Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

24.05.2022

17:06

Beratungsunternehmen

Verdacht auf Steuerbetrug: Französische Justiz durchsucht Büroräume von McKinsey

Von: Gregor Waschinski

McKinsey ist im Visier der französischen Finanzstaatsanwaltschaft. Die Berater weisen die Vorwürfe zurück. Gleichzeitig hat der Fall eine politische Ebene.

In Frankreich fand sich unter anderem dieses Motiv. Kritiker werfen dem alten und neuen Präsidenten vor, den Einfluss von Beratungsunternehmen auf die Regierung zu stark wachsen zu lassen. AP

Wahlplakat von Emmanuel Macron

In Frankreich fand sich unter anderem dieses Motiv. Kritiker werfen dem alten und neuen Präsidenten vor, den Einfluss von Beratungsunternehmen auf die Regierung zu stark wachsen zu lassen.

Paris Die französische Justiz hat im Zuge von Steuerermittlungen die Büroräume der Beratungsfirma McKinsey in Paris durchsucht. Es gehe um den Verdacht der Verschleierung des schweren Steuerbetrugs, teilte die Finanzstaatsanwaltschaft mit. McKinsey wiederum erklärte, Ermittler der Finanzstaatsanwaltschaft hätten die Niederlassung an der Prachtstraße Champs-Élysée in der französischen Hauptstadt am Dienstag „besucht“.

Das Unternehmen betonte, es kooperiere „vollständig“ mit den französischen Behörden, und wies die Vorwürfe zurück: „McKinsey bekräftigt, dass das Unternehmen die anwendbaren Steuer- und Sozialversicherungsregeln in Frankreich einhält“, hieß es in der Erklärung.

Die französische Finanzstaatsanwaltschaft hatte Ende März eine Voruntersuchung wegen des Verdachts auf Steuerbetrug eingeleitet. In einem Untersuchungsbericht des Parlaments war der Beratungsfirma vorgeworfen worden, von 2011 bis 2020 die Zahlung der Körperschaftsteuer in Frankreich vermieden zu haben.

McKinsey wehrte sich schon damals gegen diese Darstellung. In einer Reaktion auf den Parlamentsbericht erklärte das Unternehmen im März, dass eine seiner Filialen in dem betreffenden Zeitraum zumindest sechs Jahre lang Körperschaftsteuer in Frankreich gezahlt habe. Insgesamt habe McKinsey zwischen 2011 und 2020 mehr als 422 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben in Frankreich abgeführt, was fast 20 Prozent des Umsatzes ausmache.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Bericht entstand in einem Ausschuss des Senats, der zweiten Kammer des französischen Parlaments. Die Verfasser kritisierten steigende Ausgaben für externen Sachverstand und einen wachsenden Einfluss von Beratungsfirmen auf die Regierungsarbeit unter Präsident Emmanuel Macron. Vor allem McKinsey habe profitiert.

    Die Ausgaben der Regierung für Verträge mit externen Beratern hätten sich zwischen 2018 und 2021 auf eine Rekordsumme von über einer Milliarde Euro mehr als verdoppelt. Die Senatoren kritisierten zudem mangelnde Transparenz bei den Ausschreibungsverfahren. Die Opposition nutzte den Bericht im französischen Präsidentschaftswahlkampf für Angriffe auf Macron, dem sie vorwarf, ein „Präsident der Reichen“ zu sein.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×