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17.09.2019

13:04

Energiekonzerne

EU erlaubt Deal: Eon und RWE können Innogy zerschlagen

Von: Jürgen Flauger

Die Neuordnung der deutschen Energiewirtschaft ist perfekt: Brüssel billigt unter Auflagen den Innogy-Deal. Eon wird damit zu einem der größten Versorger Europas.

RWE-Ökostromtochter

EU genehmigt Innogy-Übernahme durch Eon

RWE-Ökostromtochter: EU genehmigt Innogy-Übernahme durch Eon

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Düsseldorf Die EU-Kommission hat den Energieriesen Eon und RWE grünes Licht für die Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy gegeben. Eon erhalte unter Auflagen die Freigabe für die Übernahme von Innogy, teilten die Brüsseler Wettbewerbshüter am Dienstag mit.

„Wir können heute die Übernahme von Innogy durch Eon genehmigen, weil die Verpflichtungszusagen von Eon sicherstellen, dass der Zusammenschluss in den Ländern, in denen diese Unternehmen tätig sind, nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird“, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Damit hat Eon-Chef Johannes Teyssen die letzte Hürde für seinen großen Deal genommen und wird künftig einen der größten europäischen Energiekonzerne führen, der rund 50 Millionen Kunden versorgt. Und auch der RWE-Konzern, der mit Eon milliardenschwere Aktiva tauscht, kann sich wie geplant neu ausrichten: RWE wird neben Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken auch wieder erneuerbare Energien betreiben.

Zu den Auflagen gehört nun, dass Eon das Strom- und Gaskundengeschäft von Innogy in der Tschechischen Republik abgibt sowie Teile des eigenen Stromkundengeschäfts in Ungarn veräußert. In Deutschland gibt Eon wesentliche Teile seines Geschäfts mit Heizstromkunden ab sowie den Bau und Betrieb einzelner Autobahn-Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Insgesamt trennt sich Eon von Vertriebsgeschäften mit rund zwei Millionen Kunden, im Netzgeschäft muss der Konzern dagegen keine Zusagen machen. „Wir hätten diese Geschäfte gerne fortgeführt, werden die Auflagen der EU-Kommission aber selbstverständlich umsetzen. Vor dem Hintergrund der großartigen Entwicklungschancen für die neue Eon sind diese Zugeständnisse verkraftbar“, sagte Teyssen und freute sich über die Freigabe: „Heute beginnt die Zukunft der neuen Eon.“

Teyssen untermauerte das bereits bekannte Vorhaben, bis zu 5000 Stellen zu streichen. Der Abbau werde vor allem dort erfolgen, wo Eon und Innogy große Überschneidungen hätten. Dies sei besonders an drei Standorten der Fall: „München, Dortmund und Essen werden sicherlich eine gewisse Betroffenheit haben.“

Eon-Chef Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatten die Transaktion im März 2018 vereinbart. Eon wird sich künftig auf die Sparten Netz und Vertrieb konzentrieren. RWE erhält unter anderem die erneuerbaren Energien von Innogy, aber auch die Anlagen, die Eon derzeit noch betreibt. Zudem wird RWE mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt.

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Die EU-Kommission war in die vertiefte Prüfung eingestiegen. Tatsächlich hatten auch zahlreiche Konkurrenten Bedenken über die Marktmacht des neuen Konzerns geäußert. Letztlich fallen die Auflagen aber jetzt moderat aus.

Größerer Aufsichtsrat

Die Führung der neuen Eon liegt – wie das Handelsblatt in der vergangenen Wochen schon exklusiv vorab berichtet hatte – weiter in den Händen der bisherigen Vorstandsmitglieder des Unternehmens. Der Aufsichtsrat bekräftigte, dass Teyssen Vorstandschef des Unternehmens bleibe.

An seiner Seite werden weiter Leonhard Birnbaum, Thomas König, Marc Spieker und Karsten Wildberger als Vorstandsmitglieder sitzen. Der Vertrag von Finanzvorstand Spieker wurde dabei um fünf Jahre bis
Ende 2024 verlängert.

Nach Vollzug der Übernahme wird der Aufsichtsrat um 20 Mitglieder vergrößert. Dabei zieht auch RWE-Chef Schmitz in das Gremium ein. Zudem werden der Unternehmer Ulrich Grillo und die US-amerikanische Unternehmensberaterin Deborah B. Wilkens, die derzeit beide noch Mitglieder des Innogy-Aufsichtsrats sind, in das Gremium berufen.

„Johannes Teyssen hat Eon in den letzten Jahren auf die neue Energiewelt fokussiert. Er ist der richtige Mann dafür, die Integration von Innogy zügig und erfolgreich umzusetzen und die profitable Entwicklung unseres Unternehmens weiter voranzutreiben“, erklärte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley.

Und auch die anderen Vorstandsmitglieder hätten die richtigen Kompetenzen, Persönlichkeiten und Erfahrungen, um Eon nach der Übernahme von Innogy weiterzuentwickeln. Bei Innogy dürfte man dagegen ernüchtert sein, dass keiner der amtierenden Vorstände berufen wurde.

Mehr: Umweltlobbyisten bilden inzwischen eine schlagkräftige außerparlamentarische Opposition, die vor allem Unternehmen vor enorme Probleme stellt, meint Handelsblatt-Reporter Jürgen Flauger.

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