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16.08.2022

13:45

E-Mobilität

„Wir könnten noch viel mehr verkaufen“: Rebike und der Boom um gebrauchte E-Fahrräder

Von: Joachim Hofer

Das erfolgreiche Münchener Start-up für runderneuerte Elektroräder baut sein Geschäft aus. Ungebremst aufwärts geht es aber nicht – aus einem Grund.

Das Start-up arbeitet gebrauchte E-Fahrräder auf – auf 3000 Quadratmetern in Kempten. Rebike Mobility

Rebike Mobility

Das Start-up arbeitet gebrauchte E-Fahrräder auf – auf 3000 Quadratmetern in Kempten.

München Einmal sanft in die Pedale getreten, schon setzt sich ein E-Bike in Bewegung. Wer mit Elektrorädern Geld verdienen möchte, braucht deutlich mehr Kraftanstrengung. Sven Erger hat das in der Anfangszeit seines Start-ups Rebike Mobility leidvoll erfahren.

Inzwischen allerdings ist das junge Münchener Unternehmen richtig in Fahrt: Der Umsatz soll sich dieses Jahr auf mehr als 20 Millionen Euro verdoppeln. Und gerade hat sich der Unternehmer frisches Geld beschafft: 24 Millionen Euro flossen als Eigen- und Fremdkapital.

Rebike: Plattform für hochwertige, gebrauchte E-Bikes

Trotzdem kommt der 49-Jährige nicht so schnell voran, wie es die Nachfrage zulassen würde, denn die Radhersteller liefern nicht genug. „Wir könnten viel mehr verkaufen“, klagt Erger. Aber vor allem E-Mountainbikes seien knapp.

2018 ist Erger gemeinsam mit Partner und Co-CEO Thomas Bernik gestartet: Mit einer Internetplattform für hochwertige, gebrauchte E-Bikes – sozusagen die Jahreswagen unter den Elektrorädern. Die sollten zunächst von Privatleuten stammen. Auch Vorführmodelle der Hersteller wollten die Unternehmer anbieten.

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    Bald zeigte sich: Es lohnt sich nicht, die E-Bikes bei Konsumenten zu erwerben. Die Produzenten wiederum haben nicht genug Ausstellungsstücke im Angebot, um Rebike ausreichend zu beliefern. Deswegen haben die beiden Gründer ihr Geschäftsmodell verändert.

    2000 Abos hat Rebike vergangenes Jahr verkauft

    Für den Nachschub an gebrauchten E-Bikes sorgen sie nun selbst. Bernik und Erger eröffneten Verleihstationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. Nach ein paar Tagen oder Wochen im Einsatz verkaufen sie die Velos dann auf ihrem Internetportal.

    Zudem bieten sie Elektroräder zur Miete an. 2000 Abonnements hat die Firma vergangenes Jahr eigenen Angaben zufolge vertrieben. Auch diese Modelle sind später bei Rebike gebraucht im Internet erhältlich.

    Mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt die Firma inzwischen. Die eine Hälfte ist in München in der Zentrale tätig. Die andere in Kempten, wo Rebike die Abo-Rückläufer und die ausgedienten Verleihräder für den Verkauf aufarbeitet. Es ist die wohl größte Wette auf eine goldene Zukunft: Auf 3000 Quadratmetern haben die zwei Gründer die Kapazitäten geschaffen, um jährlich 50.000 Velos zu überholen.

    Circularity Capital und Tengelmann Ventures steigen bei Rebike ein

    Bernik hat schon einige Firmen gegründet und in Start-ups investiert. Co-Chef Erger bringt Erfahrung aus großen Konzernen mit. Der ehemalige Amateur-Radrennfahrer war für Sony, Nokia und Microsoft tätig.

    Rebike expandiert sein Geschäft nach Frankreich und künftig in die Niederlande. Rebike Mobility

    Gebrauchtes E-Bike

    Rebike expandiert sein Geschäft nach Frankreich und künftig in die Niederlande.

    Das Duo schafft es immer wieder, weitere Geldgeber zu überzeugen. So stieg im Frühjahr Circularity Capital neu ein, ein europäischer Investor für Wachstumsunternehmen in der Kreislaufwirtschaft; zudem kamen Tengelmann Ventures und die Parkshore Holding an Bord. Darüber hinaus beteiligten sich an der Finanzierungsrunde die bereits bei Rebike engagierten Risikokapitalgeber Vorwerk Ventures und BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft.

    „Rebike hat sich als Spezialist für gebrauchte E-Bikes bereits bestens im E-Bike Markt etabliert“, meint Andrew Shannon, Gründungspartner von Circularity Capital. Nun gehe es darum, die Firma „auf das nächste Level zu heben“. Patrick Schaich, Managing Director von Tengelmann Ventures, ergänzt: „Der E-Bike-Markt ist für uns ein Markt der Zukunft.“

    Rebike strebt mit Läden in die Städte

    Zuletzt hatte sich das Unternehmen im Frühjahr 2021 zehn Millionen Euro besorgt. Zur Bewertung macht Erger keine Angaben. Nur so viel: Die Mittel sollen nun bis 2024 reichen.

    Mit dem frischen Geld will Erger einerseits die Radflotte aufstocken. Andererseits strebt er in die Metropolen. In Frankfurt und München eröffnet der sportliche Firmenlenker gerade die ersten Shops, in Köln könnte der nächste bald folgen. „Es gibt eine gewisse Klientel, die will die Räder vor Ort sehen“, sagt er. Vor allem Kunden jenseits von 55 Jahren möchte der Firmenlenker damit ansprechen.

    Rebike: Expansion nach Frankreich und den Niederlanden

    Damit nicht genug: Rebike baut das Geschäft außerhalb der deutschsprachigen Länder auf. In Frankreich ist das Start-up bereits gestartet, als Nächstes sollen die Niederlande folgen.

    Zudem investiert Erger in TV-Werbung. Seit dem Frühjahr bewirbt er das E-Bike-Abo mit einem 20-Sekunden-Spot auf den Sendern von Pro Sieben Sat 1.

    Lieferengpässe bei neuen E-Bikes halten an

    So wie Rebike, so leidet die gesamte Radindustrie aber unter Lieferengpässen. Dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) zufolge wurden im ersten Halbjahr in Deutschland etwas weniger Fahrräder montiert als im Vorjahr. Seit drei Jahren schon werden in Deutschland mehr E-Bikes gebaut als Räder ohne Elektromotor. Es mangele insbesondere an Antriebskomponenten für E-Bikes, sagte jüngst ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork. So fehle es an Batterien, Chips oder auch an Bildschirmen.

    Der Mitgründer von Rebike war früher selbst Amateur-Radrennfahrer. Rebike Mobility

    Sven Erger

    Der Mitgründer von Rebike war früher selbst Amateur-Radrennfahrer.

    „Die Unternehmen kämpfen auch in diesem Jahr um jedes Fahrrad, das gebaut werden kann“, sagte unlängst auf der Messe „Eurobike“ der Geschäftsleiter von Bosch E-Bike Systems, Claus Fleischer. Bei Bosch seien Elektronikelemente für das Batteriemanagement, aber auch für die Antriebssteuerung knapp.

    „Wir können hier den Rückstand unserer Zulieferer nur an die Fahrradhersteller weitergeben. Das wird uns die kommenden Monate beschäftigen und zum Jahresende nicht erledigt sein“, warnte der Manager.

    Der Boom der E-Bikes zieht zahlreiche Wettbewerber von Rebike an. Auf Bike Exchange bieten Fachhändler fast neue, gebrauchte Elektroräder an. Auch bei Ebay wimmelt es an Angeboten. Speiche24.de ist ein Marktplatz für E-Bikes, der auch gebrauchte Räder anbietet. Swapfiets wiederum ist die wohl bekannteste Marke unter den Rad-Abo-Firmen.

    Rebike sieht sich selbst als Premiumanbieter. Zwar mit gebrauchten, aber durchaus hochwertigen Bikes. Die Elektroräder sind deutlich günstiger als neue Modelle, was sich in nächster Zeit als vorteilhaft erweisen könnte – denn die Leute halten angesichts der hohen Inflation und des Ukrainekriegs das Geld zusammen. Nach einem guten Jahresauftakt kämen inzwischen weniger Kunden in die Fahrradgeschäfte, berichtete der Handelsverband Zweirad zur Messe „Eurobike“.

    Premiumanbieter Rebike: Räder für 7000 Euro

    Die günstigsten Bikes im Onlineshop von Rebike kosten derzeit knapp 1600 Euro und sind Modelljahrgang 2019. Die teuersten Fahrräder schlagen mit etwa 7000 Euro zu Buche, es sind Pedelecs der Schweizer Marke Stromer. Sie sind für Pendler gedacht, mit ihnen lassen sich Geschwindigkeiten von bis 45 Kilometern in der Stunde erzielen.

    Erger selbst kann den außergewöhnlich sonnigen Sommer dieses Jahr nicht auf dem Bike genießen. Nach einem schweren Radunfall im Frühjahr steuert er seine Firma vom heimischen Sofa aus. „Die ersten Bikes habe ich noch selbst im Keller aufgearbeitet“, erinnert er sich. Inzwischen läuft das Geschäft auch ohne den Gründer rund.

    Erstpublikation: 09.08.2022, 11:12 Uhr.

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