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22.03.2021

17:57

Deutsche Post

Post-Chef Frank Appel kündigt Milliardeninvestitionen in Klimaschutz an

Von: Christoph Schlautmann

PremiumDer Vorstandschef der Deutschen Post verkündet eine kostspielige Strategie für die kommenden neun Jahre. Dabei ist unklar, ob er 2022 an Bord bleibt.

Milliarden-Investition in die Nachhaltigkeit. dpa

Frank Appel

Milliarden-Investition in die Nachhaltigkeit.

Düsseldorf Die Ansage, die Post-Chef Frank Appel seinem Bonner Dax-Konzern am Montag erteilte, dürfte die weitreichendste seiner 13-jährigen Amtszeit sein. Sieben Milliarden Euro werde die Deutsche Post bis 2030 in den Klimaschutz stecken, versprach er, ein Prozent des Jahresnettogewinns spendiere man künftig zudem für soziale Projekte.

Auch im Management soll sich nach dem Willen des 59-Jährigen einiges ändern: Mindestens 30 Prozent der Führungspositionen will Appel bis zum Jahr 2025 mit Frauen besetzen lassen – womöglich eine Herkulesaufgabe. Denn nicht einmal im Vorstand, wo Finanzchefin Melanie Kreis sieben männlichen Kollegen gegenübersitzt, ist eine solche Quote in greifbarer Nähe.

So weitreichend die Entscheidungen scheinen mögen, so überraschend ist der Zeitpunkt ihrer Ankündigung. In möglicherweise sieben Monaten nämlich könnte Appel die Öffentlichkeit darüber informieren, dass er zum Oktober 2022 seinen Posten an den Nagel hängt. Darüber habe er eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen, erklärte er Anfang März zum wiederholten Male vor Journalisten. Kraftvolle Bewerbungen für eine Vertragsverlängerung sehen anders aus.

Entscheidet er sich im Oktober dieses Jahres zum Rückzug, wenn üblicherweise die Vertragsverhandlungen mit dem Aufsichtsrat beginnen müssten, hinterlässt er seinem Nachfolger nur geringen Spielraum für künftige eigene Akzente. Seit diesem Montag sähe es für einen solchen Kandidaten noch deutlich trüber aus.

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    Allein die sieben Milliarden Euro, verteilt über neun Jahre, entsprechen rund einem Drittel des freien Cashflows, den der Konzern im Rekordjahr 2020 erwirtschaftete. Schon vor wenigen Tagen hatte Appel zudem ein Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro verkündet, das die Handlungsfähigkeit der Konzernspitze weiter einschränken wird.

    Ambitionierte Wette auf die Zukunft

    Allein schon das Nachhaltigkeitsprogramm dürfte in den nächsten Jahren enorme Managementkapazitäten binden. Verteilt die Deutsche Post heute ihre Pakete und Briefe mit 15.000 Elektroautos, sollen es in neun Jahren mindestens 80.000 sein. Die Eigenproduktion des „Streetscooters“ aber läuft in diesem Jahr aus, sodass sich die Bonner ihre Elektroflotte künftig bei externen Produzenten besorgen müssen. „Wir reden mit verschiedenen Herstellern“, ist alles, was Konzernchef Appel dazu am Montag sagte.

    Mehr noch dürfte den Dax-Konzern das eigene Versprechen in Atem halten, 30 Prozent des Kerosins im eigenen Flugbetrieb durch alternative Treibstoffe zu ersetzen. Man setze auf Kerosin, das aus Bioabfällen gewonnen wird, erklärte Appel, aber auch auf neuartige Power-to-Liquid-Treibstoffe. Fraglich aber bleibt, ob all dies bis 2030 in ausreichender Menge vorhanden sein wird. Immerhin absolviert die Konzerntochter DHL Express täglich mit über 260 Maschinen rund 600 Transportflüge.

    An den gesetzten Zielen will sich der Vorstand messen lassen, zumindest was die eigene Vergütung anbelangt. Zehn Prozent davon sollen, falls die Hauptversammlung im Mai dem Vorhaben zustimmt, an die Umweltziele geknüpft werden. Ein weiteres Zehntel will Appel davon abhängig machen, ob auch die sozialen Ziele der Deutschen Post erreicht werden.

    Hinzu kommen zehn Prozent der Vergütung, die erst fließen sollen, falls auch die Grundsätze einer verantwortungsvollen Unternehmensführung – Neudeutsch: Governance – erfüllt sind. Neben der angepeilten Frauenquote ist dies eine jährlich abzufragende Zufriedenheit unter den Mitarbeitern. Fällt die Zustimmung unter 80 Prozent, entfällt der Bonus.

    Zumindest was die Klimaziele betrifft, erweist sich Appels Bilanz der vergangenen Jahre als durchaus vorzeigbar. Seit seinem Amtsantritt 2008 verringerte sich der CO2-Ausstoß der Deutschen Post nach Konzernangaben um 37 Prozent. Pro zugestelltem Paket, erklärte er, entstünden heute im Durchschnitt weniger als 500 Gramm CO2. Wettbewerber DPD, der sich selbst als „Nummer eins beim CO2-Ausgleich“ bezeichnete, kam bei der letzten Meldung Mitte 2019 noch auf 830 Gramm. Das 2017 ausgegebene Versprechen, bis 2050 komplett klimaneutral zu liefern, bekräftigte der Post-Chef zudem am Montag.

    Kein Signal für eine weitere Amtszeit

    Ein Signal, dass Appel bereit sein könnte, eine weitere Amtszeit dranzuhängen, sehen Analysten in der nun verkündeten Nachhaltigkeitsstrategie nicht. „Der Druck der Öffentlichkeit und Investoren auf Logistikkonzerne nimmt zu, sich dem Klimawandel zu stellen“, beobachtet Commerzbank-Analyst Adrian Pehl.

    Unabhängig von der Frage des Vorstandsvorsitzes ergebe es deshalb für die Deutsche Post Sinn, hier massiv zu investieren. „Der Konzern war hier bislang schon ein Vorreiter“, sagt Pehl, „zudem hat er aufgrund des guten Cashflows die ausreichenden Mittel.“

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