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25.06.2019

18:09

Energiekonzern vor letzter Hürde

Milliardendeal: Eon ist bei Innogy fast am Ziel

Von: Jürgen Flauger

Der Energiekonzern Eon macht der EU-Kommission moderate Zugeständnisse für die Übernahme des Konkurrenten Innogy. Wettbewerber kündigen Widerstand an.

Der Konzernlenker hat im Genehmigungsverfahren für den Innogy-Deal Zugeständnisse gemacht. Bloomberg

Eon-Chef Johannes Teyssen

Der Konzernlenker hat im Genehmigungsverfahren für den Innogy-Deal Zugeständnisse gemacht.

Düsseldorf Anfang Oktober könnte Eon-Chef Johannes Teyssen seinen Megadeal perfekt machen. Bis zum 20. September will die EU-Kommission entscheiden, ob sie die Übernahme von Konkurrent Innogy freigibt. Der 1. Oktober wäre ein perfektes Datum für „Day one“, wie der Start des gemeinsamen Energiekonzerns intern genannt wird.

Noch muss Eon die letzte Hürde, die Genehmigung in Brüssel, nehmen. Aber es sieht so aus, als könnte Teyssen diese Hürde ohne größere Blessuren überspringen. Sein Konzern hat im Genehmigungsverfahren jetzt Zugeständnisse gemacht.

Die sind zwar so moderat, dass Wettbewerber schon wieder ihren Widerstand ankündigen. Nach den monatelangen Vorgesprächen wird in Branchenkreisen aber damit gerechnet, dass die EU-Kommission sich damit zufriedengeben könnte. Zumindest werde sie nichts Dramatisches mehr verlangen können, heißt es.

Eon ist bereit, in Tschechien und Ungarn die gemeinsame Marktposition zu verringern. In Ungarn hat der Konzern Verkäufe im eigenen Geschäft mit Stromkunden vorgeschlagen. In Tschechien wäre er bereit, das Strom- und Gaskundengeschäft von Innogy zu veräußern, wie ein Eon-Sprecher bestätigte. In Deutschland wolle sich Eon von 260.000 Heizstrom-Kunden trennen. Zudem will der Konzern auf das Recht verzichten, an 32 Standorten entlang der Autobahnen Ladestationen zu errichten.

Teyssen hatte im März vergangenen Jahres die Öffentlichkeit mit seinem Milliardendeal überrascht. Der Eon-Chef vereinbarte mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz ein Tauschgeschäft, dem in letzter Konsequenz die RWE-Tochter Innogy zum Opfer fällt. RWE übernimmt dabei unter anderem die Aktivitäten von Innogy bei den erneuerbaren Energien und auch die Anlagen, die Eon derzeit noch betreibt.

Eon wird dagegen die Bereiche Vertrieb und Netze übernehmen und so zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen. Der neue Konzern wird mehr als 40 Millionen Kunden versorgen und ein Netz mit einer Länge von 1,5 Millionen Kilometern betreiben.

14 Millionen Strom- und Gaskunden in Deutschland

Insbesondere in Deutschland hatten sich Wettbewerber über die Marktmacht des neuen Unternehmens beschwert – und die EU-Kommission leitete eine vertiefte Prüfung ein. Die jetzt angebotenen Verkäufe wären aber nach Einschätzung von Konkurrenten und Analysten ausgesprochen moderat. In Deutschland wird Eon nach der Fusion auf rund 14 Millionen Strom- und Gaskunden kommen und würde sich – gemäß dem Vorschlag – nur von 260.000 Kunden trennen.

„Die den deutschen Markt betreffenden Zugeständnisse von Eon sind aus unserer Sicht eher homöopathischer Natur“, kritisierte Josef Thomas Sepp, Sprecher der Geschäftsführung des Billigstromanbieters Lekker Energie GmbH, das Angebot. An der drohenden Marktmacht im Strom- und Gasmarkt für Endkunden ändere sich nichts. Lekker Energie sieht es wie andere Wettbewerber unter anderem kritisch, dass Eon neben der eigenen Discounttochter E-wie-einfach nun auch noch Innogys Billigmarke Eprimo übernimmt.

„Dieser so geschaffenen Marktmacht würden sich kleinere Anbieter wie die Lekker Energie kaum noch erwehren können“, sagte Sepp. Insofern fordere sein Unternehmen weiterhin, dass Eon und Innogy – sofern die Transaktion genehmigt werden sollte – „sich von wesentlichen Beteiligungen in den deutschen Vertriebsmärkten für Haushalts- und Gewerbestrom trennen müssen“.

Wilfried Gillrath, CEO des Ökostromanbieters Lichtblick, bezeichnete die Pläne auf den ersten Blick als „notwendig“ und einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Er teilt aber die Bedenken, „dass die Zusagen von Eon kaum Auswirkungen auf die Endkundenmärkte haben würden“.

Lekker Energie und Lichtblick haben Gelegenheit, diese Bedenken auch der EU-Kommission vorzutragen. Die Wettbewerbsbehörde wird die Zusagen einem Markttest unterziehen – und Marktteilnehmer nach deren Bewertung befragen.

Die Bedenken über die Marktstellung der neuen Eon in Deutschland sind in Brüssel aber bekannt und werden in den Vorgesprächen schon eine große Rolle gespielt haben. Trotzdem sah sich Eon nicht gezwungen, größere Zugeständnisse zu machen.

Einschnitte in Ungarn

Eon-Chef Teyssen weist die Vorwürfe ohnehin stets entschlossen zurück. „In jedem Haus in Deutschland bekommt man 100 Angebote für Strom und Gas – und von diesen sind vielleicht eine Handvoll von Eon, Innogy oder von verwandten Unternehmen“, sagte Teyssen erst am Montagabend in Berlin: „Ich sehe nicht, dass wir irgendwo eine Marktmacht bekommen werden, die uns in die Lage versetzen würde, den Kunden auszuplündern.“

In Ungarn sind Einschnitte zwar unumgänglich, hier käme das Unternehmen auf einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Eon versorgt dort fast 2,5 Millionen Kunden mit Strom – unklar ist allerdings, ob sich der Konzern von allen trennen müsste. Mit Innogy kämen aber auch 2,2 Millionen Kunden dazu. In Tschechien würde die neue Eon mit dem Verkauf von Innogys Aktivitäten rund 1,5 Millionen Kunden verlieren.

Die Analysten von Bernstein Research sehen speziell durch die Zusagen für Deutschland keine „große Auswirkung“ auf den Deal. Sie begrüßten es, dass Eon sich nicht zu größeren Zugeständnissen gezwungen fühle. „Alles in allem kann Eon wesentliche Hindernisse für den Zusammenschluss mit Innogy vermeiden, und die Auswirkungen sind minimal.“

Der RWE-Konzern hat die Genehmigung für seinen Teil der Transaktion schon seit Monaten vorliegen. Die EU-Kommission hatte die geplante Übernahme der erneuerbaren Energien nach einer ersten Prüfung freigegeben, und auch das Bundeskartellamt billigte die Transaktion.

Eon bereitet auch schon die Integration von Innogy vor. In der vergangenen Woche hat Teyssen dabei schon wichtige Personalien geklärt. Für 20 Abteilungen – von Investor-Relations bis M&A – wurden die Führungskräfte unterhalb des künftigen Vorstands geklärt. Etwa die Hälfte der Positionen wird dabei mit Mitarbeitern von Innogy besetzt.

Mehr: Eon-Chef Teyssen sieht den Konzern nach der Innogy-Übernahme gut aufgestellt. Doch die Aktionäre ärgern sich über das maue Geschäft und die Kursentwicklung.

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