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10.12.2021

06:00

Batterierohstoff

Vulcan Energy will mit Millionen-Investment Entwicklung der eigenen Lithium-Fördertechnik beschleunigen

Von: Jakob Blume, Kathrin Witsch

Das deutsch-australische Unternehmen will CO2-frei Lithium in Deutschland fördern und kauft nun ein Geothermiewerk in der Pfalz. Von dem Erfolg des Deals hängt viel ab.

Vulcan Energy: Streit um eins der größten Lithium-Vorkommen Juergen Feuerer / Chromorange /

Blick auf die Oberrheinische Tiefebene

Im sogenannten Oberrheingraben liegt Europas größte Lithium-Quelle.

Zürich, Düsseldorf Das Lithium-Start-up Vulcan Energy übernimmt ein Geothermiewerk in der Pfalz, um eine neue Test-Anlage für die Lithiumproduktion aufzubauen. Wie das Unternehmen am Freitag bekanntgab zahlt es 31,5 Millionen Euro für das Geothermiewerk Insheim zwischen Landau in der Pfalz und Karlsruhe. In einem zweiten Schritt will Vulcan dort eine Pilot-Anlage bauen, mit der die Firma das wertvolle Metall aus heißer, mineralhaltiger Flüssigkeit aus dem Untergrund filtern will.

Das Projekt ist für das börsennotierte Start-up extrem wichtig: Vulcan-Gründer Horst Kreuter sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt, Ziel der Transaktion sei es, das Lithiumextraktionsverfahren zu verfeinern. „So gewinnen wir Zeit, um die Technik zu entwickeln.“

Vulcan Energy will den wichtigsten Rohstoff der Lithiumbatterie für Elektroautos in Deutschland fördern, ohne dass dabei Treibhausgase ausgestoßen werden. Das Unternehmen will dafür die Geothermie-Vorkommen im Oberrheingraben zwischen Basel und Frankfurt nutzen.

Die Geothermiewerke pumpen heiße Sole aus tausenden Metern Tiefe an die Oberfläche. Dort gibt die Flüssigkeit Wärme ab, mit der Strom produziert wird. Schließlich wird das Wasser zurück in den Untergrund geleitet.

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    Vulcan hat jedoch eine vergleichsweise hohe Lithium-Konzentration in den geothermischen Solen in der Region gemessen. Daher will das Unternehmen das Lithium aus der Flüssigkeit herausfiltern, bevor diese zurück in den Boden geleitet wird. Die für den Filterprozess nötige Energie lässt sich aus der Geothermie erzeugen – so entstehen, anders als beim Lithiumerz-Abbau, keine Treibhausgase.

    Ambitionierte Ziele

    Damit sich das rechnet, muss die Filtertechnologie einen möglichst hohen Anteil des in der Sole gelösten Lithiums herausfiltern. „Ziel ist es, dass wir über 90 Prozent des in der Sole enthaltenen Lithiums extrahieren können“, betont Kreuter.

    Grafik

    Außerdem muss die Anlage in der Lage sein, eine große Menge mineralhaltiges Wasser an die Oberfläche zu pumpen. Das Werk in Insheim, das nun als Pilot-Anlage dienen soll, schafft aktuell rund 70 Liter pro Sekunde. Für die kommerziellen Geothermiewerke, die Vulcan in der Region aufbauen will, peilt Kreuter eine Fördermenge von 100 Liter pro Sekunde an. In der Branche gilt das als ambitioniert – der Firmenchef hält das Ziel jedoch für realistisch.

    Bisher hat sein Unternehmen nur geringe Mengen Lithiumchlorid aus der Sole isoliert und im Labor zu hochreinem Lithiumhydroxid weiterverarbeitet, wie es auch in Batterien von Elektroautos eingesetzt wird. Den Beweis, dass sich der Prozess auch im industriellen Maßstab lohnt, muss das Start-up noch erbringen. Doch bereits jetzt wird Vulcan an der Börse mit 870 Millionen Euro bewertet.

    Anfang November hatte der Report eines aktivistischen Shortsellers Zweifel an den von Vulcan publizierten Prognosen zur Effektivität der unternehmenseigenen Technologie geschürt. Vulcan war jedoch erfolgreich gegen den Bericht in Australien vorgegangen. Inzwischen musste der Investor, der auf einen fallenden Aktienkurs von Vulcan gewettet hatte, den Report aus dem Netz nehmen.

    Seither hat sich der Aktienkurs von einem kräftigen Einbruch wieder deutlich erholt, auch weil Vulcan Abnahmeverträge mit Autobauern wie VW, Renault und Stellantis geschlossen hat. Vulcan Energy will bis Ende 2025 jährlich 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid herstellen können, genug für rund eine Millionen Elektroautos pro Jahr. Der Bedarf sei groß, betont Kreuter: „Fast die gesamte Menge haben wir bereits über verbindliche Abnahmeverträge verkauft.“

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