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30.11.2022

11:14

Boomende Beratung

Wirtschaftsprüfer profitieren von der Krise – PwC legt deutlich zu

Von: Bert Fröndhoff

Das wirtschaftliche Umfeld wird rauer, doch die Geschäfte der Wirtschaftsprüfer laufen rund. Marktführer PwC wächst und profitiert von drei Trends.

Die Managerin führt die Prüfungsgesellschaft seit Juli 2022. PwC/ Frank Rumpenhorst, Thomas Berger (M)

PwC-Deutschlandchefin Petra Justenhoven:

Die Managerin führt die Prüfungsgesellschaft seit Juli 2022.

Düsseldorf Obwohl die Konjunktur schwächelt, verdienen die deutschen Wirtschaftsprüfungsfirmen weiterhin gut. So hat Marktführer PwC beim Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/22 um 14 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zugelegt, wie die Firma mitteilte. Auch in dem seit Juli laufenden neuen Jahr wachse PwC kontinuierlich und sei „stabil unterwegs“, wie der neue Chief Operating Officer Stefan Frühauf mitteilte.

Getrieben wird dies vor allem durch die Beratungssparten. Zwar haben einige Industrieunternehmen angekündigt, ihre Budgets für Consulting senken zu wollen. Doch einen größeren Dämpfer erwarten die Dienstleister nicht.

Denn einige Trends erhöhen laut PwC-Deutschlandchefin Petra Justenhoven nach wie vor den Beratungsbedarf: „Es ist klar erkennbar, dass unsere Kunden an den großen Transformationsprojekten zur Digitalisierung und Dekarbonisierung festhalten.“ Dritter Trend sei die gewachsene Bedeutung der Cybersecurity.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Konkurrent Deloitte. Die Nummer vier im Markt spürt nach eigenen Angaben keine Anzeichen für eine Krise im Consulting. Deloitte ist zuletzt noch stärker gewachsen als Marktführer PwC: Der Umsatz legte im Geschäftsjahr bis Ende Mai um 24 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu, allein die Beratungssparte wuchs um 46 Prozent.

PwC erwirtschaftet in der Advisory-Sparte mittlerweile 1,1 Milliarden Euro – rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Nimmt man die Steuer- und Rechtsberatung hinzu, entfallen auf alle Consulting-Dienste annähernd 1,7 Milliarden Euro Umsatz – also gut 65 Prozent des gesamten Umsatzes der Prüfungsgesellschaft. Bei Deloitte sind es mittlerweile sogar 75 Prozent.

Aufspaltungen sorgen für Umsatz der Wirtschaftsprüfer

Das traditionelle Geschäft mit der Wirtschaftsprüfung wächst ebenfalls, wenn auch in geringerem Maße. PwC legte hier um zehn Prozent auf einen Umsatz von 841 Millionen Euro zu. Das Geschäft wird weniger von der klassischen Bilanzprüfung getrieben. PwC profitierte vor allem von den zahlreichen Abspaltungen von Firmenteilen deutscher Konzerne und dem damit verbundenen Geschäft mit veränderter Finanzberichterstattung.

In den kommenden Jahren wird PwC in der Abschlussprüfung noch mal deutlich zulegen. Das Unternehmen hat im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Rotation zahlreiche neue Mandate gewonnen, wie zuletzt Mercedes-Benz, Siemens und Adidas. PwC wird künftig die Bilanzen von 17 Dax-Konzernen prüfen.

PwC hat zuletzt mehrfach unterstrichen, an dem Mischmodell aus Beratung und Wirtschaftsprüfung festhalten zu wollen. Anders als Konkurrent EY plant der Konzern keine Aufspaltung in getrennt agierende Unternehmen. PwC will nach eigenen Angaben mit der Integration mehr Kompetenzen im gesamten Unternehmen bündeln und den Mitarbeitern bessere Karrieremöglichkeiten bieten.

Die großen Themen in der Wirtschaft bringen den Dienstleistern sowohl in der Beratung wie auch in der Prüfung neues Geschäft. Das zeigt sich am Beispiel Nachhaltigkeit: Die Prüfer müssen sich die Nachhaltigkeitsberichte ihrer Mandaten anschauen und testieren. Die gesetzlichen Anforderungen nehmen zu. Andere Kunden beraten sie bei diesem Thema strategisch.

Gleiches gilt für die Cyberkriminalität, wo die Expertise der Prüfungsgesellschaften sowohl in der Abschlussprüfung wie in der Beratung gefragt ist. In dieses Geschäft will PwC verstärkt investieren, wie Deutschlandchefin Justenhoven sagte. Aktuell ist PwC als Abschlussprüfer von Continental auch mit der Aufarbeitung des Hackerangriffs auf den Autozulieferer befasst, wie es in Branchenkreisen heißt.

Gerade beim Thema Cybercrime können die Prüfer ihre Asse ausspielen: Große Teile der Wirtschaft sind auf die Bedrohung durch Angriffe auf ihre IT schlecht vorbereitet. Es fehlen interne Experten auf diesem Gebiet. PwC und Co. haben darum große Cybersecurity-Einheiten aufgebaut. Sie kennen die Systeme der Mandanten gut und suchen dort in deren Auftrag nach Schwachstellen.

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