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24.09.2021

12:06

Energie

Eon übernimmt Mehrheit an Digital-Start-up GridX

Von: Kathrin Witsch

Der Stromriese Eon holt sich Expertise in Sachen Digitalisierung ins Haus und sichert sich die Mehrheit an dem Münchener Unternehmen GridX.

Das Start-Up entwickelt intelligente Plattformlösungen für die Steuerung von Energie. 

Gridx

Das Start-Up entwickelt intelligente Plattformlösungen für die Steuerung von Energie. 

Düsseldorf Im Stromnetz wird es mit immer mehr Elektroautos, Wärmepumpen und Solaranlagen deutlich komplizierter – und vor allem digitaler. Deswegen holt sich der Essener Energieriese jetzt die nötige Kompetenz ins Haus und übernimmt die Mehrheit an dem Digital-Start-up GridX. „Durch unser Engagement bei GridX werden wir unseren Kunden innovative digitale Energiemanagementlösungen anbieten können sowohl für das intelligente Laden von E-Autos, das Energiemanagement des gesamten Zuhauses als auch für komplette smarte Quartiere“, sagte Thomas Birr, Strategie- und Innovationsvorstand bei Eon

Seit 2017 arbeitet der Stromkonzern schon mit dem Münchener Start-up zusammen. Das erst vor fünf Jahren gegründete Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für die intelligente Steuerung im Stromnetz. Zum Beispiel durch das bidirektionale Laden von Elektroautos. Die sollen den Strom dann nicht nur verbrauchen, sondern bei Bedarf auch wieder ins Netz abgeben können und so helfen, die zunehmenden Schwankungen bei Solar- und Windenergie besser auszugleichen.

Die deutsche Energiewelt steckt mitten im Umbruch. Wo es früher nur ein paar wenige, große Kraftwerke gab, stehen heute immer mehr kleine Stromerzeugungsanlagen quer über das Land verteilt. Hier ein paar Windräder, dort ein paar Solaranlagen und wieder woanders eine Biogasanlage.

Wind- und Solaranlagen produzieren Strom aber nur dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, und nicht ausschließlich, wenn er gebraucht wird. Weil es noch keine Möglichkeit gibt, den Ökostrom in großem Umfang zu speichern, müssen die verschiedenen Anlagen von Kohle, Atom und Gas bis hin zu Wind, Solar und Bioenergie bei Bedarf hoch- und heruntergefahren werden, um Verbrauch und Erzeugung zu kontrollieren und das Netz nicht zu überlasten. 

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    Dafür braucht es vor allem smarte Lösungen. Das deutsche Stromnetz wird zu einem intelligenten Netz, einem sogenannten Smart Grid. Algorithmen und Daten helfen, Stromerzeugung, Verbrauch und Speicherung punktgenau aufeinander abzustimmen. Genau das macht auch GridX. 

    Auf Basis von Echtzeit-Daten und mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) soll die Smart-Grid-Plattform Xenon in Zukunft bei Eon zum Einsatz kommen. Auch andere Unternehmen wie Viessmann, DHL und der belgische Energiekonzern Engie arbeiten ebenfalls mit der Software aus München. 

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    Die beiden Gründer und Geschäftsführer David Balensiefen und Andreas Booke sollen GridX selbstständig auch weiterhin führen: „Unser oberstes Ziel seit der Gründung von GridX war es immer, maximalen positiven Impact durch unsere Technologie-Plattform zu generieren“, so Balensiefen. Durch die Mehrheitsübernahme von Eon bekommt das Start-up jetzt Zugang zu 14 Millionen Stromkunden in ganz Europa. 

    Die Digitalisierung ist neben der Nachhaltigkeit eines der beiden Hauptthemen des neuen Eon-Chefs Leonhard Birnbaum. „Wir müssen in Zukunft genau wissen, in welcher Straße eine Überlastung droht. Das heißt: Wir müssen überall messen und überall steuern, damit das System stabil bleibt. Und das geht natürlich nur digital, manuell ist das gar nicht mehr zu überschauen“, hatte der CEO bereits in einem Interview mit dem Handelsblatt betont. GridX liefert dazu jetzt das entsprechende Werkzeug. 

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    Noch hat das deutsche Netz allerdings erheblichen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Ein Verteilnetzbetreiber kann heute nur erahnen, was hinter dem mechanischen Stromzähler passiert. Der Roll-out so genannter Smart Meter, also smarter Steuerungseinheiten in den Haushalten, geht hierzulande nur schleppend voran. In anderen Ländern wie Schweden, Finnland, Spanien oder den Niederlanden hingegen hängen die digitalen Helfer schon in Millionen von Haushalten. In Deutschland sind es gerade mal ein paar Zehntausend. 

    Dabei muss schon jetzt immer wieder nachjustiert werden, um einen Blackout zu verhindern. Die Folge: Im vergangenen Jahr haben Eingriffe ins Netz Kosten von mehr als 1,4 Milliarden Euro verursacht. Das waren etwa 100 Millionen Euro mehr als im Jahr 2019. Es sind Entschädigungszahlungen für Abschaltungen von Kraftwerken, die ihren Strom wegen einer drohenden Überlastung nicht einspeisen konnten. Die Lösung für dieses Problem liegt nicht allein im schleppend vorangehenden Netzausbau, sondern immer mehr auch in der intelligenteren Steuerung der Netze. 

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