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Special

Special: Cum-Ex

28.08.2019

18:06

Muss sich mit dubiosen Geschäften beschäftigen, die sich vor seiner Zeit ereignet haben. Deutsche Börse Group

Stephan Leithner

Muss sich mit dubiosen Geschäften beschäftigen, die sich vor seiner Zeit ereignet haben.

Stephan Leithner

Vorstand der Deutschen Börse muss den Cum-Ex-Skandal aufarbeiten

Von: Andreas Kröner

Einst analysierte der Österreicher Skandale der Deutschen Bank. Nun muss er sich als Vorstand der Deutschen Börse wieder mit dubiosen Geschäften auseinandersetzen.

Frankfurt Mit der Aufarbeitung illegaler Geschäfte in der Finanzbranche kennt sich Stephan Leithner aus. Im Frühjahr 2012 stieg er bei der Deutschen Bank zum Vorstand für das Europageschäft, Personal, Recht und Compliance auf. Wenig später kam die Bank aufgrund der Ermittlungen zur Zinsmanipulationsaffäre durch die deutsche Finanzaufsicht Bafin stark in die Kritik.

Heute steht der 53-Jährige wieder im Zentrum eines Skandals. Als Vorstand der Deutschen Börse muss er aufklären, welche Rolle die Tochter Clearstream bei Cum-Ex-Geschäften gespielt hat, mit denen Kriminelle den Staat über Jahre um Milliarden prellten. Am Dienstag war Leithner vor Ort, als 50 Beamte in der Konzernzentrale in Eschborn bei Frankfurt zu einer Razzia anrückten. Am Mittwoch ging die Durchsuchung weiter.

Leithner sitzt erst seit gut einem Jahr im Vorstand der Deutschen Börse und muss sich nun nach relativ kurzer Zeit erneut mit dubiosen Geschäften beschäftigen, die sich vor seinem Amtsantritt ereigneten. Und ähnlich wie damals bei der Deutschen Bank leidet durch die Ermittlungen der Behörden auch heute die Reputation seines Arbeitgebers.

Doch es gibt auch Unterschiede. So wurden bei der Deutschen Bank viele illegale Geschäfte maßgeblich von Händlern vorangetrieben, die dadurch hohe Gewinne einfuhren und millionenschwere Bonuszahlungen kassierten. Beides ist bei der Deutschen Börse, einem eher beschaulichen Unternehmen mit rund 6000 Mitarbeitern, nicht der Fall.

Die Deutsche Börse macht im Gegensatz zu Banken auch keine Aktiengeschäfte auf eigene Rechnung, sondern ist lediglich für deren Abwicklung zuständig. Vorstandschef Theodor Weimer äußerte deshalb Anfang des Jahres die Vermutung, dass die Behörden den Konzern vor allem deshalb ins Visier genommen haben, um an weitere Informationen über Cum-Ex-Geschäfte zu kommen.

Doch die ausgeweiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft deuten auf weiteren Ärger hin. Konkret geht es um den Verdacht, dass Clearstream-Mitarbeiter Banken bei mutmaßlich illegalen Geschäften beraten haben. Diese Vorwürfe muss Leithner, der im Vorstand der Börse für Clearstream zuständig ist, nun aufklären.

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Der Österreicher ist bekannt für sein besonnenes und analytisches Auftreten. Wenn er über ein Thema spricht, nennt er oft die wesentlichen Argumente, seine Schlussfolgerung – und beendet den Satz dann mit einem rhetorischen „Oder?“

Leithner wurde ins Innsbruck geboren und wuchs am Achensee in Tirol auf. Sein Bruder übernahm dort später das familieneigene Hotel, während Stephan in der Finanzbranche Karriere machte. Er promovierte an der renommierten Universität St. Gallen und heuerte anschließend bei McKinsey an.

Dort beriet er unter anderem die Deutsche Bank bei ihrem Wandel hin zu einer globalen Investmentbank. Im Jahr 2000 wechselte er ganz in die Doppeltürme – und verbrachte insgesamt 15 Jahre bei Deutschlands größtem Geldhaus. Anschließend arbeitete Leithner drei Jahre für den Stockholmer Finanzinvestor EQT und gewann in dieser Zeit auch mehrfach das firmeninterne Skirennen – sehr zum Ärger seiner schwedischen Kollegen.

Seit Sommer 2018 ist Leithner nun bei der Deutschen Börse – und hat diesen Schritt bisher kaum bereut. Die Gewinnmargen sind deutlich höher als im Banking. Und auch technisch ist der Dax-Konzern besser ausgerüstet als die meisten Geldhäuser.

Leithner will der Zeit voraus sein

„Bei den Börsen wurde schon kräftig digitalisiert und umgestellt, als die Stärke von Handelssälen bei den Banken noch an der Anzahl der aufgestellten Bildschirme gemessen wurde“, sagte Leithner Anfang des Jahres in einem Interview. „Wir sind ein Anbieter von Infrastruktur. Da gilt es, der Zeit voraus zu sein.“

Bei vielen Mitarbeitern hat Leithner bisher einen guten Eindruck hinterlassen. Einige trauen ihm zu, eines Tages Weimers Nachfolge als Vorstandschef anzutreten. Eine überzeugende Aufarbeitung der Cum-Ex-Geschäfte wäre dafür sicherlich zuträglich.

Mehr: Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream soll Banken bei illegalen Aktiendeals unterstützt haben, vermutet die Staatsanwaltschaft. Sie sichtet vor Ort weiter Unterlagen.

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