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29.11.2022

12:12

Lieferdienste

Milliardendeal der Schnelllieferdienste – Getir will Gorillas rasch übernehmen

Von: Arno Schütze, Nadine Schimroszik

Die beiden Lieferdienste wollen sich zeitnah zusammenschließen. Gründer Kagan Sümer soll Gorillas nach dem Abschluss des Deals mit Getir verlassen.

Bisher unklar ist, ob die Marke Gorillas nach der Getir-Übernahme erhalten bleibt. AFP/Getty Images

Gorillas soll von Getir übernommen werden

Bisher unklar ist, ob die Marke Gorillas nach der Getir-Übernahme erhalten bleibt.

Frankfurt/Berlin Die zähen Übernahmeverhandlungen des türkischen Expresslieferdienstes Getir mit dem Berliner Konkurrenten Gorillas stehen Insidern zufolge kurz vor dem Abschluss. Mehreren mit den Gesprächen vertrauten Personen zufolge soll der Milliardendeal am Freitag unterzeichnet werden. Der Abschluss der Transaktion soll kurz darauf erfolgen.

Viele Experten erwarten, dass die Zahl der Lieferdienste schrumpfen wird. Denn der Wettbewerb zwischen den Unternehmen ist groß. Darüber hinaus steigen mit der Inflation die Preise und Kosten. Die Finanzmärkte werden skeptischer.

Getir wie auch Gorillas müssen bei dem Deal eine deutliche Abwertung hinnehmen, die die Berliner auch ihren Einhorn-Status kosten dürfte. Zusammen sollen sie den Finanzkreisen zufolge noch sieben Milliarden Dollar wert sein, was einer Halbierung der letzten summierten Bewertung gleichkommt. Zudem erhalte Gorillas eine Brückenfinanzierung in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro.

Dabei sollen Investoren, die sich beteiligen, auf ihren Einsatz Vorzugskonditionen bei einem späteren weiteren Verkauf bekommen, hieß es weiter. Ihnen wird eine sogenannte Liquidationspräferenz eingeräumt, die ihnen je nach Einsatz eine Vervielfachung ihres Geldes verspricht.

Einige große Investoren wie etwa Coatue, DST und G Squared springen damit für Investoren ein, die sich nicht an der Brückenfinanzierung beteiligen wollen.

Finanzkreise: Gorillas-Chef Sümer verlässt nach Übernahme das Unternehmen

Den Finanzkreisen zufolge muss sich Gorillas-Gründer und -Chef Kagan Sümer nach der Übernahme durch Getir vom Unternehmen verabschieden. Allerdings dürfte er noch einen substanziellen Bonus mitnehmen. Das gesamte Management soll demnach rund zehn Millionen Euro erhalten. Rund die Hälfte davon könnte an Sümer und Mitgründer Ugur Samut gehen.

Gorillas hatte so schnell wie kein anderes deutsches Start-up den Einhorn-Status erreicht, soll aber seit Jahresbeginn in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben. Im Mai zog das Unternehmen die Reißleine und entließ mehr als 300 Mitarbeiter. Darüber hinaus verkündete Gorillas den Rückzug aus Italien, Spanien, Dänemark und Belgien.

Gorillas wie auch Getir und dem deutschen Konkurrenten Flink machen die gestiegenen Lebensmittelpreise und die Wirtschaftskrise zu schaffen. Hinzu kommen die hohen Logistik- und Personalkosten.

Darüber hinaus sind viel Werbung sowie Rabattaktionen nötig, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Das zusammen führte bisher zu hohen Verlusten. Alle Wettbewerber haben sich inzwischen das Ziel gesetzt, möglichst rasch in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Der türkische Konkurrent Getir ist spät in den deutschen Markt gestartet. Mit der Übernahme von Gorillas würden die Türken in Europa auf einen Schlag die Marktanteile steigern. So will sich Getir im Wettbewerb mit Flink behaupten. Bisher liefern sich die drei Anbieter in Deutschland einen kostenintensiven Kampf um die Kunden, die bereit sind, für eine schnelle Lieferung per Fahrradkurier einen Aufschlag in Form von Gebühren zu zahlen.

Auch Flink soll Insidern zufolge über einen Kauf von Gorillas nachgedacht haben, zuletzt gab es allerdings keine Gespräche mehr über einen möglichen Zusammenschluss.

Weder Gorillas noch Getir wollten eine Stellungnahme zu den Verhandlungen abgeben. Coatue, DST wie auch G Squared waren zunächst nicht für einen Kommentar erreichbar.

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