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23.04.2019

14:15

Analyse

Donald Trump droht den Ölmarkt aus dem Gleichgewicht zu bringen

Von: Hans-Peter Siebenhaar

Die Ölkonzerne profitieren kurzfristig von den verschärften US-Sanktionen gegen Iran. Doch das könnte sich schon bald ändern.

Handelsblatt Live

US-Sanktionen: „Viele deutsche Unternehmen haben die Geschäfte im Iran bereits eingestellt“

Handelsblatt Live: US-Sanktionen: „Viele deutsche Unternehmen haben die Geschäfte im Iran bereits eingestellt“

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Wien Es ist ein unerwartetes Ostergeschenk für die Ölkonzerne gewesen: die Ankündigung der USA, ab Mai keine Ausnahmeregelungen für iranische Ölimporte zu gewähren. Die Preise stiegen daraufhin deutlich: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Dienstagvormittag 74,48 US-Dollar – 44 Cent mehr als am Montag. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem die Ölunternehmen.

Die Sanktionspolitik von Donald Trump beschert Big Oil, also den sieben größten börsennotierten Öl- und Gasunternehmern, nicht nur eine Sonderkonjunktur. Sie treibt auch kurzfristig deren Aktienkurse nach oben. Denn ein überraschend hoher Ölpreis verbessert die Gewinnentwicklung.

Die Papiere des US-amerikanische Ölkonzern Exxon legte bereits am Ostermontag um mehr als zweieinhalb Prozent zu. Bei den Aktien des Konkurrenten Chevron waren es mehr als 1,6 Prozent.

Doch dieses unerwartete Ostergeschenk für die Ölriesen dürfte nicht allzu lange währen. Denn in der Vergangenheit zeigte sich der Iran erfinderisch, Sanktionen zu umgehen. Und die Marktakteure diskutieren bereits darüber, wie es denn überhaupt praktisch möglich sein soll, dass der Iran seine Ölexporte in Länder wie Indien, die Türkei oder China tatsächlich auf null senkt.

Solche US-Maßnahmen wie die Verschärfung des Öl-Embargos drohen den Ölmarkt aus dem Gleichgewicht zu heben. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) muss schnell eine Lösung für dieses Problem finden.

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Eine Ausnahmeregelung der USA erlaubt Ländern wie Indien oder der Türkei den Import von Öl aus dem Iran. Damit soll ab Mai Schluss sein.

Das Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien, im Mittleren Osten Erzrivale des Irans, war in der Vergangenheit stets in der Lage, den politischen Antagonismus zwischen den beiden Ländern zu überwinden, wenn es um die Balance im Ölmarkt ging.

Die Saudis können versuchen mit ihren Opec-Partnern am Golf mögliche Versorgungsengpässe durch die verschärften Sanktionen gegen den Iran auszugleichen. Schließlich wird das Loch auf dem Markt auf 600.000 bis 700.000 Barrel beziffert, das durch ein Ende der iranischen Ölexporte verursacht werden könnte.

Das Ölkartell besitzt nämlich kein Interesse die Preise noch weiter nach oben oder gar in Richtung 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) zu treiben. Denn allen Beteiligten ist klar, dass zu hohe Energiepreise die ohnehin labile Weltkonjunktur beschädigen würden. Daran hat sowohl die Opec als auch der strategische Partner Russland kein Interesse.

Auch Trump selbst muss aufpassen, dass seine außenpolitischen Ziele nicht die heimische Wirtschaft beschädigen. Erst im Februar hatte er das Ölkartell wegen zu hoher Ölpreise kritisiert. „Die Welt kann eine Preiserhöhung nicht verkraften“, schrieb der US-Präsident auf Twitter.

Im Juni trifft sich die Opec und eine Reihe von nicht Opec-Ländern unter der Führung von Russland in Wien. Auf der Tagesordnung des Bündnis Opec+ steht die Verlängerung der im Dezember beschlossenen Förderkürzung. Sollte der Markt tatsächlich in Schieflage geraten, wird die Opec+ die praktizierte Kürzung der Ölproduktion teilweise oder notfalls auch ganz zurücknehmen.

In der Vergangenheit hat das Ölkartell gezeigt, dass es schnell und flexibel auf Marktentwicklungen reagieren kann. Größere Förderquoten der Opec und Russland würden dann schnell zu rückläufigen Ölpreisen führen, um das verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen.

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