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16.03.2022

13:10

Energie

Eon-Chef warnt vor weiter steigenden Strompreisen für Industrie und Verbraucher

Von: Kathrin Witsch

Die guten Zahlen des Energiekonzerns treten angesichts des Ukrainekriegs in den Hintergrund. Eon stoppt zudem den Einkauf von neuem Gas bei Gazprom.

Eon-CEO warnt vor weiter steigenden Strompreisen dpa

Leonhard Birnbaum

Der Vorstandsvorsitzende von Eon auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch.

Essen Der Chef des Essener Energiekonzerns Eon sprach kaum von den guten Jahreszahlen, gesteigertem Gewinn und übertroffenen Prognosen. All das trete angesichts der „Tragödie in der Ukraine in den Hintergrund“, sagte CEO Leonhard Birnbaum auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Er verurteilte den Krieg gegen die Ukraine scharf und nannte ihn „die schlimmste humanitäre Katastrophe in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“. In den Standorten in der Slowakei, Polen, Ungarn und Rumänien hätten besonders viele Mitarbeiter Freunde, Verwandte und Kollegen in und aus der Ukraine: „Unsere Betroffenheit ist nicht rein abstrakt.“

Aber es gehe auch um die eigene Energieversorgung. Erneuerbare Energiequellen, LNG und Wasserstoff seien zwar eine gute langfristige Perspektive, aber: „Kurzfristig muss es um die sichere und bezahlbare Versorgung von Industrie und Verbrauchern gehen“, betonte Birnbaum.

Wegen der „extrem hohen Energiepreise“ warnte der Eon-Chef vor auch für die Kunden weiter steigenden Preisen und forderte eine Entlastung für Bürger und Industriekunden. Angesichts der aktuellen Situation könne man Preiserhöhungen auch für die eigenen Kunden nicht ausschließen. 

Schon seit Monaten steigen die Preise für Strom, Gas und andere Energieträger massiv. Gerade zu Beginn des Ukrainekriegs herrschte am Weltmarkt Panikstimmung. Der Gaspreis stieg am Spotmarkt zwischenzeitlich auf mehr als 300 Euro je Megawattstunde (MWh) und lag damit mehr als zehnmal so hoch wie noch vor einem Jahr. Aktuell kostet Gas mit etwa 110 Euro pro Megawattstunde immer noch mehr als viermal so viel wie vor einem Jahr. Die Preise für Strom, Öl und Kohle entwickelten sich ähnlich.

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    Eon fordere daher „schon seit Langem eine Entlastung der Kunden durch eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Energie“, sagte Birnbaum. Die wegfallende EEG-Umlage werde man in vollem Umfang an die eigenen Kunden weitergeben, das sei ein Anfang. Die Preise würden infolge des Kriegs aber hoch bleiben. Wie hoch, könne in dieser Lage niemand seriös sagen. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass der Preis nicht so hoch wird, dass wir ihn nicht mehr stemmen können.“

    Die Bundesregierung brachte am Mittwoch zwar Steuerentlastungen aufgrund der hohen Energiepreise auf den Weg, allerdings sinken die Energiepreise dadurch nicht direkt. Stattdessen sollen Werbungskosten und Grundfreibetrag erhöht werden, außerdem steigt die Pendlerpauschale auf 38 Cent. „Weitere Maßnahmen müssen folgen“, kündigte Finanzminister Christian Lindner zudem via Twitter an.

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    Mit Blick auf die Entscheidung gegen ein Gasembargo lobte Birnbaum die Bundesregierung aber auch. Sie handle „ausgesprochen umsichtig und verantwortungsvoll“. Denn ohne russisches Gas gehe es kurzfristig einfach nicht. Sollte es zu einer physischen Verknappung der Energieimporte kommen, werde dies auch Folgen für Eon haben.

    Noch läuft das Geschäft für den Versorger allerdings sehr gut. Mit den Jahreszahlen für 2021 hat der Konzern die eigenen Erwartungen übertroffen. Der operative Gewinn stieg zum Vorjahr um 25 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, der Konzernüberschuss sogar um über 300 Prozent – von 1,2 Milliarden auf 5,3 Milliarden Euro.

    Eon profitierte vor allem von einem gut laufenden Vertriebsgeschäft, der Gewinn der Sparte Kundenlösungen stieg um 45 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Dazu trug auch die Sanierung des Vertriebsgeschäfts in Großbritannien bei, wo der Energiekonzern die Kosten deutlich senken konnte. Die besonders hohe Auslastung der Kraftwerke bei den hohen Preisen wirkte sich zusätzlich positiv auf das Ergebnis aus.

    Überschaubare Russlandrisiken

    Anders als Uniper, VNG oder Leag ist Eon von den hohen Preisen für Kohle, Öl und Gas nicht besonders betroffen. Durch einen „bewusst konservativen Beschaffungsansatz für alle Energieabsatzmärkte“ sei man einem negativen Effekt nur in geringem Maße ausgesetzt, hieß es am Mittwoch. 

    Für Eon ist die Situation dennoch ähnlich komplex wie für andere Energiekonzerne. Wenn einer der Gashändler aufgrund der hohen Preise in finanzielle Schieflage gerät und nicht mehr liefern kann, kann auch Eon seine Kunden nicht mehr ausreichend mit Energie beliefern. Die Angst vor einem Lieferstopp seitens Russland kommt dann noch dazu.

    Eon ist an der 2011 in Betrieb genommenen Gaspipeline Nord Stream 1 mit knapp 15 Prozent beteiligt. Nachdem die parallel in der Ostsee verlegte Verbindung Nord Stream 2 bei Russlands Angriff auf die Ukraine vorläufig gestoppt worden war, forderte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki auch einen Stopp der ersten Pipeline.

    Das lehnt Eon allerdings ab. Schließlich sei Nord Stream 1 ein genehmigtes und voll operatives Projekt. „Wir werden nicht aus unserer Nord-Stream-Position aussteigen“, sagte Birnbaum am Mittwoch noch einmal. 

    Eon hat auch ein drängendes finanzielles Interesse am Weiterbetrieb der ersten Nord-Stream-Pipeline. Die Gewinne aus der Beteiligung fließen in das Pensionsvermögen. Außerdem hat Eon Gas von der Gazprom-Tochter Wingas eingekauft, der Vertrag läuft noch bis Ende des Jahres. Vor dem Hintergrund des Kriegs habe man den Einkauf neuer Mengen aber nun gestoppt, betonte Birnbaum. Die restlichen Russlandaktivitäten hatte Eon 2015 an Uniper abgespalten. 

    Eon-Aktie: Prognose nur unter Vorbehalt, Aktie steigt leicht

    Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr stellt Eon trotzdem unter Vorbehalt, da die weiteren Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Geschäftsentwicklung und die wesentlichen Kennzahlen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig abschätzbar seien. 

    Unter diesen Voraussetzungen erwartet Eon ein Ebitda zwischen 7,6 und 7,8 Milliarden Euro. Das soll nach dem Wegfall der letzten Kernkraftwerke durch organisches Wachstum im Kerngeschäft erreicht werden. Bei dem bereinigten Konzernüberschuss rechnet Eon mit 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro.

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    Eon bestätigte den Dividendenvorschlag von 49 Cent pro Aktie (Vorjahr: 47 Cent). Nach Bekanntgabe der Jahreszahlen lag die Eon-Aktie am Mittag knapp ein Prozent im Plus. 

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