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Gategroup vor Verkauf

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Einkaufstour auf Zehenspitzen

Die ehemalige Tochter der Swissair will sich auf das Kerngeschäft des Airline-Caterings konzentrieren und hierbei neue Kunden aus Schwellenländern gewinnen. Wachstum soll zudem der Ausbau des Verkaufs von Konsumgütern im Flugzeug bringen, bis 2020 soll die Hälfte des Umsatzes aus diesem Geschäft stammen, derzeit sind es rund 18 Prozent. Zudem hatte Gategroup einen Sparkurs aufgesetzt und dabei 300 Stellen abgebaut.

Laut Pressemitteilung wolle HNA diese Strategie unterstützten. Gategroup erhofft sich durch den neuen Eigentümer aus China mehr Rückenwind, seine Präsenz in Asien auszubauen.

Fremde vor der Tür – Übernahmewellen in der deutschen Wirtschaft

Die Amerikaner kommen

Die Angst vor dem Ausverkauf der deutschen Industrie ist fast so alt wie die Industrie selbst. 1929 übernahm General Motors den Familienbetrieb Opel. „Todesstoß für die deutsche Automobilindustrie“ lautete damals eine Schlagzeile. Opel hatte sich durch einen rasanten Expansionskurs finanziell übernommen. Der Verkauf an GM war die Rettung – Zumal GM mit insgesamt 33 Millionen Reichsmark einen sehr guten Preis zahlte. Wenige Monate später ließ der „Schwarze Freitag“ die Börsenkurse purzeln. Die folgende Weltwirtschaftskrise hätte Opel auf sich allein gestellt mutmaßlich nicht überlebt.

Die Araber kommen

Mit dem Ölpreisschock 1973 ließen die drastisch gestiegenen Ölpreise in den Förderländern des Nahen Ostens die Deviseneinnahmen sprudeln. Mit diesem Geld gingen die Scheichs weltweit auf Einkaufstour. 1974 stieg Kuwait mit 14 Prozent beim Autobauer Daimler-Benz ein. Verkäufer des Aktienpakets war die Industriellenfamilie Quandt. Wie bereits 55 Jahre zuvor bei der Opel-Übernahme durch GM war die Aufregung groß.

Die Japaner kommen

Erinnert sich noch jemand an die Württembergische Radio-Gesellschaft, kurz WEGA? 1975 verleibt sich Sony das Unternehmen ein. Es war der Vorbote zu einer japanischen Einkaufstour rund um den Globus, die in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre ihren Höhepunkt erreichte. Das sogenannte Plaza-Abkommen ließ damals den Kurs des Yens steigen und machte Zukäufe für japanische Unternehmen billig. 1989 erwarben Japaner 114 Unternehmen in Europa, davon 21 in der Bundesrepublik. Mit der Asienkrise 1997 war es dann aber vorbei mit der Expansionslust.

Die Heuschrecken kommen

Die nächsten Angreifer waren Private-Equity-Fonds, die bevorzugt deutsche Mittelständler mit hoher Eigenkapitalquote kauften – so zum Beispiel bei der Übernahme des Wasserhahn-Herstellers Grohe durch BC Partners 1999. Eine Praxis, die Franz Müntefering 2005 mit seiner berühmten Heuschreckenmetapher kritisierte: „Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“

Die Russen kommen

Nahezu zeitgleich mit den „Heuschrecken“ verbreitete eine zweite Investorengruppe Sorge in der Bundesrepublik: Russische Konzerne und Oligarchen, die ihre Portfolios diversifizieren oder auch nur ihr Geld global anlegen wollten. So kaufte eine russische Investmentgesellschaft 2008 zwei Werften in Wismar und Warnemünde. Russen erwarben auch große Aktienpakete an deutschen Konzernen wie K+S und Tui. Doch die russische Kaufoffensive ebbte bald wieder ab.

Das war auch ein Grund dafür, warum die Syngenta-Führung die 43-Milliarden-Offerte durch Chemchina unterstützt. Es gibt weitere Parallelen: Wie Chemchina legt auch HNA legt seine Offerte komplett in bar vor, was das Angebot attraktiver macht. In beiden Fällen soll das Übernahme-Ziel von der Börse genommen werden, aber als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in der Schweiz erhalten bleiben. Und sowohl HNA als auch Chemchina versprechen, dass sie das aktuelle Management und die Strategie beibehalten wollen.

Sprich, bei ihrer Einkaufstour in der Schweiz gehen die chinesischen Investoren quasi auf Zehenspitzen vor, um die öffentliche Meinung nicht mit brutalen Ankündigungen aufzuschrecken, was den Deal gefährden könnte. Bisher gibt es in der Schweiz auch keinen politischen Widerstand gegen den Ausverkauf der Traditionsunternehmen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hatte die Übernahme Syngentas sogar begrüßt, musste dafür aber Kritik einstecken.

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    Sigg wird verkauft: Chinesen nehmen einen großen Schluck aus der Alu-Pulle

    Sigg wird verkauft

    Chinesen nehmen einen großen Schluck aus der Alu-Pulle

    Chinesische Konzerne sind weiter auf Shopping-Tour. Nach dem Milliarden-Konzern Syngenta geht nun auch ein Mittelständler ins Reich der Mitte: Der Alu-Trinkflaschen-Hersteller Sigg wird verkauft.

    Der Kaufinteressent für Gategroup, die HNA Group, ist wie Chemchina ein Riese, von dem bisher die breite westeuropäische Öffentlichkeit kaum etwas gehört haben dürfte. Es ist aber bereits der zweite Zukauf der HNA in der Schweiz: Der chinesische Luftfahrt- und Tourismuskonzern hatte im vergangenen Jahr für 2,73 Milliarden Franken den Flugzeug- und Flughafen-Dienstleister Swissport gekauft.

    Die privat gehaltene HNA Group wurde 1993 zunächst als reine Fluggesellschaft gegründet. Heute ist es ein Konglomerat bestehend aus mehreren Airlines, wie Hainan Airlines oder Tianjin Airlines, und betreibt mehr als 820 Flugzeuge. Daneben besitzt der Konzern Hotels und Flughäfen, ist im Tourismus aktiv, macht mit Immobilien Geschäfte, besitzt Kaufhäuser und tritt als Logistik-Anbieter auf. Vergangenes Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 25,6 Milliarden Dollar. Weitere Bilanzdetails veröffentlicht der Konzern nicht.

    Gründer ist Chen Feng, der dem Verwaltungsrat des Unternehmens vorsteht. Dieser hat sogar in Deutschland studiert und legte 1984 seinen Abschluss am Lufthansa College für Air Transport Management ab.

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