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03.05.2022

22:54

Dax-Konzern

Wechsel an der Spitze von Fresenius Medical Care: Carla Kriwet wird neue Chefin

Von: Maike Telgheder

PremiumDie erfahrene Managerin soll den Dialysekonzern wieder zu profitablerem Wachstum führen. Sie wird 2023 den langjährigen CEO Rice Powell ablösen, der zum Jahreswechsel in den Ruhestand geht.

Die Managerin übernimmt den Chefposten bei Fresenius Medical Care. Philips

Carla Kriwet

Die Managerin übernimmt den Chefposten bei Fresenius Medical Care.

Frankfurt Für den Medizintechnikkonzern Philips hat sie bereits bis 2020 einige Jahre in Boston in den USA gearbeitet: Ab Januar kommenden Jahres wird Carla Kriwet nur ein paar Meilen weiter westlich in Waltham, Massachusetts, den Dialysekonzern Fresenius Medical Care an seinem Hauptsitz in Nordamerika führen. Am späten Dienstagabend gab das Dax-Unternehmen die Berufung der 51-jährigen Deutschen bekannt.

Die erfahrene Managerin wird den seit 2013 amtierenden CEO Rice Powell ablösen, der in diesem Jahr 67 Jahre alt wird und dessen Vertrag aufgrund der für den Vorstand geltenden Altersgrenze zum Jahresende ausläuft. Kriwet wird neben Merck-Chefin Belén Garijo die zweite Frau, die derzeit einen Dax-Konzern leitet.

Vergangene Woche erst hatte Kriwet überraschend nach nicht einmal zwei Jahren den Chefposten von Europas größtem Haushaltsgerätehersteller BSH „aus persönlichen Gründen“ und um eine neue Herausforderung anzunehmen verlassen. Das teilte der zum Bosch-Konzern gehörende Hersteller mit.

Jetzt ist klar, dass die neue Aufgabe die Führung von Fresenius Medical Care ist – tatsächlich eine Herausforderung für die erfahrene Managerin. Denn der weltgrößte Dialysekonzern, der zum Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius gehört, hat in den vergangenen Jahren an Dynamik verloren und zuletzt auch seine Prognosen zurücknehmen müssen. Wichtige Marktentwicklungen wie der Trend zur Heimdialyse wurden erst spät erkannt.

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    Zudem sind in der Coronapandemie überdurchschnittlich viele Dialysepatienten an den Folgen der Infektion gestorben, was negative Auswirkungen auf das Geschäft von Fresenius Medical Care hatte. Im vergangenen Jahr hatte der Dax-Konzern bei einem Umsatz von rund 17,6 Milliarden Euro einen Ergebniseinbruch um ein Viertel auf rund eine Milliarde Euro verbucht.

    Das Unternehmen steuert daher aktuell mit dem größten Umbau seiner 25-jährigen Geschichte gegen. Das Betriebsmodell, bisher nach vier Weltregionen aufgestellt, wurde verschlankt und in ein globales Dienstleistungsgeschäft und ein Produktgeschäft aufgeteilt. 5000 Arbeitsplätze sollen weltweit abgebaut werden, davon zwischen 500 und 750 in Deutschland. Mit der neuen Struktur soll Fresenius Medical Care schneller, schlagkräftiger und auch digitaler werden.

    Das sind Themen, mit denen sich Carla Kriwet auskennt, war sie doch in den mehr als sieben Jahren beim niederländischen Philips-Konzern unter anderem auch für digitale Innovationen und Patientenüberwachung zuständig und führte drei Jahre lang bis 2020 die Sparte Connected Care. Medizinische Versorgung durch Vernetzung und Technologie besser zu machen liegt ihr sehr am Herzen. Das hatte sie damals in einem Interview mit dem Handelsblatt deutlich gemacht.

    Häufiger ihre Arbeitgeber gewechselt

    Kriwet will gestalten. Um voranzukommen, hat die Tochter des früheren Thyssen-Chefs Heinz Kriwet auch ihre Arbeitgeber häufiger gewechselt. Die promovierte Betriebswirtin und Mutter dreier Kinder arbeitete vor Philips schon bei ABB, Daimler Transportation, Boston Consulting, Linde und Drägerwerk. Nicht immer stimmte die Chemie: Drägerwerk etwa verließ sie als damalige Vertriebsvorständin schon nach elf Monaten wieder.

    Wie Rice Powell wird Kriwet auch Mitglied des Vorstands der Fresenius Management SE werden. Helen Giza, Finanzvorständin von Fresenius Medical Care, wird ihren Vertrag um weitere fünf Jahre verlängern und zusätzlich zu ihren Funktionen als CFO und Chief Transformation Officer die Rolle der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden übernehmen.

    Für die Beschäftigten von Fresenius Medical Care, deren Vorstand und Geschäft seit Jahren amerikanisch dominiert ist, könnte die Wahl einer deutschen Topmanagerin ein positives Zeichen sein. Eine Chance, dass die Verbindung zu den Wurzeln des Unternehmens mit den wichtigen Produktionsstandorten in Deutschland gestärkt wird.

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