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02.08.2022

08:30

Blue Elephant

Franzosen übernehmen die Mehrheit bei deutschem Solar- und Windparkbetreiber

Von: Catiana Krapp

Blue Elephant holt sich einen starken Partner für seine Ökostrom-Projekte. Die Wahl fällt nicht auf einen deutschen Energiekonzern, sondern einen Großinvestor aus Frankreich.

Blue Elephant betreibt Solar- und Onshore-Windparks in acht Ländern mit Schwerpunkt in West- und Zentraleuropa. imago images/Olaf Döring

Solarpark bei Lichtenau

Blue Elephant betreibt Solar- und Onshore-Windparks in acht Ländern mit Schwerpunkt in West- und Zentraleuropa.

Düsseldorf Das Hamburger Unternehmen Blue Elephant erhält wichtige Unterstützung: Der französische Infrastruktur-Fonds Antin übernimmt einen Mehrheitsanteil an dem deutschen Solar- und Windparkbetreiber. Das gaben die Unternehmen am Dienstagmorgen bekannt.

Damit hat Blue Elephant ein wichtiges Ziel erreicht. In den vergangenen Monaten war das Unternehmen auf der Suche nach großen Investoren gewesen. „Es ging darum, einen Partner zu finden, der das Wachstum unseres Geschäfts global unterstützt und uns den Zugang zu Projekten auf der ganzen Welt erleichtern kann“, sagte Blue-Elephant-Gründer Felix Goedhart dem Handelsblatt.

Blue Elephant wächst schnell, denn die Bedingungen für das Geschäftsmodell des Unternehmens sind gut. Deutschland und andere Länder haben ambitionierte Ausbauziele für erneuerbare Energien. Zugleich stehen große Fonds zunehmend unter Druck, in nachhaltige Projekte zu investieren. Dass sich Blue Elephant und Antin nun zusammenschließen, erscheint da folgerichtig.

Mehr Geld erhält Blue Elephant zunächst nicht. Das Unternehmen gibt keine neuen Aktien heraus, sondern Antin kauft allen Blue-Elephant-Aktionären Anteile ab.

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    Hinter Blue Elephant stehen bislang zum einen die Unternehmerfamilie Wacker (Wacker Chemie) und die Jahr Holding (ehemals Gruner + Jahr), beide bisher mit jeweils 23,2 Prozent der Anteile. Außerdem hielt der Gründer und CEO von Blue Elephant, Felix Goedhart, 15,7 Prozent. Und Athos, die Familienholding der hinter Biontech stehenden Pharmaunternehmer Andreas und Thomas Strüngmann, besaß 15,4 Prozent. Die restlichen Anteile verteilten sich auf etwa ein halbes Dutzend kleinerer Aktionäre.

    Blue Elephant: Hoffnung auf ein „sehr produktives“ Zusammenarbeiten mit Antin

    Die kleineren Aktionäre geben ihre Anteile jetzt vollständig ab. Künftig wird Antin die Mehrheit aller Aktien besitzen. Damit geht ein Großteil des Hamburger Unternehmens, das auch Projekte für die deutsche Energiewende umsetzt, an einen französischen Investor und nicht etwa an deutsche Energiekonzerne wie RWE oder EnBW, die ebenfalls am Ausbau erneuerbarer Energien arbeiten.

    Für die Zukunft will Goedhart eine Kooperation mit einem großen Energiekonzern nicht ausschließen. Aber er sagt: „Man muss darauf achten, ob die Kulturen zusammenpassen. Große Energiekonzerne haben naturgemäß eine langsamere und komplexere Arbeitsweise als ein Unternehmen wie wir.“

    Goedhart glaubt an ein „sehr produktives“ Zusammenarbeiten mit dem französischen Investor Antin, aber auch an eine zuverlässige Geldquelle. „Für uns ist Antin ein Partner, der dauerhaft die Finanzierung unseres Wachstums sicherstellen kann“, sagt er. Auch wenn Antin nicht direkt frisches Geld mitbringt, könnte der neue Anteilseigner künftig Wachstumskapital zur Verfügung stellen. Dazu sei Antin „absolut bereit“.

    Insgesamt strebt Blue Elephant an, über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren rund 300 Millionen Euro einzusammeln. Die Bewertung von Blue Elephant Energy könnte einschließlich Schulden auf mehr als zwei Milliarden Euro steigen.

    Blue Elephant betreibt Solar- und Onshore-Windparks in acht Ländern mit Schwerpunkt in West- und Zentraleuropa. Dabei entfallen 90 Prozent der Kapazitäten auf Solarenergie. Insgesamt haben die fertigen Parks eine Leistung von rund 1,3 Gigawatt, zusätzlich sind weitere 1,7 Gigawatt in der Entwicklung. Damit produzieren die Parks von Blue Elephant immerhin rund 14 Prozent des Stroms, den RWE derzeit mit Solar- und Onshore-Projekten erzeugt.

    Hohe Strompreise verhelfen zu hohen Einnahmen aus Solarenergie

    Zuletzt ist Blue Elephant kräftig gewachsen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen rund 100 Millionen Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 76 Millionen Euro. Das jährliche Umsatzwachstum seit 2019 betrug 24 Prozent, das könnte das Unternehmen in diesem Jahr womöglich noch einmal übertreffen.

    Das liegt zum einen am rasanten Portfolio-Ausbau, zu einem kleineren Teil aber auch an den hohen Strompreisen. Blue Elephant kann den Strom aus seinen Parks für viel Geld verkaufen, sofern er nicht bereits zu festen Konditionen versprochen ist.

    Das Hamburger Unternehmen profitiert aber nicht nur vom aktuellen Marktumfeld: Eigentlich wollte Blue Elephant im vergangenen Jahr an die Börse gehen, konnte die Pläne aber angesichts volatiler Kapitalmärkte nicht umsetzen. Grundsätzlich sind Goedhart und sein Team mit den Strukturen einer börsennotierten Gesellschaft vertraut: Goedhart war neun Jahr lang Chef des Solarparkbetreibers Encavis und verließ das Unternehmen 2015 mit einem Dutzend Kollegen, um eine eigene Konkurrenzfirma zu gründen.

    Aber auch jetzt will Goedhart erst einmal keinen Börsengang anstreben. „Bei börsennotierten Unternehmen fließt sehr viel Energie in Kapitalmarktkommunikation, Roadshows und Ähnliches“, sagt Goedhart. „Mit unseren Family-Office-Aktionären und unserem neuen Investor können wir unkomplizierter weiterarbeiten.“

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