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20.10.2021

13:19

Ranking

Beratung an der Schnittstelle: Das sind die besten IT-Berater im Gesundheitswesen

Von: Andreas Schulte

Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz treibt die Regierung die Digitalisierung im Gesundheitswesen kräftig voran. IT-Consultants mit Branchenwissen sind höchst gefragt.

Die Digitalisierung erhöht den Beratungsbedarf. China News Service/Getty Images

KI-Auswertung in chinesischer Klinik

Die Digitalisierung erhöht den Beratungsbedarf.

Köln Welchen Verlauf nimmt die Erkrankung eines Patienten? Diese Frage beschäftigt nicht mehr ausschließlich Ärzte. Myia beantwortet sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Das US-Unternehmen stattet Patienten mit Biosensoren aus, die etwa den Blutdruck, Blutzucker oder die Herzfrequenz messen. Die regelmäßig erhobenen Werte werden mit einem riesigen Datenpool abgeglichen.

So kann der Myia-Algorithmus errechnen, wie sich der Zustand des Patienten entwickeln wird. Sind die Daten kritisch, lässt sich über die Myia-Plattform eine Videosprechstunde mit dem behandelnden Arzt abhalten. Der Patient fühlt sich auch zu Hause sicher. Auch für Krankenhäuser ergibt sich ein Vorteil: Sie können ihre Bettenbelegung besser planen.

Beim Aufbau von Myia hat BCG Digital Ventures beraten, eine Tochter der Boston Consulting Group, die Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle unterstützt. Der Schulterschluss von BCG DV und Myia steht stellvertretend für den Trend in der Branche: Consultingfirmen rüsten sich für den Digitalisierungsschub im Gesundheitswesen.

In Deutschland treibt auch die Regierung das Thema voran. Mit dem 2020 in Kraft getretenen Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) stellen Bund und Länder bis zu 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung bereit. BCG-DV-Partner André Heeg erwartet dadurch mehr Geschäft: „Krankenhäuser haben enormen digitalen Nachholbedarf“, sagt er. „Dies bietet Beratungsunternehmen neues Potenzial, etwa in der IT-Beratung oder in der Prozessoptimierung.“

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    Den Krankenhäusern bleibt wenig Zeit, Digitalisierungsprojekte anzustoßen. Förderanträge müssen noch in diesem Jahr gestellt werden. Und investieren Krankenhäuser nicht konsequent in die Digitalisierung, drohen ab 2025 Sanktionen. Dann müssen Kliniken, die nicht in den elf vorgegebenen Feldern wie Telemedizin, Leistungsdokumentation oder Patientenportal digitalisiert haben, mit bis zu zwei Prozent Abschlag auf ihre Patientenrechnungen rechnen.

    Der Druck auf Krankenhäuser sei spürbar

    Man spüre den Druck auf Krankenhäuser, Anträge fristgerecht zu stellen, sagt Michael Burkhart, Leiter Gesundheitswirtschaft der Region Mitte bei PwC Deutschland. Das KHZG habe zu einem Umdenken geführt. „Die Bereitschaft zu digitalisieren ist dadurch gestiegen“, sagt Burkhart.

    PwC sieht Beratungsbedarf der Kliniken vor allem bei der ganzheitlichen Strategie. Die solle den klinischen Bereich, IT und Verwaltungsprozesse gleichermaßen berücksichtigen. „Das KHZG ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber dadurch werden lediglich einige bislang analoge Prozesse digitalisiert. Für eine komplette Digitalisierung der Häuser bräuchten wir eine weitere Null am Förderbetrag des neuen Gesetzes“, sagt Burkhart.

    Künstliche Intelligenz könnte an vielen Stellen Einzug halten. Chatbot-Apps könnten die Patienten-Anamnese unterstützen, Diagnosen und Therapievorschläge ableiten – theoretisch.

    Eine Hürde ist die vielerorts fehlende KI-Fachkompetenz. So falle den Kliniken auch die Auswahl eines geeigneten Anbieters von intelligenten Systemen und die Integration neuer IT-Technologien schwer, sagt Burkhart.

    Engpass beim Personal

    Ob Beratungsunternehmen die steigende Nachfrage nach Know-how bedienen können, ist fraglich. Tatsächlich fehlt der Branche schon jetzt Personal. Die zehn führenden Firmen wollen in diesem und im kommenden Jahr in Summe fast 5000 Consultants einstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Handelsblatts aus dem Sommer dieses Jahres. Der Personalengpass betrifft auch den Gesundheitssektor.

    „Das KHZG und die Digitalisierung von Krankenhäusern führen dazu, dass viele neue Berater auf den Gesundheitsmarkt drängen“, sagt Pierre-Michael Meier, Geschäftsführer der Entscheiderfabrik, einem Branchennetzwerk des Gesundheitswesens. Das Problem: „Bei der Health-IT hat die Hälfte keine Ahnung. Und wer ausreichend qualifiziert ist, hat schon jetzt keine Zeit.“ Meier ist besorgt: „Wir benötigen für die Qualifikation von Krankenhausberatern eine Diskussion über Kompetenzbereiche und Zertifikate.“

    Grafik

    Der Mangel an qualifizierten Kräften treibe die IT-Beratungskosten im Gesundheitssektor in die Höhe, prognostiziert der Experte. „Das knappe Gut der Beratung wird durch den Druck zu digitalisieren noch knapper“, sagt Meier. „Der IT-Beratungsmarkt bei Krankenhäusern ist stark fragmentiert. Möglicherweise werden hier kleine Anbieter von großen Beratungshäusern übernommen.“ Tatsächlich ist diese Entwicklung im Gange. So stieg beispielsweise PwC in diesem Jahr bei Statice ein, einem Berliner Spezialisten für Datenanonymisierung.

    Andere Beratungen wie die Unity Consulting & Innovation mit etwa 300 Mitarbeitern setzen auf Weiterbildung sowie auf die Rekrutierung neuer Kräfte. „Wir streben organisches Wachstum an. Würden wir stattdessen kleinere IT- oder Beratungshäuser kaufen, könnte unsere Unternehmenskultur darunter leiden“, sagt Meik Eusterholz, Leiter des Geschäftsfelds Gesundheitswesen. Unity hat ein internes Schulungsprogramm aufgesetzt, das etablierte und neue Mitarbeiter innerhalb eines Jahres fit macht für die Herausforderungen im Gesundheitswesen.

    Viel Potenzial sieht Eusterholz vor allem in der Prozessoptimierung: „Die meisten IT-Projekte scheitern, weil die Einführung einer Lösung isoliert betrachtet wird. Wir müssen aber gemeinsam mit den Krankenhäusern den Umgang mit ihr mitdenken. Nur so können Mitarbeiter im Krankenhaus durch Digitalisierung entlastet werden“, sagt Eusterholz.

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