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27.06.2022

17:19

Elektromobilität

Elon Musk: Neue Tesla-Werke in Grünheide und Texas „verbrennen Milliarden Dollar“

Von: Thomas Jahn

Der Tesla-Chef klagt über hohe Anlaufverluste an den beiden neuen Standorten – und nimmt dabei auch das Wort „Bankrott“ in den Mund.

„Es ist wirklich wie ein gigantisches Dröhnen, dieses Geräusch von brennendem Geld.“ Reuters

Tesla-Chef Elon Musk

„Es ist wirklich wie ein gigantisches Dröhnen, dieses Geräusch von brennendem Geld.“

Düsseldorf Die neuen Werke des Elektroautobauers Tesla in Grünheide und Austin verlieren laut Elon Musk „Milliarden von Dollar“. Die Fabriken in der Nähe von Berlin und im US-Bundesstaat Texas sind vor rund drei Monaten in Betrieb gegangen.

Als „gigantische Geldverbrennungsöfen“ bezeichnete Musk die Standorte in einem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch mit Tesla-Kunden im Silicon Valley. „Es ist wirklich wie ein gigantisches Dröhnen, dieses Geräusch von brennendem Geld“, sagte der Tesla-Chef.

Auch Tesla leidet unter Lieferproblemen

Grund für die hohen Verluste: Es werde nur eine „kümmerliche Anzahl“ von Fahrzeugen produziert. Beide Fabriken litten unter den Lieferschwierigkeiten in China. Auch gibt es Probleme mit dem neuen Batteriezellformat 4680.

Die große Batteriezelle stellte der Milliardär vor zwei Jahren als revolutionären Schritt vor, mit dem die Energiedichte und Reichweite verbessert und die Kosten von Lithium-Ionen-Batterien gesenkt werden sollen.

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    Tesla fehlen Maschinen und Werkzeuge

    Anscheinend hat Tesla zu optimistisch geplant. Die 4680-Zellen erweisen sich nun als „Herausforderungen“, wie Musk es nannte. Das Werk in Austin war auf die Produktion des Model Y mit der neuen Batteriezelle ausgelegt. Jetzt muss Tesla auf das alte Format 2170 umstellen – doch fehlen dafür Maschinen und Werkzeuge. „Sie stecken in einem Hafen in China fest“, sagte Musk.

    Unsere größte Sorge ist es, die Fabriken ans Laufen zu bekommen, die Mitarbeiter zu bezahlen und nicht bankrottzugehen. Tesla-Chef Elon Musk

    Das Werk in Grünheide sei in einer „leicht besseren Situation“. Dort war die Produktion laut dem Tesla-Chef auf das Zellformat 2170 ausgelegt. „Aber beide Werke sind derzeit riesige Geldverbrennungsöfen“, sagte Musk. „Unsere größte Sorge ist es, die Fabriken ans Laufen zu bekommen, die Mitarbeiter zu bezahlen und nicht bankrottzugehen.“

    Tesla-Chef Elon Musk: „Wir sind noch nicht aus dem Schlimmsten heraus“

    Die Dramatik der Aussagen passt zu den jüngsten Stellenstreichungen von Tesla. In den kommenden drei Monaten sollen bis zu 3,5 Prozent der Belegschaft ihren Job verlieren. Zu Jahresbeginn hatte Tesla rund 100.000 Beschäftigte.

    Elon Musk begründete den Schritt mit einem „superschlechten Gefühl“ für die wirtschaftliche Lage. Das Problem sei aber nicht die Nachfrage, wie er vor wenigen Tagen sagte, sondern die Produktion.

    „Die vergangenen zwei Jahre waren ein absoluter Albtraum mit den Lieferschwierigkeiten“, klagte der Tesla-Chef. „Und wir sind noch nicht aus dem Schlimmsten raus.“

    Allerdings ist ein Leerlauf beim Hochfahren von Fabriken völlig normal. Experten gehen davon aus, dass es viele Monate dauern wird, bis Tesla in Grünheide voll produzieren kann.

    „Beim Hochfahren einer Fabrik gilt Murphys Gesetz: Irgendwann geht alles schief, was nur schiefgehen kann“, sagte Clemens Schmitz-Justen von der Branchenberatung CSJ Schmitz-Justen dem Handelsblatt bei der Fabrikeröffnung in Grünheide. „Darüber redet keiner gern, aber ich habe es zu oft erlebt. Man kommt jeden Morgen ins Büro, und immer wieder gibt es eine neue Katastrophe.“

    Analysten schrauben Erwartungen an Tesla-Produktion zurück

    Elon Musk zeigte sich aber nicht nur pessimistisch. Die Probleme würden „wirklich sehr schnell gelöst werden“, sagte der 50-Jährige. Die Prognose muss in den zeitlichen Kontext gestellt werden: Das Interview wurde am 31. Mai geführt, aber erst jetzt wurde es mit den Aussagen zu den Fabriken veröffentlicht. „Es braucht viel Aufmerksamkeit und noch mehr Anstrengung, um die Produktion ins Laufen zu bekommen“, sagte Musk.

    Elon Musk nannte die beiden vergangenen Jahre mit Blick auf die Lieferkettenprobleme der Autoindustrie einen „absoluten Albtraum“. via REUTERS

    Tesla-Fabrik Grünheide

    Elon Musk nannte die beiden vergangenen Jahre mit Blick auf die Lieferkettenprobleme der Autoindustrie einen „absoluten Albtraum“.

    Ein weiteres Problemfeld für Tesla ist das Werk in Schanghai, das rund zwei Monate nicht im vollen Umfang produzieren konnte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll das Werk zudem in den ersten beiden Juliwochen aufgrund von Modernisierungsarbeiten heruntergefahren werden.

    Adam Jonas, Analyst von Morgan Stanley, schraubte jetzt die erwartete Anzahl der ausgelieferten Fahrzeuge im laufenden Quartal von 316.000 auf 270.000 zurück. „Die Covid-Shutdowns in China waren gelinde gesagt sehr, sehr schwierig“, sagte Tesla-Chef Musk.

    Erstpublikation: 22.06.22, 23:35 Uhr (zuletzt aktualisiert: 23.06.22, 10:51 Uhr).

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