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06.09.2017

17:45 Uhr

Die Chef-Beraterin

Ein Plädoyer gegen das Home-Office

VonSabina Wachtel

„Hart arbeiten, hart feiern“, lautet die Devise unserer Kolumnistin. Sie zählt sich daher selber zu den Gegnerinnen des Home-Office. Warum sie Leute nicht leiden kann, die es beim Arbeiten gemütlich haben wollen.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Ab und an landen Initiativbewerbungen in meinem Posteingang. Die ignoriere ich normalerweise. Sie wissen schon: Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung und kann mir gut vorstellen meine Kenntnisse und Fähigkeiten bei einer Tätigkeit in Ihrem Haus zum Einsatz zu bringen. Mit freundlichen Grüßen. Gern mit Tippfehlern versehen, oftmals macht sich der geneigte Bewerber noch nicht einmal die Mühe näher zu benennen, um welche Position er sich bewirbt. Ob er weiß, in welcher Branche wir tätig sind, ist zu bezweifeln.

Nun hatte ich kürzlich eine ausgesprochen attraktiv gestaltete Bewerbung in gedruckter Form auf dem Tisch. Tatsächlich: Eine vollständige Bewerbungsmappe. Janine D. hat sie mir geschickt. Janine ist allem Anschein nach eine hochqualifizierte Bewerberin. Sie scheint erahnt zu haben, was wir hier brauchen, ihre Qualifikation passt 1:1 dazu, sie spricht drei Sprachen fließend, sie weiß dem Foto nach nicht nur ihr Profil, sondern auch sich selbst ansprechend zu präsentieren.

Ich will Janine D. sofort live sehen. Ich will mich augenblicklich von Angesicht zu Angesicht davon überzeugen, dass es dieses Feenwesen wirklich gibt. Die Mitarbeiterin, die alles kann, was mir hier gerade fehlt. Zu gut würde das passen. Wenn nicht… Ich kann Janine D. nicht ins Büro einladen. Janine D. pendelt, so entnehme ich dem Anschreiben, derzeit zwischen Karlsruhe (Wohnort) und Wiesbaden (Arbeit). Sie will sich beruflich vor allem dahingehend verändern, dass sie ihre neue Stelle bevorzugt im Home-Office antreten will. Sie freut sich auf einen Skypecall, damit wir uns persönlich kennenlernen können. „Und weg isse“ – aus meinem Kopf.

Ich mag den Ausdruck Home-Office nicht, und ich mag es besonders wenig, wenn man schon mit Home-Office anfängt, bevor man überhaupt nur ein Wort gewechselt hat. Ich höre sie schon, die Home-Office-Fraktion: Der Arbeitnehmer spare Zeit und der Arbeitgeber spare Kosten, heißt es da, wenn man keine weiten Strecken zum Arbeitsplatz zurücklegen muss, sondern nur die Treppe runterschlurfen. Ganz hervorragend: Je nach Persönlichkeitsstruktur kann der geneigte Mitarbeiter dann entweder erst gemütlich die Zeitung fertiglesen oder er kann noch mehr arbeiten – ohne vor den Kollegen doof dazustehen.

Im Home-Office ist man zu Hause – und dort ist es doch am gemütlichsten. Das taugt manch einem offensichtlich als Argument, fürs Arbeiten gar nicht erst das Haus zu verlassen. Meiner Meinung nach gilt das Gegenteil: Ich brauche es beim Arbeiten nicht gemütlich – und ich kann auch keine Leute leiden, die es beim Arbeiten gemütlich haben wollen. Hart arbeiten, hart feiern.

Ja, beschimpft mich ruhig. Aber nichts fühlt sich besser an als ein Feierabend, den man sich wirklich verdient hat. Übrigens hat ein solcher Feierabend nichts mit Jogginghosen, Puschen und Netflix zu tun. Dabei habe ich nichts – aber auch gar nichts – gegen Jogginghosen. Eine hochwertige Jogginghose, gut kombiniert, macht was her. Die kann man (fast) überall tragen. Aber eine Jogginghose als Argument um seine Arbeit nicht Büro sondern zu Hause zu verrichten? Das geht gar nicht.

Kommentare (6)

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Frau Annette Bollmohr

06.09.2017, 18:40 Uhr

„Ich mag einfach, wenn beim Arbeiten gearbeitet wird. Und ich mag, wenn ich weiß, dass es meine Mitarbeiter krachen lassen, wenn ich sie nicht mehr sehe. Dann ist Spaß angesagt. Stress kann ich gern während der regulären Arbeitszeit machen.“

Schön gesagt. Vor allem: Über die jeweilige berufsspezifische Datenlage kann (und muss) sich heute jeder auch „virtuell“ informieren (gerne auch zu Hause). Aber ein fruchtbarer Austausch über die dabei gewonnenen Informationen (und v.a. Erkenntnisse!), der in wirklich zielführende und konstruktive Projekte münden kann, wird auch weiterhin wie eh und je nur von Angesicht zu Angesicht („in echt“ jetzt, nicht über irgendeinen Bildschirm) möglich sein. Es muss eben auch mal richtig „krachen“, damit es, wenn sich der Staub gelegt hat, weitergehen kann. Gott sei Dank.

Herr Cyber Driver

06.09.2017, 19:42 Uhr

"netter" Artikel - allerdings nicht nur argumentativ eine Nullnummer, sondern auch das Menschenbild scheint mir eher aus Taylor's Zeiten...

...und damit wird man immer weniger in der Lage sein, sich die wirklichen Spitzenkräfte mit ins Boot zu holen.
Dafür kann man dann besonders laut schreien, von wegen "Fachkräftemangel" und "fehlender Motivation", "Mitarbeiterfluktuation" , "Krankenstand"... usw usw.

Zum Glück wird in naher Zukunft die KI massgeblich entscheiden, wer welche Aufgaben in welchem Projekt zugeschanzt bekommt. (d.h.: die KI stellt anhand der Datenbank eine Vorschlagsliste -> der/die Verantwortliche(n) klicken durch, wer in Frage kommt -> die Auserwählten sagen ja,passt/nein,passt mir nicht.)
Die KI vom Digital Workspace überwacht die Performance und trennt die Spreu vom Weizen. Schluss mit "watercoller-Gelabere", mit Geklüngel und Netzwerkerei, Schluss mit irgendwelchen Vorstellungen und Bevormundungen: das einzige was zählt, ist das Commitment und die resultierende Leistung.

Des weiteren beruht die überlegene KI auf BigData - da darf ich keine wertvollen Kommunikationsdaten durch face-to-face Kommunikation verloren gehen lassen. Die KI bekommt ansonsten Probleme mit der Herleitung - da brauche ich mich nicht zu wundern, wenn ich keine vernünftigen forecasts und suggestions von ihr erhalte. Ansonsten könnte es mir wurscht sein, ob die Leute weiterhin ins Büro dackeln, von zu Hause aus arbeiten oder sich ein Büro mieten.

"Data is the new oil" - also muss ich Daten erzeugen. Gute, strukturierte Daten.

Herr Marc Vierblo

07.09.2017, 09:17 Uhr

Ich hasse es im Homeoffice zu arbeiten, schon der Gedanke daran lässt mich schaudern ! Der Grund : Heizkosten - Mehraufwand . Für jemanden wie mich der es gerne kuschlig warm hat ist es in Sachen "Kosten - Nutzen" besser das Haus zum Arbeiten zu verlassen.
Ich habe jetzt die anderen Kommentare aufmerksam gelesen und brenne darauf bald noch mehr "KI" nutzen zu dürfen. Die "nette" Werbeanzeige hat mich ganz heiß darauf gemacht! Bisher nutze ich KI schon in meinem Smart TV Die Folgen: Er wechselt das Programm oder noch schlimmer ,er schaltet sich komplett aus sobald er erkennt hat dass ich nicht mehr lächle. Die Probleme mit der Gestensteuerung erwähne ich hier erst gar nicht. Solange sich die KI nicht selbst schafft sondern von Programmierern mit WI ( W steht für wenig) erschaffen wird , wünsche ich viel Spaß damit dies als Grundlage für sein zukünftiges Imperium zu nutzen.

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