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27.03.2019

15:51

Deutsche Post

Paketdienst DHL beendet die tarifliche Zweiklassengesellschaft

Von: Christoph Schlautmann

Die 46 ausgegliederten Tochtergesellschaften der Deutschen Post mit 13.000 Beschäftigten kehren zum 1. Juli 2019 wieder in den Haustarifvertrag zurück.

Die Überleitung der Delivery-Beschäftigten in den Haustarifvertrag der Post soll zum 1. Juli 2019 erfolgen. dpa

DHL-Zusteller

Die Überleitung der Delivery-Beschäftigten in den Haustarifvertrag der Post soll zum 1. Juli 2019 erfolgen.

Düsseldorf Die Paketsparte der Deutschen Post beendet die umstrittene und seit vier Jahren andauernde Zweiklassengesellschaft in ihrem Haus. Wie der Bonner Konzern bestätigt, werden die 46 ausgegliederten Tochtergesellschaften, in denen nach einem niedrigeren Tarif gezahlt wird, zum 1. Juli 2019 aufgelöst.

Die 13.000 dort beschäftigten Zusteller erhalten somit künftig wieder den gleichen Lohn wie alle übrigen Kollegen im Post-Konzern. Die stellvertretende Verdi-Chefin Andrea Kocsis lobte die Einigung. „Künftig gilt wieder: ein Betrieb, ein Tarifvertrag“, sagte sie. Der Aktienkurs der Post legte nach der Meldung zu und notierte am Nachmittag mehr als ein Prozent im Plus.

Wegen der Ausgliederung der damals noch 49 regionalen Zustell-Tochtergesellschaften, die seither jeweils unter dem Namen „Delivery“ firmieren, war es im Sommer 2015 zu wochenlangen Streiks gekommen. Die Deutsche Post, die am Ende ihre Pläne gegen Verdi durchsetzte, kostete er 100 Millionen Euro.

Was den Streit entfachte: Auf Initiative des damaligen Brief- und Paketvorstands Jürgen Gerdes hatte die Post ihren fast 20.000 befristet beschäftigten Paketzustellern einen fragwürdigen Deal angeboten. Man wolle ihre Verträge entfristen, teilte ihnen die Geschäftsleitung mit, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie in die neuen Delivery-Gesellschaften wechselten.

Für die Beschäftigten hatte das gravierende Folgen. Anstatt weiterhin nach dem üppigeren Haustarifvertrag der Post entlohnt zu werden, mussten sie sich mit den Branchentarifverträgen in den Bundesländern begnügen. Mit rund 13 Euro Stundenlohn erhielten Delivery-Paketboten im Schnitt ein Fünftel weniger als ihre bisherigen Kollegen. Viele Betroffene fühlten sich erpresst.

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Beim einstigen Staatskonzern ist ein Kastensystem entstanden, in dem dieselbe Leistung verschieden vergütet wird. Am unteren Ende sieht es düster aus.

Für das ausgehandelte Ende der umstrittenen Delivery-Gesellschaften musste die Arbeitnehmerseite dem Vorstand allerdings entgegenkommen. Schon in den vergangenen Jahren hatte die Gewerkschaft zu akzeptieren, dass der Lohnabstand zwischen den DHL-Boten der Deutschen Post und den Billig-Dienstleistern wie Hermes, GLS oder DPD schrumpfte. Die wettbewerbsgefährdende Kluft hatte den Post-Vorstand 2015 erst veranlasst, als Druckmittel die Delivery-Gesellschaften zu gründen.

Darüber hinaus stimmte Verdi nun in den Tarifverhandlungen zu, die bislang zweijährigen Entgeltstufen auf vier Jahre zu verlängern – für alle Neueinsteiger bei der Post. Sie müssen damit künftig doppelt so lange warten, bis der nächste Gehaltssprung laut Tarif erreicht wird.

Entlastung gibt es allerdings auch bei der Post. Sie kann sich künftig die zusätzliche Verwaltung von 46 Tochterunternehmen sparen.

Notwendig geworden waren die Verhandlungen mit Verdi, weil bereits Ende 2018 der Tarifvertrag für die sogenannte Verbundzustellung auslief, die Arbeitsbedingungen von Mitarbeitern regelt, die gleichzeitig Briefe und Pakete zustellen. Zudem wäre ohne eine Vereinbarung Ende 2019 der Vertrag mit den Arbeitnehmern ausgelaufen, der sie vor betriebsbedingten Kündigungen schützt.

So wurde nun gleich im Paket verhandelt, das weitere Zugeständnisse gegenüber den Mitarbeitern brachte: Beide Seiten einigten sich darauf, weiterhin darauf zu verzichten, in der Brief- und Verbundzustellung Subunternehmen zu beschäftigen. Die Zusage gilt bis zum 31. Dezember 2020.

Auch betriebsbedingte Kündigungen soll es nun weiterhin nicht geben – und zwar mindestens bis Ende 2022.

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