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10.08.2022

16:36

Elektro-Trucks

Schneller Aufstieg für Michael Lohscheller: Ex-Opel-Chef leitet künftig Nikola

Von: Felix Holtermann

Der deutsche Automanager ist erst seit Februar beim Elektro-Lkw-Hersteller – und hat bereits Erfolge vorzuweisen. Zum Jahreswechsel übernimmt er die Konzernspitze.

Der Manager rückt an die Konzernspitze Nikolas auf. dpa

Ex-Opel-Chef Lohscheller

Der Manager rückt an die Konzernspitze Nikolas auf.

New York Der frühere Opel-Chef Michael Lohscheller steigt bereits nach wenigen Monaten an die Spitze des US-Lastwagenherstellers Nikola auf. Der bisherige Chef der Motorensparte soll zum Jahreswechsel die Konzernleitung von seinem Vorgänger Mark Russell übernehmen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Der 53-Jährige hatte erst im Februar bei Nikola angeheuert, das als Tesla-Konkurrent im großen Stil Lastwagen mit Elektroantrieb auf den Markt bringen will. Lohschellers wichtigste Aufgabe bleibt der Hochlauf der Serienproduktion.

„Ich fühle mich geehrt“, erklärte der Manager zu seiner Beförderung. Er freue sich darauf, Nikolas Position „im Bereich emissionsfreier Transport- und Infrastrukturlösungen“ auszubauen. „Wir haben ein robustes Geschäftsmodell, ein talentiertes globales Team, führende Elektrofahrzeugtechnologie und Energielösungen“, sagte er.

Laut Nikola-Verwaltungsratschef Steve Girsky ist die Wahl „der Abschluss eines durchdachten Nachfolgeplanungsprozesses“. Lohscheller habe seit seinem Eintritt in das Unternehmen die Kommunikationswege verbessert und die Entscheidungsfindung beschleunigt.

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Standort erkennen

    „Wir konzentrieren uns sehr auf die Ausführung unserer Planung“, hatte der Manager im Mai im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt. „In der Vergangenheit gab es Ankündigungen, aber keine Umsetzung. Das ändern wir jetzt.“

    Lohscheller verfügt über globale Erfahrungen im Autogeschäft und war unter anderem VW-Finanzchef in den USA. Seit 2017 hatte er als Vorstandschef den Autobauer Opel im neuen Mutterkonzern PSA saniert, der wiederum zu Jahresbeginn 2021 mit Fiat Chrysler zu Stellantis fusionierte. Ein Engagement als Chef des ersten Autoherstellers Vietnams, Vinfast, blieb im Jahr 2021 mit nur vier Monaten Dauer eine Episode.

    Russell, der das Unternehmen nach dem Börsenskandal um den Gründer Trevor Milton 2020 vor der drohenden Pleite gerettet und in ruhigeres Fahrwasser geführt hatte, soll dem Verwaltungsrat als Mitglied erhalten bleiben.

    Wichtige Wegmarken erreicht

    Nikola mit Hauptsitz in Phoenix, Arizona, hatte zuletzt eine wichtige Wegmarke erreicht: Wie der 2015 gegründete Hersteller im Frühjahr mitteilte, hat er die ersten Serienmodelle seines vollelektrischen „Tre BEV“-Trucks ausgeliefert. Am 21. März wurde demnach die Serienproduktion aufgenommen, im April wurden erste Fahrzeuge an die Händler ausgeliefert.

    Laut eigener Mitteilung hat Nikola im zweiten Quartal des Jahres 48 elektrische Lastwagen ausgeliefert, wobei es Lieferschwierigkeiten beim Batteriezulieferer Romeo Power gegeben hat, der vor wenigen Tagen von Nikola übernommen wurde. Bislang hat Nikola ausschließlich Verluste eingefahren, verfügt aber nach eigener Einschätzung über ausreichende Cash-Reserven von 529 Millionen Dollar. Die Anteilseigner haben zudem einer Kapitalerhöhung zugestimmt.

    Vergangene Woche meldete das Unternehmen den geplanten Bau von drei Wasserstofftankstellen in Kalifornien, einem Startmarkt für Nikolas geplanten Wasserstoff-Lkw „Tre FCEV“. Weitere Standorte sollen folgen.

    Das 2015 gegründete und inzwischen börsennotierte Unternehmen setzt vollständig auf elektrische Nutzfahrzeuge, die mit Batterien oder zusätzlich mit Brennstoffzellen angetrieben werden. Neben einer Fabrik in Arizona wird gemeinsam mit Iveco eine Lastwagen-Fertigung in Ulm aufgebaut.

    Nikola galt als Hoffnungsträger für alternative Antriebstechnologien im Lastwagenbereich, kämpft jedoch mit den Folgen eines Börsenskandals. Gründer Trevor Milton muss sich vor Gericht verantworten. Er habe „in fast allen Bereichen des Geschäfts“ gelogen, so die Anklage, und Kleinanleger in die Irre geführt. 2020 hatte der Shortseller Hindenburg Research in einem Report dargelegt, warum Nikolas Technologie nicht mit den ambitionierten Visionen des Unternehmens mithalten konnte.
    Mit Material von dpa

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