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20.08.2019

16:51

Baywa-Vorstand Matthias Taft

„Das Crowdfunding-Projekt trifft einen Nerv“

Von: Jürgen Flauger, Kathrin Witsch

Der Baywa-Vorstand erklärt, warum Crowdfunding die Energiewende voranbringen kann – und wie sein Unternehmen trotzdem daran verdient.

Der Manager verantwortet im Baywa-Vorstand den Bereich Klassische Energie und leitet zudem die Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa Renewable Energy (r.e.). BayWa

Matthias Taft

Der Manager verantwortet im Baywa-Vorstand den Bereich Klassische Energie und leitet zudem die Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa Renewable Energy (r.e.).

Düsseldorf In Sachsen-Anhalt entsteht der erste Solarpark, der ohne Subventionen auskommt und komplett crowdfinanziert ist. Gebaut wird die Anlage von der Energietochter des Mischkonzerns Baywa.

Herr Taft, hat es Sie überrascht, als Enyway bei Baywa r.e. eine Solaranlage in Auftrag gab, die von 4000 Privatpersonen finanziert wird?
Ja. Die Idee ist aber schon sehr smart. Privathaushalte können eigenen Solarstrom beziehen, selbst wenn sie kein eigenes Dach haben, auf dem sie eine Anlage installieren können. Ich glaube, dass das Projekt einen Nerv trifft. Viele Bürger wollen sich selbst bei der Energiewende engagieren, können es aber derzeit nicht.

Kann Crowdfunding der Energiewende einen neuen Schub geben?
Ein Großprojekt lässt sich über so etwas allein natürlich nicht finanzieren. Es gibt aber schon länger Wind- oder Solarparks, bei denen Bürger bewusst an der Finanzierung beteiligt werden. Wir machen das aktuell selbst bei unserem in Entwicklung befindlichen Windpark Hemer in Nordrhein-Westfalen, wo wir den Anwohnern attraktive Zinsanleihen anbieten.

Warum?
Wer eine Solaranlage oder auch einen Windpark mitfinanziert, wird selbst Teil der Energiewende. Das steigert die Akzeptanz, vor allem bei Bürgern, die direkt neben einem Solarpark oder einer Windanlage wohnen und vielleicht skeptisch sind. Jetzt gehen wir mit Enyway noch einen Schritt weiter.

Inwiefern?
Für die Beteiligten ist das ja nicht nur ein finanzielles Investment. Sie beziehen auch noch selbst Solarstrom aus ihrem eigenen Teil einer Solaranlage. Die Idee des Eigenstromverbrauchs kann viele Leute bewegen. Genau solche Elemente brauchen wir, um die Energiewende zu schaffen. Denn es ist noch ein verdammt weiter Weg.

Und für Baywa r.e. ist das trotzdem ein Geschäft?
Natürlich. Für uns ist das kein Benefizprojekt. Wir bauen und betreiben die Anlage und bekommen dafür eine angemessene Marge.

Sind Sie an weiteren gemeinsamen Projekten interessiert?
Wir können uns definitiv vorstellen, mit Enyway weitere Projekte in Angriff zu nehmen – egal ob Solar- oder Windanlage.

Herr Taft, vielen Dank für das Interview.

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (1)

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Herr Martin Winkler

21.08.2019, 12:26 Uhr

Warum wird Crowdfunding nicht gezielt als Möglichkeit zur CO2-Kompensation angeboten?

Was übersehen wird: Für ein Investment von 25 bis 40 € pro Tonne verdrängtes CO2 aus konventionellen Kraftwerken könnte man sich über Crowdfunding an einem solchen Projekt beteiligen. Das wäre für die Kompensation von Flugreisen viel sinnvoller als über dubiose Plattformen Solarkocher in der dritten Welt zu finanzieren. Wenn ein Mitglied der 1. Welt Flugscham hat, sollte dies über Projekte im Eigenen Land ausgeglichen werden. Nicht über Einsparungen bei den ärmsten der Armen die sowieso kaum Energie verbrauchen. Natürlich müssen Erbauer und Betreiber eine Rendite erzielen. Auch sie müssen ja von irgendetwas leben. Aber der Investor in Person von Crowdfunding investiert nicht, sondern kompensiert seine CO2 Emissionen. Ich hoffe ENBW vermarktet ein solches Projekt demnächst z.B. unter dem Motto: "Sie haben Flugscham? Wir haben die Lösung!

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