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03.03.2021

12:03

Corona-Pandemie

Die Reisebranche schreibt auch das Geschäftsjahr 2021 ab

Von: Christoph Schlautmann

Die Reisewirtschaft erwartet für das laufende Jahr erneut schwere Einbußen. Anbieter von Pauschalreisen erleben besonders starke Rückgänge.

Hoffnung auf den kommenden Sommer. dpa

Maskenträger am Strand von Kuba

Hoffnung auf den kommenden Sommer.

Düsseldorf Deutschlands Reiseveranstalter und Urlaubsagenturen rechnen für 2021 weiterhin mit schweren Rückschlägen für ihr Geschäft. Rund 90 Prozent von ihnen, so ergab eine Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) bei 600 Mitgliedsunternehmen, erwarten in diesem Jahr weniger als 50 Prozent des Umsatzes von 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie.

Seit Mitte Februar beobachtet die Marktforschungsfirma Travel Data + Analytics (TDA) zwar ein Anziehen der Reisebuchungen – getrieben insbesondere von der Hoffnung auf flächendeckende Impferfolge. In den Wochen zuvor verharrte das Buchungsgeschäft jedoch auf einem Niveau von etwa 20 Prozent des Vorjahres.

„Dieser Umsatzeinbruch bei Reiseveranstalterbuchungen von über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum wird nicht annähernd einzuholen sein“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig am Mittwoch. Dabei sei die Zeit um den Jahreswechsel und die ersten Wochen eines Jahres in der Regel die Hauptbuchungssaison der Deutschen.

Auf die bis Ende April laufende Wintersaison und damit auch die Osterferien entfallen laut DRV aktuell nur 13 Prozent der Neubuchungen. Für Abreisen im März gebe es nur wenige Kurzfristbuchungen, die sich im Schwerpunkt auf Reiseziele wie die Kanarischen Inseln, die Malediven und Kuba konzentrieren. Insbesondere Quarantänebestimmungen bei der Rückkehr nach Deutschland schrecken laut Fiebig den Großteil der Urlaubswilligen ab.

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    Viele Deutsche setzten offenbar auf Zeit. Rund 60 Prozent der Buchungsumsätze gehen in diesen Tagen für die Sommersaison ein, ein Viertel der Umsätze entfällt sogar erst auf die Zeit nach Oktober.

    Griechenland stärker gefragt als Spanien

    Die griechischen Inseln liegen derzeit bei der Nachfrage nach Sommerbuchungen an der Spitze. Verhaltener läuft nach Angaben des DRV das Reisegeschäft mit spanischen Zielen, wozu auch die Balearen zählen.

    Überproportional steige dagegen die Buchungszahl für Kreuzfahrten. Auch Fernreiseziele seien übermäßig stark gefragt. Einen Anreiz bieten viele Reiseveranstalter dazu mit gesenkten Frühbucherkonditionen und flexiblen Umbuchungs- und Stornierungsmöglichkeiten.

    Viele von ihnen dürften inzwischen allerdings aus der Substanz leben. Wurden von den Deutschen 2019 noch 69,5 Milliarden Euro für Reisen ausgegeben, waren es im abgelaufenen Jahr nur noch knapp 32 Milliarden Euro – ein Rückgang um 54 Prozent.

    Die Erlöse der Pauschalreiseanbieter sanken sogar noch stärker. Von den 32 Milliarden Euro Reiseausgaben entfielen nur noch 12,5 Milliarden Euro auf die organisierte Reise, ermittelte die GfK. Das bedeutet für die Veranstalter einen Rückgang um 65 Prozent. „Damit fällt der Umsatz auf ein Niveau von vor über 30 Jahren zurück“, erklärte Fiebig.

    Der Grund: Weit mehr Urlauber als in den Vorjahren verreisten 2020 innerhalb Deutschlands oder in angrenzende Länder wie Österreich. Solche Reisen organisieren Urlauber oft individuell ohne Reisebüro oder Veranstalter.

    Die wirtschaftliche Situation der Reiseanbieter bezeichnet der DRV inzwischen als bedrohlich. „Die Überbrückungshilfe III ist für den Vertrieb nicht ausreichend“, sagte Verbandspräsident Fiebig. Zudem müssten die Überbrückungshilfen – falls die Reisebeschränkungen nicht bald aufgehoben werden – intelligent verlängert werden, um die Strukturen der Branche zu sichern.

    Schwerer Einbruch im Sommer 2020

    Besonders drastisch sanken im vergangenen Jahr die Ausgaben für die Sommersaison, wie der DRV berichtet. Statt der 46 Milliarden Euro im Vorjahr kamen 2020 gerade einmal 16 Milliarden Euro zusammen. „Für die rund 100.000 Beschäftigten bei Reisebüros und Reiseveranstaltern bedeutet dies ein Bangen um Arbeitsplätze und um Existenzen“, warnte Fiebig. Tatsächlich mussten in den vergangenen Monaten mehrere Reiseveranstalter und Reisebüroketten Insolvenz anmelden.

    Selbst die inländische Tourismuswirtschaft konnte 2020 nicht davon profitieren, dass mehr Deutsche als sonst im eigenen Heimatland ihren Urlaub verbrachten. Obwohl Unterkünfte an Nord- und Ostsee wie auch in Bayern im Sommer stark gebucht waren, sank der Inlandsreise-Umsatz laut DRV um 33 Prozent, insbesondere wegen der Erlösausfälle in den Frühjahrsmonaten.

    Trüber noch sah es im Segment Kreuzfahrten aus, das Anfang 2020 als eines der ersten von der Pandemie betroffen wurde. Verreisten 2019 noch 3,7 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Kreuzfahrtschiff, waren es 2020 nur noch rund 1,4 Millionen – davon fast 1,1 Millionen auf der Hochsee und etwas mehr als 300.000 Passagiere auf Flüssen. Der Spartenumsatz fiel damit um 60 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

    Wenig Rückenwind hat die Touristik in diesem Jahr von Geschäftsreisenden zu erwarten. So fragte der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) kürzlich, ob es dringend sei, Geschäftsreisen wieder aufzunehmen. Der Anteil der Befürworter fiel aus Sicht der Branche denkbar enttäuschend aus. Gerade einmal 46 Prozent antworteten mit „Ja“.

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