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Special

Special: Cum-Ex

26.09.2019

18:38

Steuerskandal

Neue Aussagen im Cum-Ex-Prozess belasten die Deutsche Bank

Von: Sönke Iwersen, Volker Votsmeier

Ein angeklagter Investmentbanker berichtet vor dem Landgericht Bonn über die Deutsche Bank. Die Genehmigungen für Cum-Ex-Geschäfte könnten direkt aus Frankfurt gekommen sein.

Das Geldhaus soll über Cum-Ex-Geschäfte gut informiert gewesen sein. dpa

Deutsche Bank

Das Geldhaus soll über Cum-Ex-Geschäfte gut informiert gewesen sein.

Bonn, Düsseldorf Die Anklagebank im Landgericht Bonn wird zum Gefahrenherd für die gesamte europäische Geldbranche. Diesen Donnerstag war die Deutsche Bank an der Reihe.

Ruhig, fast gelassen, sitzt Nick D. vor seinem Richter und gibt Antwort auf jede Frage. Jahrelang war der britische Investmentbanker Teil einer Geschäftspraxis, die den deutschen Steuerzahler um zwölf Milliarden Euro brachte. Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch wurden so gehandelt, dass der Fiskus am Ende das Mehrfache der Kapitalertragsteuern „erstattete“, das abgeführt wurde.

In Bonn findet seit Monatsbeginn der erste Cum-Ex-Prozess statt. Nick D. hat sich entschlossen, nicht nur Angeklagter zu sein, sondern auch Aufklärer.

Gekleidet in einen dunklen Anzug, die schwarzen Haare korrekt gescheitelt, antwortete der Angeklagte auf jede Frage, die der Richter hatte. Dieser interessiert sich heute für zwei Firmen, die kaum jemand kennt, die aber beide engste Beziehungen zu Deutschlands mit Abstand größtem Geldinstitut hatten: Bohl und Boml.

Die vollen Namen der Firmen lauteten Ballance Overseas Holding Limited und Ballance Overseas Management Limited. Die Anklage wirft ihnen eine Teilschuld an einem Schaden von 400 Millionen Euro vor. Hinter Bohl und Boml standen Simon P. und Joe P., beide zuvor in führender Position bei der Deutschen Bank in London tätig. Und die Deutsche Bank, berichtet der Angeklagte, war auch detailliert über ihre Cum-Ex-Geschäfte informiert.

„Es gab eine sehr enge Verflechtung mit dem Trading Team der Deutschen Bank“, sagt Nick D. Seiner Erinnerung nach habe es auch feste Vereinbarungen darüber gegeben, wie die Profite aufgeteilt wurden. Detailreich schilderte er die Abläufe der Geschäfte, mit denen die Beteiligten diese Profite aus der Steuerkasse schöpften. Die Ausführungen des Angeklagten sind für die Deutsche Bank misslich.

Seit Jahren behauptet das Institut, es sei an dem Skandal unbeteiligt. Auch gestern antwortete eine Sprecherin, eine Vereinbarung über ein Profit-Splitting sei ihrem Unternehmen nicht bekannt: „Gesellschaften der Ballance-Gruppe waren nicht der verlängerte Handelstisch der Deutschen Bank.“

Der Angeklagte sagte das Gegenteil. Bohl und Boml seien „nichts anderes als das frühere Londoner Trading Team der Deutschen Bank“. Selbst die Genehmigungen für die Trades seien aus Frankfurt gekommen. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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