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05.04.2022

16:35

Andreas Schell

Neuer EnBW-Chef kommt von Rolls-Royce Power Systems

Von: Kathrin Witsch

Der Energieversorger hat offenbar einen Nachfolger für Konzernchef Frank Mastiaux gefunden. Nun muss der Aufsichtsrat die Personalie noch absegnen.

Der Vorstandsvorsitzende der Rolls-Royce Power Systems soll künftig EnBW führen. dpa

Andreas Schell

Der Vorstandsvorsitzende der Rolls-Royce Power Systems soll künftig EnBW führen.

Düsseldorf Der baden-württembergische Energieversorger EnBW bekommt einen neuen Chef: Andreas Schell, noch Leiter des Großmotorenherstellers Rolls-Royce Power Systems, soll im Herbst die Nachfolge von Frank Mastiaux antreten. Das erfuhr das Handelsblatt am Dienstag aus Konzernkreisen. EnBW wollte die Personalie auf Anfrage nicht kommentieren. Zuerst hatte die Deutsche Presse-Agentur darüber berichtet. 

Dass Mastiaux Deutschlands drittgrößten Versorger verlassen wird, war zwar schon länger klar. Wer ihm folgt, wurde allerdings bislang unter Verschluss gehalten. Nun soll die neue Personalie bereits am Donnerstag vom Aufsichtsrat bestätigt werden, heißt es aus Unternehmenskreisen. 

EnBW ist seit 2011 größtenteils im Besitz der öffentlichen Hand. Das Land Baden-Württemberg hält fast 47 Prozent an dem Konzern, dem Zusammenschluss OEW von neun oberschwäbischen Landkreisen gehören ebenfalls fast 47 Prozent.

Wer die Geschäfte des Energiekonzerns lenkt, ist eine wichtige Entscheidung: EnBW ist als einstiger Atomkonzern mitten im Umbau und erhöht den Anteil erneuerbarer Energien im Portfolio seit Jahren. Bis 2050 soll das Unternehmen klimaneutral sein. In Sachen Elektromobilität gehören die Karlsruher schon jetzt zu den größten Anbietern Deutschlands. Sie betreiben nach eigenen Angaben das größte Schnellladenetz hierzulande.

Erneuerbare Energien haben inzwischen einen Anteil von 40 Prozent bei EnBW. Seit 2012 hat sich die installierte Leistung der Windkraft von 218 auf 2000 Megawatt mehr als verneunfacht.

Der zukünftige CEO dagegen kommt aus einer ganz anderen Branche: Der 52-jährige Maschinenbauingenieur hat in den 2000er-Jahren für den damaligen Daimler-Chrysler-Konzern gearbeitet und sollte den Autobauer umstrukturieren. Nach der Insolvenz von Chrysler 2009 wechselte Schell zu dem früheren amerikanischen Luftfahrtkonzern UTC und war dort für die Digitalstrategie verantwortlich. 

Rolls-Royce Power Systems vertreibt unter der Marke MTU Motoren und Antriebssysteme für Schiffe, Energieerzeugung, schwere Land- und Schienenfahrzeuge, militärische Fahrzeuge sowie für die Öl- und Gasindustrie. Schell beschäftigt sich seit einer Strukturreform im April 2021 allerdings ausschließlich mit klimafreundlichen Produkten wie Antrieben mit Wasserstoff. Hier könnte eine Schnittstelle zu der Zukunftsstrategie von EnBW liegen. 

Keine leichte Aufgabe für Schell

Der amtierende Konzernchef Mastiaux hat angekündigt, die Kohlestandorte erst auf Gas und dann auf Wasserstoff umzustellen. Er hält das Geschäft mit dem klimaneutralen Gas für „ein fundamental wichtiges Geschäftsfeld“. Die Planung könnte sich mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Gas-Problematik durch Lieferland Russland nun jedoch deutlich in Richtung Wasserstoff beschleunigen. 

Noch bezieht EnBW große Teile seiner Energielieferungen aus Russland. 495 Terawattstunden (TWh) Gas und 4,2 Millionen Tonnen Steinkohle hat EnBW im vergangenen Jahr eingekauft. Beim Erdgas stammen rund 20 Prozent aus Russland, bei der Steinkohle über 85 Prozent. Die Suche nach neuen Energielieferanten dürfte ab September auch den künftigen Chef Schell umtreiben – kurz vor dem nächsten Winter.

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