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05.08.2022

08:07

Energie

Erste Kraftwerke drosseln Leistung: So beeinflusst die Hitze unsere Energieversorgung

Von: Kathrin Witsch

Den Energieversorgern bereiten die Hitzewellen Probleme. Nicht nur Uniper fürchtet um seinen Kohlenachschub. Erste Kraftwerke haben ihre Leistung gedrosselt.

Heiße und trockene Monate stellen die Energieversorger vor Herausforderungen. dpa

Niedrigwasser am Rhein

Heiße und trockene Monate stellen die Energieversorger vor Herausforderungen.

Düsseldorf Die Temperaturen klettern auf Rekordwerte – das bringt unter anderem deutsche Energieversorger an ihre Grenzen. Am Donnerstag meldete der Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber Uniper, dass der niedrige Wasserstand des Rheins den Kohlenachschub für die Anlage Staudinger 5 im hessischen Großkrotzenburg gefährde. Außerdem könne es vom 4. August bis zum 7. September im Block Datteln 4 zu einem unregelmäßigen Betrieb kommen, „da die Kohlemengen vor Ort aufgrund des niedrigen Wasserstands des Rheins begrenzt sind“, teilte der Energieversorger auf dem Stromhandelsportal EEX mit.

Auch andere Betreiber beobachten die Situation aufmerksam. So kommen die Kraftwerke des Steinkohle-Konzerns Steag nicht mehr auf die maximal mögliche Leistung: „Bei derart hohen Außentemperaturen wie derzeit erreichen die Blöcke nicht mehr ihre Maximalleistung“, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage des Handelsblatts mit.

Auch der baden-württembergische Energiekonzern EnBW musste den Betrieb seiner Netzreserveanlagen in Heilbronn, Marbach und Walheim bereits einschränken. Bestimmte Kraftwerke entnehmen Wasser zum Kühlen direkt aus den Flüssen, anschließend wird es wieder zurückgeleitet. Dafür dürfen jedoch bestimmte Höchsttemperaturen nicht überschritten werden. Neben der Wassertemperatur ist vor allem der fehlende Regen ein Problem für die Energiekonzerne. 

Sinkt der Wasserstand, können Schiffe nicht mehr wie gewohnt beladen werden, die Belieferung von Kohlekraftwerken könnte in der Folge beeinträchtigt sein. Heiße und trockene Monate stellen die Energieversorger so immer wieder vor Herausforderungen.

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    Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) hatte erst am Mittwoch in Duisburg gewarnt: „Das aktuelle Niedrigwasser behindert in zunehmendem Maße die Güterschifffahrt in Deutschland.“

    Situation extremer als im Hitzesommer 2018

    Der Pegel am wichtigen Messpunkt Kaub zwischen Koblenz und Mainz lag laut aktuellen Daten des Elektronischen Wasserstraßen-Informationsdienstes (Elwis) am Donnerstag bei 55 Zentimetern und könnte bis Sonntag auf 46 Zentimeter sinken. 

    „Aktuell gibt es durch die niedrigen Wasserstände Einschränkungen für die Schifffahrt am Rhein“, bestätigt auch EnBW. Die Anzahl „einsatzfähiger Schiffe“ als auch die möglichen Lademengen seien daher reduziert. „Die Situation ist bei allen Bahntransportdienstleistern angespannt. Wir stehen in engen Kontakt mit allen Beteiligten, um die begrenzten Mittel optimal einzusetzen, und begrüßen die Bestrebungen, den Bahntransporten von Energierohstoffen Priorität einzuräumen“, teilt das Unternehmen mit.

    Zuletzt war es im Hitzesommer 2018 zu teilweise größeren Kraftwerksdrosselungen gekommen. Damals musste der Essener Kraftwerksbetreiber Steag die Leistung seines Steinkohlekraftwerks in Bergkamen im Ruhrgebiet herunterfahrenEnBW musste ein Dampfkraftwerk gar vollständig abstellen.

    „Wenn wir diesen Sommer mit 2018 vergleichen, ist die Situation jetzt schon deutlich extremer, als sie Anfang August vor vier Jahren war“, sagt Meteorologe Robin Girmes, Chef der Wetteragentur Energy Weather. Entspannung ist laut dem Experten erst einmal nicht in Sicht. 

    „Bei diesem Pegelstand, normal sind drei Meter (aktuell 1,8 in Duisburg-Ruhrort, Anm. d. Red.), können die Frachtschiffe nur noch mit maximal der Hälfte ihrer normalen Fracht beladen werden“, erklärt ein Steag-Sprecher. Zwar sei die Situation dank voller Lager noch entspannt, sollten die Pegelstände jedoch weiter sinken, „könnte dies auch bei unseren Anlagen zu gewissen Leistungseinschränkungen führen“. Die Versorgung sei aber aktuell nach wie vor gesichert, betont das Essener Unternehmen. 

    „Wenn wir diesen Sommer mit 2018 vergleichen, ist die Situation jetzt schon deutlich extremer, als sie Anfang August vor vier Jahren war.“ Robin Girmes, Chef der Wetteragentur Energy Weather

    Auch wenn in den nächsten Tagen etwas Regen gemeldet ist, sieht Meteorologe Girmes nicht wirklich Besserung: „Die Böden sind so trocken, da helfen zwei Tage Regen nicht.“ Die Situation könne sich schlimmstenfalls sogar bis in das vierte Quartal hineinziehen. 

    Einzig RWE scheint optimistisch: Aktuell gebe es keine hitzebedingten Einschränkungen im Kraftwerksbetrieb, sagte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage des Handelsblatts. „Wir rechnen auch nicht damit, die Stromerzeugung aus diesem Grund in nächster Zeit drosseln zu müssen.“ 

    Die nächsten sechs Wochen werden laut aktueller Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) allerdings trockener als gewöhnlich. Das dürfte auch die Pegelstände weiter sinken lassen. 

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