr als nur das Zünglein an der Waage. „Ich bin bei den wichtigen Unternehmensentscheidungen immer dabei“, sagt er. Auch bei den unpopulären, wie dem Verkauf der Verpackungsmaschinen an einen Finanzinvestor vor wenigen Wochen oder dem Verzicht auf den Einstieg in die Batteriezellenfertigung – eine Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität.

Politik und große Kunden aus der heimischen Autoindustrie hätten es gerne gesehen, wenn Bosch ein Gegengewicht zu den asiatischen Anbietern aufgebaut hätte. Aber letztendlich war es Asenkerschbaumer, der den Konzern bremsen musste.

„Es gibt im Haus Bosch zwei Maximen: Zum einen muss eine neue Technologie langfristig zur Weiterentwicklung und damit zur Zukunft von Bosch beitragen. Zum anderen darf eine Investition unsere finanzielle Unabhängigkeit nicht gefährden. Bei einer Batteriezellenfertigung wären die wirtschaftlichen Risiken zu groß gewesen.“ Punkt.

Damit war die Entscheidung gefallen: Kommt der Finanzchef zu einer solchen Erkenntnis, dann lässt sich auch der sonst so forschungs- und entwicklungsmutige Denner überzeugen. Beide ergänzen sich.

Doppelt ausgebildet

Nun arbeitet Asenkerschbaumer seit 32 Jahren für einen Konzern, der bekannt für ein straffes Kostenkorsett ist. Aber ein klassischer Erbsenzähler, der auf der Kasse sitzt, ist er schon von seiner Ausbildung her nicht. Er studierte erst Wirtschaftspädagogik und sattelte parallel noch Betriebswirtschaftslehre drauf. Promoviert hat er dann über Innovationsmanagement.

„Heute ist auch unternehmerische Kompetenz mit entsprechend tiefem Verständnis für das operative Geschäft unverzichtbar“, betont er. „Ein CFO, der rein auf Zahlenexpertise festgelegt ist, wird in Zukunft an Akzeptanz im Unternehmen verlieren.“

Solche Sätze gehen ihm leicht über die Lippen, aber sie finden in der Branche durchaus Gehör. Seit Januar dieses Jahres ist der gebürtige Burghausener Präsident der angesehenen Schmalenbach-Gesellschaft und übt damit das Hochamt unter Deutschlands Betriebswirten aus.

Dass Asenkerschbaumer tatsächlich nie nur betriebswirtschaftlich, sondern gesamtheitlich denkt, zeigt sich am aktuellen Beispiel des Klimaziels. Bis 2020 will Bosch klimaneutral sein, früher als jeder andere Großkonzern in Deutschland. Das grüne Vorpreschen kostet den Konzern zwei Milliarden Euro. Normalerweise müsste sich bei einer solch gewinnvermindernden Aktion der Finanzchef auf die Lippen beißen. Bei dem gebürtigen Bayern scheint das nicht der Fall zu sein: „Ich bin mir sicher, dass künftig auch verstärkt Druck zum nachhaltigen Wirtschaften von den Kapitalmärkten kommen wird.“ Er sieht nicht nur die Kosten: „Die positiven Elemente für Unternehmen sind dabei offensichtlich, nämlich einerseits mit Maßnahmen zur Energieeffizienz den Klimaschutz zu fördern und andererseits mittelfristig Wettbewerbs- und Kostenvorteile zu realisieren.“ Zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen ist ganz nach seinem Geschmack.       „Wir investieren hierzu zwei Milliarden Euro und sparen davon wieder eine Milliarde Euro ein durch Energieeffizienzmaßnahmen.“ Da sei es schon ein Vorteil, nicht den kurzfristigen Renditedruck des Kapitalmarktes zu haben, räumt er ein.

Grünes Licht gab er auch bei der Milliarde für die Chipfabrik in Dresden. Für Asenkerschbaumer eine der einfacheren Übungen: „Die Halbleiterfabrik ist eine strategische Entscheidung zur Zukunftssicherung. Bosch produziert anwendungsspezifische Halbleiter. Damit sind wir in einem attraktiven Marktsegment tätig und erschließen uns Kosten- und Innovationsvorteile.“ Bosch fertige seit mehr als 45 Jahren Halbleiter. „Wir kennen uns also aus und beherrschen viele relevante Prozesse selbst oder haben sie sogar selbst entwickelt.“ So nüchtern klingt das, wenn der Finanzchef Milliarden bewegt. Aber er flankiert seine sachstandsorientierten Worte gerne mit einem humorvollen Lächeln.

Kommentare (1)

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Herr Niels Dettenbach

05.08.2019, 09:29 Uhr

Auch wenn "Batteriezellen" inzwischen ein beliebtes Theme von Politfunktionären hierzulande sind - die Produktion solcher ist alles andere als Zauberei und wird heute von besseren chinesischen / phillipinischen (und anderen asiatischen Ländern) mittelgroßem Unternehmen (nach typischerweise westlicher - meist amerikanischer Entwicklung/Technologie) state "of the art" in nahezu beliebig benötigten Massen produziert. In China subventioneirt sogar das Regime die internationale Marktpräsenz/-dominanz, indem es u.a. sein Marktmonopol auf für die Produktion unumgängliche Rohstoffe für die Akkutechnik einsetzt.

Es wäre absehbar unwirtschaftlich zu enorm höheren Kosten in DE zu produzieren und zudem unsicher, sich als Unternehmen von China abhängig zu machen. Dagegen zeichnen sich Brennstoffzellen (bisher) als "zukunftsträchtiger" ab (wobei eine sehr breite Massenproduktion dieser mit heutigen Technologien auch noch nicht wirklich "reif" ist.

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