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20.06.2022

16:47

Callcenter-Branche

Großfusion bei Callcenter-Betreibern: Sitel fusioniert mit Bertelsmann-Beteiligung Majorel

Von: Michael Scheppe

Durch die Fusion entsteht ein neuer Branchenriese mit 5,4 Milliarden Euro Umsatz. Bertelsmann zieht sich so weiter aus dem Geschäft mit Callcentern zurück.

Eigentümer von Sitel ist die französische Milliardärsfamilie Mulliez. dpa

Callcenter Sitel

Eigentümer von Sitel ist die französische Milliardärsfamilie Mulliez.

Düsseldorf In der Callcenter-Branche kommt es zu einer Großfusion: Die Bertelsmann-Beteiligung Majorel will mit dem doppelt so großen Konkurrenten Sitel aus Frankreich zusammengehen, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten.

Das fusionierte Unternehmen käme auf einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro, würde mehr als 240.000 Mitarbeiter beschäftigen und zählte 1000 Kunden. Majorel hat bislang 75.000 Beschäftigte, erzielte mit seinen 400 Kunden zuletzt einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro.

Beide Unternehmen managen die Beziehungen zwischen Firmen und ihren Endkunden. Das können klassische Callcenter-Funktionen sein, aber auch Maßnahmen zur Kundengewinnung oder die Moderation von Diskussionen auf Social-Media-Plattformen.

Das weltweite Marktvolumen für das sogenannte Customer-Relation-Management-Geschäft (CRM) wird auf über 300 Milliarden Euro taxiert. Das Gros erbringen die meisten Firmen selbst, ausgelagert ist laut Branchenkennern ungefähr ein Drittel des Marktes.

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    Durch die neuerliche Fusion konsolidiert sich die stark fragmentierte Branche weiter. Bisher erreichen die zehn größten Callcenter-Betreiber nicht einmal einen Marktanteil von 30 Prozent. Sitel hatte vergangenen Sommer bereits den US-Anbieter Sykes Enterprises übernommen. Branchenprimus ist der französische Konzern Teleperformance mit 7,1 Milliarden Euro Umsatz und 420.000 Mitarbeitern. An diesen rückt das fusionierte Unternehmen nun näher heran.

    Bertelsmann will Beteiligung an Majorel weiter reduzieren

    Der größte deutsche Medienkonzern Bertelsmann zieht sich durch den Schritt weiter aus dem Callcenter-Geschäft zurück. Derzeit ist das Gütersloher Familienunternehmen noch mit fast 40 Prozent an Majorel beteiligt. Der Konzern will seine Beteiligungen nun auf zunächst 17,3 Prozent verwässern und zieht zusätzlich Geld aus Majorel heraus.

    Die Firma soll in Sitel aufgehen. imago images/HŠrtelPRESS

    Majorel am Standort Chemnitz

    Die Firma soll in Sitel aufgehen.

    Majorel wurde 2018 gegründet. Der Firmenname ist eine Kombination der beiden Worte Major und Relationship, auf Deutsch groß und Beziehung. Bertelsmann hatte die Callcenter seiner Tochter Arvato seinerzeit mit denen des marokkanischen Partners Saham zusammengelegt.

    Der Schritt überraschte, denn Konzernchef Thomas Rabe wollte das CRM-Geschäft eigentlich verkaufen, fand dafür aber keinen Interessenten zu seinen Preisvorstellungen. In dem Joint Venture mit Saham war Bertelsmann noch mit 50 Prozent an Majorel beteiligt. Im Herbst 2021 reduzierte Bertelsmann seine Anteile weiter, indem das Familienunternehmen Majorel an die Amsterdamer Börse Euronext brachte.

    Rabe hatte zuletzt mehrfach angekündigt, primär in margenstarke Geschäfte investieren zu wollen. Doch die Callcenter-Branche steht unter großem Kostendruck, weil es ein personalintensives Geschäft ist und die Margen schrumpfen. So hatte Majorel zuletzt mehrere deutsche Standorte geschlossen. Zwar werden künftig immer mehr Callcenter-Interaktionen über automatisierte Technologien abgewickelt, dafür sind allerdings hohe Investitionen nötig. Diese lassen sich von Großunternehmen besser stemmen.

    Auch deshalb kamen die Nachrichten an der Börse gut an: Die Majorel-Aktie sprang um über zwölf Prozent auf knapp 29 Euro, lag aber weiter unter dem Ausgabepreis von 33 Euro. Majorel soll durch den Zusammenschluss in Sitel aufgehen. Das fusionierte Unternehmen soll jedoch an der Amsterdamer Börse gelistet bleiben. Der bisherige Majorel-Chef Thomas Mackenbrock wird unter anderem Europachef der fusionierten Firma. CEO wird der bisherige Sitel-Chef Laurent Uberti.

    Uberti sagte am Montag vor Analysten: „Mit Majorel haben wir den perfekten Partner gefunden, um die Umsetzung unserer Strategie zu beschleunigen.“ Es gehe darum, einen Global Player aufzubauen „und vielleicht eines Tages den Weltmarktführer“. Beide Firmen hatten Schwerpunkte in unterschiedlichen Ländern, ergänzen sich somit. Das neue Unternehmen unterhält global 300 Standorte, adressiert Kunden in mehr als 70 Sprachen.

    Eigentümer von Sitel ist die französische Milliardärsfamilie Mulliez, die mit Unternehmen wie der Supermarktkette Auchan und dem Sportartikelhändler Decathlon reich geworden ist. Sie soll mit 45 Prozent auch größter Aktionär des fusionierten Callcenter-Betreibers werden. Gemeinsam mit dem Sitel-Management hätte die Milliardärsfamilie dann 56 Prozent der Anteile, die bisherigen Majorel-Aktionäre kommen auf 44 Prozent. Der Zusammenschluss soll bis Ende 2022 oder Anfang 2023 vollzogen sein.

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