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27.06.2022

15:15

Elektro-Mobilität

Ladesäulen bei Lidl und Kaufland könnten bald kostenpflichtig sein

Von: Florian Kolf, Ben Mendelson

Aldi beendet das kostenlose Laden von E-Autos. Weitere Unternehmen dürften folgen und von Kunden Geld verlangen. Ein großer Händler hält noch dagegen.

Lange Zeit konnten Supermarkt-Kunden ihre Elektroautos auf den Filialen-Parkplätzen kostenlos laden. dpa

Elektroauto an einer Ladesäule

Lange Zeit konnten Supermarkt-Kunden ihre Elektroautos auf den Filialen-Parkplätzen kostenlos laden.

Düsseldorf Kostenlose Ladesäulen auf den Parkplätzen von Supermärkten werden zum Auslaufmodell. Nachdem Aldi bereits Geld für das Laden verlangt, dürften weitere Händler nachziehen, die das bisher als kostenlosen Service für die Kunden angeboten haben. Branchenkreisen zufolge prüfen nun Kaufland und Lidl, das Aufladen von Elektroautos vor ihren Discountmärkten kostenpflichtig zu machen.

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, dementiert auf Nachfrage nicht, dass sie die Einführung von Ladegebühren prüft. Eine Sprecherin teilte nur mit, dass das Unternehmen „zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage zu künftigen strategischen Entscheidungen“ treffe. Zugleich betonte sie, dass „derzeit“ die Nutzung der E-Ladestationen auf den Filialparkplätzen kostenlos möglich sei.

Einen ersten Schritt für eine Kostenpflicht ist Lidl bereits gegangen. So können die Ladesäulen seit März nur noch über die App des Kundenkartensystems Lidl Plus genutzt werden. Integriert in diese App ist das eigene Zahlungssystem Lidl Pay, über das dann künftig auch der Ladevorgang abgerechnet werden könnte.

Lidl weist die Kunden darauf hin, dass das Laden nur für die Zeit des Einkaufs erlaubt ist. Um Missbrauch zu erschweren, wird mittlerweile der Ladevorgang nach 60 Minuten automatisch abgeschaltet.

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    Weitere Verschärfungen sind kurzfristig möglich. Die Sprecherin erklärte: „In diesem Rahmen prüfen wir intensiv, wie wir unser Angebot weiter verbessern können, um beispielsweise eine dauerhafte Blockade der Ladesäulen zu vermeiden.“

    „Kombiangebote“ statt kostenloses Laden

    Jan-Oliver Heidrich, Geschäftsführer von EHA, dem zentralen Energiedienstleister der Rewe Group, sagt: „Sicher ist, auf Dauer kann der Strom nicht verschenkt werden, das ist kein Geschäftsmodell. Das zeigt ja das Beispiel Aldi gerade.“

    Aldi Süd verlangt seit kurzem Geld für das Aufladen der E-Auto-Batterie. imago images/photothek

    Aldi Süd Filiale in Bonn

    Aldi Süd verlangt seit kurzem Geld für das Aufladen der E-Auto-Batterie.

    Aldi Süd verlangt seit Anfang Juni an gewöhnlichen 22-Kilowatt-Ladestationen 29 Cent pro Kilowattstunde. An den Schnelladestationen, die rund zehn Prozent der Säulen ausmachen, kostet es 39 Cent. Zuvor war das Laden für Kunden kostenlos.

    Statt kostenlosem Strom sieht Heidrich kreative Lösungen, um das Aufladen während des Einkaufs weiter attraktiv zu halten. „Kombiangebote mit Einkaufsvergünstigungen oder anderen Vergünstigungen mit dem Kerngeschäft kann ich mir eher vorstellen“, sagte er. Das seien aber auch teure Lösungen.

    Die Mehrheit der Händler nimmt ohnehin schon Geld für das Aufladen der E-Autos. Eine Reihe von Handelsunternehmen kooperiert mit dem Energiekonzern EnBW, der die Ladesäulen zur Verfügung stellt und die Preise festsetzt. Kostenloses Laden bietet EnBW nicht an. Im flexiblen Tarif kostet die Kilowattstunde 45 Cent, mit monatlicher Grundgebühr von 5,99 Euro zahlen Kunden 36 Cent. Schnellladen ist zehn Cent teurer.

    Kostenloses Laden noch bei Ikea

    EnBW kooperiert mit der Rewe Group, dem Autobahnraststättenbetreiber Tank & Rast, Hagebau, Bauhaus, Hellweg und dm. Mit insgesamt mehr als 700 Schnellladestandorten betreibt der Energiekonzern nach eigenen Angaben „das größte Schnellladenetz in Deutschland“. Ein Drittel der Stationen stehe bei Partnern aus dem Handel.

    Die Rewe Group erklärt, dass es bei einigen Rewe-, Penny- und Toom-Filialen neben kostenpflichtigen auch kostenlose Angebote zum Laden von E-Autos gebe. Allerdings könne Rewe „aufgrund unserer genossenschaftlichen Strukturen keine Detail-Aussagen treffen“. Rewe hat als Genossenschaft viele selbstständige Kaufleute, die Filialen betreiben. Diese entscheiden selbst darüber, ob sie ihren Kunden den Strom aus den Ladesäulen kostenlos anbieten.

    Die Fast-Food-Ketten Burger King und McDonald’s kooperieren an ihren Filialen ebenfalls mit Anbietern von Ladestationen. McDonald’s gibt an, knapp 200 Standorte ausgestattet zu haben. Auch die Fast-Food-Kette verlangt Geld für das Laden der E-Auto-Batterie.

    Einzig der schwedische Möbelkonzern Ikea bietet in Deutschland noch flächendeckend kostenloses Laden von E-Autos an, ohne bislang Schritte zu einer Bezahlpflicht gegangen zu sein. Es gebe etwa 220 Ladestationen an Ikea-Filialen, teilte der Konzern mit. Diese könnten Kunden und Kundinnen während der Öffnungszeiten nutzen. Ikea sei sich aber bewusst, „dass der Bedarf nicht durch unser derzeitiges Angebot gedeckt wird“.

    McDonald’s plant mehr als 1000 Ladestationen

    Die meisten Händler wollen ihr Ladesäulennetz weiter ausbauen. Lidl und Kaufland beispielsweise planen, bis März 2023 etwa ein Drittel ihrer Filialen mit Ladestationen auszustatten. McDonald’s will bis 2025 an mehr als 1000 Standorten Ladesäulen anbieten.

    Bei einigen Rewe-, Penny- und Toom-Filialen gibt es auch kostenlose Angebote zum Laden von E-Autos. imago images/Future Image

    REWE-Supermarkt in Köln

    Bei einigen Rewe-, Penny- und Toom-Filialen gibt es auch kostenlose Angebote zum Laden von E-Autos.

    Die Drogeriekette dm bietet derzeit deutschlandweit 25 Ladestationen, 200 weitere würden geplant oder geprüft, teilte der Händler mit. An jedem Standort würden täglich drei bis zehn E-Autos aufgeladen.

    Die Rewe Group kooperiert mit Shell und EnBW, um bis Ende 2024 ein Netz aus mehr als 6000 Ladepunkten anzubieten. Die Umsetzung der geplanten Projekte dauere aber „pro Standort momentan im Schnitt zwölf Monate“.

    Hürden beim Ausbau der Ladeinfrastruktur

    Das ist nicht nur bei Rewe so. Beim Ausbau der Ladesäulennetze stoßen viele Händler an ihre Grenzen. Heidrich, der Geschäftsführer des Rewe-Energiedienstleisters, berichtet, der gesamte Handel sei zurzeit mitten in der Umsetzung des sogenannten Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG). Das verpflichtet Händler künftig dazu, eine bestimmte Zahl von Ladesäulen auf ihren Parkplätzen zu bauen.

    Doch weil die Realisierung jedes Projekts so lange dauere, gehe der Ausbau nicht so voran wie erhofft, erklärt Heidrich. Die Kunden sähen deshalb bei Weitem noch nicht alles, was bereits vertraglich abgeschlossen und somit beauftragt ist.

    Eine Verschärfung des GEIG, um „ambitionierter“ zu werden, wie es oft vonseiten der Politik heißt, sei daher zwecklos, weil schlicht nicht umsetzbar. „Es fehlt an Planungskapazität aufseiten der Netzbetreiber, an Material, Trafos, Tiefbau, Installationsfirmen“, klagt Heidrich.

    Unklar bleibt daher, ob die Handelsunternehmen ihre ambitionierten Ausbauziele einhalten können. Wahrscheinlich ist aber, dass kostenloses Laden zunehmend zu einem Randphänomen wird und die Betreiber der Ladestationen die Kosten an die Kunden weitergeben.

    Erstpublikation: 20.06.22, 17:48 Uhr.

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