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22.01.2019

18:11

Energie-Gipfel

Europas Öl-Multis wollen die Energiewende als Geschäftschance nutzen

Von: Mary-Ann Abdelaziz-Ditzow, Kathrin Witsch

Große Ölkonzerne wollen bei erneuerbaren Energien neue Maßstäbe setzen. Die ehrgeizigen Pläne abseits fossiler Brennstoffe lassen Experten stutzen.

Firmen wie der norwegische Gigant Equinor machen den Hauptteil ihres Gewinns immer noch mit Ölförderung. Reuters

Ölplattform von Equinor

Firmen wie der norwegische Gigant Equinor machen den Hauptteil ihres Gewinns immer noch mit Ölförderung.

BerlinWährend Deutschland über den Kohleausstieg diskutiert, ist ein anderer fossiler Gigant schon mitten im Wandel – notgedrungen. Auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin diskutierten führende Manager aus der europäischen Ölindustrie am Dienstag darüber, wie die milliardenschweren Konzerne den Wandel in der Branche überstehen können.

„Wir nehmen es als Chance wahr“, sagte Irene Rummelhoff, stellvertretende Chefin des norwegischen Ölgiganten Equinor in Berlin. Equinor sei Teil des Problems gewesen und wolle deswegen jetzt auch Teil der Lösung sein, sagte Rummelhoff mit Blick auf die CO2-Emissionen der Ölkonzerne.

Von 25 Unternehmen, die laut einer Studie des Climate Accountability Institute und des Carbon Disclosure Project für mehr als die Hälfte der industriellen Treibhausgase seit 1988 verantwortlich sind, kommen immerhin 18 aus der Ölbranche. Die Namen reichen von Saudi Aramco über Exxon Mobil bis zu Total.

„Die Welt braucht mehr erneuerbare Energien“, sagte Rummelhoff. Dass Europas zweitgrößter Gaslieferant jetzt neue Maßstäbe in Richtung erneuerbare Energien setzen möchte, lässt Experten wie Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln, stutzen. „Sie machen den Großteil ihres Geschäfts noch immer mit dem Verkauf von Öl und Gas“, kommentierte er. Und er hat recht.

Auch wenn viele den Untergang der Ölkonzerne heraufbeschwören, noch machen Branchenriesen wie Equinor und BP den Hauptteil ihres Gewinns mit der Förderung, Verarbeitung und dem Verkauf von Öl und Gas. Fast 70 Prozent der Einnahmen stammen aus den beiden Geschäftssparten.

Neue Geschäftsmodelle erforderlich

Trotzdem müssen die Multis auf die Ölpreiskrise der vergangenen Jahre, den Boom erneuerbarer Energien und immer strengere Umweltvorgaben mit neuen Geschäftsmodellen reagieren.

Auch der britische Ölriese BP habe verstanden, worauf es ankommt, versicherte Wolfgang Langhoff, Vorstandsvorsitzender von BP Europe. „Das soziale Gewissen bei den Verbrauchern nimmt zu. Und da geht es nicht nur um den Umstieg auf andere Energieträger, sondern auch darum, die Mitarbeiter und Kunden mental mitzunehmen und neue Ideen weiterzudenken“, sagte der BP-Manager in Berlin. Hier sieht Langhoff auch eine Mitverantwortung bei der Gesellschaft.

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Zwar spielen erneuerbare Energien bei BP im Vergleich zu anderen Branchenkonkurrenten zurzeit noch eine untergeordnete Rolle – der Konzern setzt aber verstärkt auf Zukäufe in dem Bereich. Erst vor wenigen Monaten hatte BP sich an dem britischen Solarunternehmen Lightsource beteiligt und dafür rund 200 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Der Ölkonzern will 500 Millionen Dollar pro Jahr in grüne Projekte investieren, was allerdings nur einen Bruchteil des gesamten Budgets ausmacht.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Wood Mackenzie müssten Öl- und Gasunternehmen bis 2035 mindestens 350 Milliarden Dollar in Wind und Solar investieren, um ihre jetzige Marktmacht auch auf die Hauptenergieträger der Zukunft zu übertragen. Auf dem Weg in die nichtfossile Zukunft sind also noch deutlich mehr Tempo und Einsatz gefragt.

Öl und Gas bleiben wichtig

An dem Trend hin zu erneuerbaren Energien kommt jedoch langfristig niemand in der Ölindustrie vorbei, darin sind sich am Dienstag alle einig. Doch es müsse trotzdem mehr Verständnis und Akzeptanz für die Öl- und Gasindustrie geben, forderte Dirk Warzecha, COO der Deutschen Erdöl AG (DEA), die durch ihre Fusion mit dem Gasriesen Wintershall in diesem Jahr zu einem der größten Ölkonzerne Europas anwachsen wird.

Damit ist der neue deutsche Öl- und Gasriese zwar noch lange nicht in einer Liga mit Ölmultis wie Shell, BP oder Exxon Mobil, hat dafür aber eine starke Präsenz in wichtigen Märkten, zum Beispiel bei der Gasproduktion in Russland. „Ja, es ist wichtig, auf seinen CO2-Fußabdruck zu achten, aber klar ist auch, dass es ohne die klassischen Energiequellen in den nächsten Jahrzehnten noch nicht gehen wird“, sagte Warzecha.

Tatsächlich prognostizieren Experten, dass bis 2040 Öl und Gas immer noch rund 40 Prozent der benötigten Energie weltweit liefern werden.

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