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13.03.2019

16:55

Elektromobilität

Streetscooter-Erfinder Günther Schuh steigt aus Batterieprojekt aus

Von: Kathrin Witsch, Klaus Stratmann, Daniel Delhaes

Eigentlich wollte der Aachener Professor die erste deutsche Zellfabrik nach Nordrhein-Westfalen bringen. Jetzt steigt der Ego-Chef überraschend aus.

„Ego ist ein kleines Unternehmen, das die Risiken der anderen Partner nicht übernehmen könnte.“ imago/wolterfoto

Günther Schuh

„Ego ist ein kleines Unternehmen, das die Risiken der anderen Partner nicht übernehmen könnte.“

DüsseldorfDas rheinische Batteriekonsortium hatte große Pläne. Vier Unternehmen hatten sich zusammengetan, um die erste deutsche Zellfabrik nach Nordrhein-Westfalen zu holen. Kurz vor Abgabefrist der Förderanträge steigt Streetscooter-Gründer Günther Schuh überraschend aus dem Projekt aus. „Wir hatten gehofft, dass den Vorankündigungen verschiedener Partner auch Taten folgen. Aber leider ist es bislang bei unverbindlichen Zusagen geblieben“, sagte Schuh dem Handelsblatt.

Der Aachener Professor galt als treibende Kraft hinter dem Gemeinschaftsprojekt, zu dem auch die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter, der Batteriehersteller BMZ-Group und das Start-up TerraE zählen. Die Zusagen Seitens der Privatwirtschaft seien zu gering gewesen, begründet der Wirtschaftsingenieur seine Entscheidung. „Ego ist ein kleines Unternehmen, das die Risiken der anderen Partner nicht übernehmen könnte“, sagte Schuh.

Trotzdem stehe man weiter hinter dem Vorhaben, eine Zellfertigung in NRW aufzubauen. Die BMZ-Group teilte dem Handelsblatt mit, dass man zusammen mit Streetscooter und TerraE trotzdem an dem Plan festhalte und einen Förderantrag einreichen werde. Insgesamt haben sich nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bislang sechs Konsortien um die Fördergelder beworben. Die Frist endet am Freitag.

In den vergangenen Monaten wurden die Forderungen für eine eigene Batterieproduktion in Deutschland immer lauter. Experten warnten, dass man jetzt in den Markt für die Fertigung von E-Autobatterien einsteigen müsse, wenn man das Feld nicht komplett den Asiaten überlassen wolle.

Aber während der chinesische Branchenführer CATL bereits eine Milliardenproduktion in Erfurt baut, zeigte sich die deutsche Wirtschaft zurückhaltend. Das Bundeswirtschaftsministerium kündigte deshalb Fördergelder von bis zu einer Milliarde Euro an.

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Erste deutsche Batteriezellenfabrik könnte nach NRW kommen

Pläne für die erste deutsche Zellfabrik nehmen Gestalt an – und ein Standort ist auch schon in Sicht: Nordrhein-Westfalen. VW und Ford bestätigten, dass es Gespräche über eine mögliche Kooperation gebe.

Aus Sicht der NRW-Landesregierung hat das Rheinische Revier die besten Voraussetzungen. Allerdings buhlen auch Brandenburg und Baden-Württemberg um den Aufbau einer Batteriezellefertigung.

Und auch Bayern hat großes Interesse. „Wir brauchen deutsche Technologieführerschaft mit den modernsten und technologisch am weitesten entwickelten Autos der Welt. Dazu gehören zum Einen modernste Antriebe. Wir brauchen ein nationales Batteriezentrum, das modernere Elektro- und Batteriestrukturen entwickelt als die heutigen. Wir in Bayern bieten dazu an, die Grundlagen für ein nationales Batteriezentrum zu legen“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Handelsblatt. Wie viele Unternehmen nun bislang tatsächlich einen Antrag eingereicht haben, ist allerdings nicht bekannt.

Fördergelder benötigt

Noch im Februar bestätigten die Autobauer Volkswagen und Ford, dass es Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit Schuh gebe. Auch Bosch soll als Lieferant von Fertigungstechnik mit von der Partie gewesen sein. Leider sei es größtenteils bei losen Zusagen geblieben, beklagt Schuh. Die Gründe für die Absagen seien unterschiedlich gewesen, aber einige der Gesprächspartner wollten sich erst verpflichten, wenn es Fördergelder gebe.

„Herr Altmaier kann zurecht erwarten, dass sich die Unternehmen in unserem Konsortium zuerst verpflichten, bevor es eine Zusage für staatliche Fördergelder gibt“, sagt Schuh. In ein solches Projekt müsse man aus strategischer Sicht investieren, und nicht nur weil der Staat Fördermilliarden in Aussicht stelle.

Grafik

Nach Informationen des Handelsblatts waren für den Aufbau der Produktion Fördergelder im Umfang von 250 Millionen Euro nötig. Damit sollte in einem ersten Schritt ein Produktionsvolumen von einem Gigawatt (GW) realisiert werden. In drei Schritten sollte das Volumen über mehrere Jahre auf acht GW gesteigert werden – mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro.

Eine größere Summe hatte BMZ bereits selbst zugesichert, auch Streetscooter und Ego wollten dreistellige Millionenbeträge aufbringen. „Für mich war von Anfang an klar, dass die potenziellen Risiken von der Privatwirtschaft getragen werden müssen und nicht vom Staat“, erklärt der Ego-Chef.

Ob es auch unter den verbliebenen Teilnehmern bei dem geplanten Vorgehen bleibt, wollte BMZ zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren. Für Schuh ist indes klar: „Ich würde das Vorhaben nach wie vor unterstützen, wenn sich noch starke Partner finden.“

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