Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

01.12.2020

15:26

Eisenbahnergewerkschaften

Neuer EVG-Chef teilt gegen GDL aus: „An Realitätsverlust nicht zu übertreffen“

Von: Dieter Fockenbrock

Klaus-Dieter Hommel tritt in einer entscheidenden Phase an die Spitze der Eisenbahnergewerkschaft EVG. In Kürze entscheidet sich, wer die Tarifpolitik bei der Deutschen Bahn bestimmt.

Führt jetzt die Bahngewerkschaft EVG offiziell: Der gelernte Fahrdienstleiter Klaus-Dieter Hommel. © EVG/Heike Rost

Kaus-Dieter Hommel

Führt jetzt die Bahngewerkschaft EVG offiziell: Der gelernte Fahrdienstleiter Klaus-Dieter Hommel.

Düsseldorf Das Wort „Kampfansage“ will Klaus-Dieter Hommel im Zusammenhang mit der Konkurrenzgewerkschaft GDL nicht in den Mund nehmen. Stattdessen spricht der frisch gekürte neue Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft EVG von einer „Organisation“, die an Arroganz und Realitätsverlust nicht zu übertreffen sei, die „noch nie Verantwortung übernommen hat“ und die ohnehin „zum Scheitern verurteilt“ sei.

Hommels Ansicht über die Lokführergewerkschaft und speziell dessen Vorsitzenden Claus Weselsky ist eindeutig, eine „temporäre Störung“.

Dabei muss sich Hommel nun schon seit mehr als zehn Jahren damit abfinden, dass die Berufsgewerkschaft GDL der Einheitsgewerkschaft EVG das Terrain streitig macht. Erst vor wenigen Tagen kündigte die GDL an, sich jetzt für alle zentralen Eisenbahnerberufe zuständig zu fühlen, nicht nur für die Lokführer. Da hat Weselsky aber die Rechnung ohne Hommel gemacht.

Im November 2010 schlossen sich die Gewerkschaften Transnet und GDBA zur neuen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zusammen. Der gelernte Fahrdienstleiter Hommel war GDBA-Vorsitzender und nach der Fusion stellvertretender EVG-Chef.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Schon vor einem Jahr hätte Hommel an die Spitze der größten Eisenbahnergewerkschaft rücken können, nachdem der langjährige Vorsitzende Alexander Kirchner abtrat. Doch erst einmal entschieden sich die Gewerkschafter für ihren ehemaligen Geschäftsführer. Ein Fehler, denn der hielt sich wegen Differenzen über die Ausrichtung der EVG nicht mal ein halbes Jahr auf seinem Posten.

    Seitdem führt Hommel kommissarisch die Gewerkschaft. Und prägte in dieser Zeit einen neuen Stil. Weiterhin konziliant, aber laut.

    Für die bevorstehende Auseinandersetzung gerüstet

    Hommels etwas rauer Ton kommt nach dem moderaten Kommunikationsstil vergangener Jahre nicht überall an. Aber für die bevorstehende Auseinandersetzung mit Weselsky dürfte Hommel der richtige Mann sein. Der GDL-Boss Weselsky ist auf Krawall gebürstet, wettert gegen das Bahnmanagement wie auch verschärft gegen die EVG, die er als „Einkommens-Verringerungsorganisation“ bezeichnet.

    Hommel kontert mit einem vernichtenden Urteil: „Wir werten das als ein letztes Aufbäumen.“ Schon im Frühjahr wird sich abzeichnen, ob er recht behält. Dann kommt das 2017 verabschiedete Tarifeinheitsgesetz bei der Deutschen Bahn zur Anwendung. Das bedeutet, dass in jeder Betriebsstätte der Tarifvertrag der jeweils mitgliederstärksten Gewerkschaft zur Geltung kommt. Und die EVG sei nun mal die stärkste Gewerkschaft in beinahe jedem Bahnbetrieb, behauptet Hommel.

    Im Februar laufen die Tarifverträge aus wie auch ein Moratorium, das bislang die Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes bei der Bahn aussetzte. Die EVG hatte bereits im September einen neuen und bescheidenen Vertrag ausgehandelt, ihr Beitrag zur Bewältigung der Coronafolgen bei der Bahn. Die GDL ist dagegen der Ansicht, Hommels Truppe habe sich einwickeln lassen.

    Der neue EVG-Chef, gerade gewählt mit 82 Prozent der Stimmen, führt dagegen die „Mächtigkeit“ seiner Organisation ins Feld. 190.000 Mitglieder und in diesem Jahr kämen 10.000 neue dazu, versichert Hommel. Mit besonderer Genugtuung berichtet er von 1500 Lokomotivführern, die 2020 in die EVG eingetreten seien.

    Was allerdings wohl nichts an der Tatsache ändert, dass die meisten Triebfahrzeugführer ein Gewerkschaftsbuch der GDL in der Tasche haben. Noch, meint Hommel, denn „wir werden in den meisten Betrieben die Mehrheit und damit auch die Tarifverträge stellen“. Die Lokführer, glaubt er, würden dann zur EVG wechseln.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×