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16.08.2022

04:00

Elektromobilität

Rivian-Chef Robert Scaringe: Elon Musks Gegenpol kämpft mit Produktionsproblemen

Von: Astrid Dörner, Felix Holtermann

Der ruhige Manager gilt als Gegenentwurf zur Art des Tesla-Chefs. Beide verbindet die Rivalität – die Attacke ist bisher aber nur für Rivian verlustreich.

Tesla-CEO Elon Musk wirft dem Rivian-Chef vor, Mitarbeiter abgeworben zu haben. Bloomberg

Robert Scaringe

Tesla-CEO Elon Musk wirft dem Rivian-Chef vor, Mitarbeiter abgeworben zu haben.

New York In der US-Elektroautobranche sind sie schnell zu finden: die Ex-Tesla-Manager an der Firmenspitze. Peter Rawlinson war Chefingenieur bei Tesla, heute leitet er den E-Auto-Bauer Lucid. Henrik Fisker hat das ursprüngliche Tesla Model S designt, jetzt führt der Däne das nach ihm benannte Auto-Start-up. Nur Rivian, der heiß gehandelte E-Pick-up-Hersteller, der 2021 an die Börse gegangen ist, wird von einem Nicht-Tesla-Mann geführt: Robert „RJ“ Scaringe. Was einer der Gründe dafür sein könnte, dass sich der Firmenchef gern mit Tesla anlegt.

Nun muss er jedoch erst einmal die eigene Produktion hochfahren. Rivian kämpft weiterhin mit Lieferkettenschwierigkeiten, hohen Kosten und einer schwankenden Nachfrage, wie der Hersteller aus Irvine, Kalifornien, Ende der Woche mitteilte. Der Umsatz im abgelaufenen Quartal stieg auf 364 Millionen Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt mit 335 Millionen Dollar gerechnet. Dafür lag auch der Verlust höher als erwartet.

So stieg der Nettoverlust im zweiten Quartal auf 1,7 Milliarden Dollar, was einer knappen Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Der Druck auf Rivian wächst, schnell weitere Autos auszuliefern und die Kosten zu senken. Das Quartal beendet das Unternehmen mit rund 15,5 Milliarden Dollar an Barmitteln und Barmitteläquivalenten.

Die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr muss Scaringe senken: Rivian rechnet nun mit einem Verlust von 5,4 statt bisher 4,7 Milliarden Dollar, unter anderem wegen höherer Kosten für die benötigten Rohstoffe. „Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf dem Hochfahren der Produktion“, ließ Scaringe erklären. „Wir glauben jedoch, dass Einschränkungen in der Lieferkette weiterhin der begrenzende Faktor sein werden.“

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    Das Unternehmen erwartet nach wie vor, in diesem Jahr 25.000 Elektrofahrzeuge zu produzieren. Ende June habe man 98.000 Vorbestellungen verzeichnet.

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    Rivian war 2021 an die Börse gegangen. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 62 Prozent abgestürzt. Rivian musste, wie auch Konkurrent Lucid, seine Produktionsziele für 2022 deutlich senken, was an der Börse mit Grummeln registriert wurde. Beide Firmen setzen auf den aufwendigen Aufbau einer eigenen Produktion, mit allen bekannten Herausforderungen. Im Unterschied dazu lässt Wettbewerber Fisker im Auftrag produzieren. Rivian hat ein Werk in Normal, Illinois. Kürzlich verkündete das Unternehmen, sechs Prozent der Belegschaft entlassen zu müssen.

    Rivian setzt auf wohlhabende, sportaffine Kundschaft

    Der Rivian-Gründer gilt als ein Gegenpol zu Elon Musk. Scaringe wirkt bedacht, spricht mit ruhiger Stimme, lässt sich nicht aus der Reserve locken. Anders als der Tesla-Chef engagiert er sich vergleichsweise zurückhaltend auf Twitter, hält sich bei politischen Themen zurück. Der Manager, der an der Elite-Universität MIT promoviert hat, hat sich für eine zweigleisige Strategie entschieden. Rivian wird elektrische Vans für Amazon produzieren, die die beiden Unternehmen gemeinsam entwickeln. Amazon hat 100.000 Fahrzeuge bestellt, die bis 2030 ausgeliefert werden sollen. Weitere könnten folgen.

    Gleichzeitig stellt das Start-up den Pick-up-Truck R1T und das SUV R1S für den Massenmarkt her. Rivian setzt auf sportaffine, wohlhabende Kunden. Der gefällig gestaltete R1T wird seit September 2021 ausgeliefert und ist ab 68.000 Dollar zu erhalten, mit Aufpreis inklusive ausfahrbarem Barbecue-Grill.

    Scaringe hat früh das Wachstumspotenzial des E-Auto-Markts erkannt. „Es gibt rund eine Milliarde Fahrzeuge auf der Welt, die alle in den nächsten zehn bis 15 Jahren elektrifiziert werden müssen“, sagte er bei Bloomberg-TV. Rivian wolle seinen Teil dazu beitragen und müsse daher möglichst schnell auf Massenproduktion umschalten.

    Mit Tesla lag Scaringe wiederholt im Clinch. Musk wirft dem Konkurrenten vor, Mitarbeiter abgeworben zu haben, die auch Geschäftsgeheimnisse mitnehmen. Scaringe bestreitet das.

    Nun setzt der Gründer auf externe Kompetenz. Rivian gab bekannt, dass der frühere Mercedes-Benz-Manager Harald Kröger in den Verwaltungsrat einzieht. Laut Brancheninsidern lotet Rivian derzeit den Bau eines Werks in Europa aus – dabei ist auch Deutschland im Fokus, trotz der hohen Energiepreise.

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