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26.08.2019

11:04

Energiekonzerne

Stadtwerke fordern Auflagen für Fusion von Eon und Innogy

Von: Jürgen Flauger

Zehn große Kommunalversorger appellieren an die EU-Kommission, den Deal zu untersagen – oder allenfalls unter scharfen Auflagen zu genehmigen.

Die Übernahme kündigte Eon Anfang 2018 an. dpa

Innogy-Zentrale

Die Übernahme kündigte Eon Anfang 2018 an.

Düsseldorf Im September will Eon-Chef Johannes Teyssen die geplante Übernahme von Konkurrent Innogy besiegeln. Dann erwartet er den Bescheid der EU-Kommission. Teyssen rechnet fest mit einer Freigabe des Deals.

Zehn große Kommunalversorger wollen die Freigabe aber noch verhindern. Sie appellieren an die Wettbewerbsbehörde, den Deal zu untersagen – oder allenfalls unter scharfen Auflagen zu genehmigen. „Der Zusammenschluss ist in der angemeldeten Form nicht freigabefähig, sodass wir davon ausgehen, dass er untersagt wird“, heißt es in einem gemeinsamen Standpunkt. „Sollte die Kommission dennoch eine Freigabe erwägen, darf diese höchstens erfolgen, wenn die fusionierenden Unternehmen gegenüber der Kommission substanzielle Verpflichtungen eingehen.“

Unter den Kommunalversorgern sind Schwergewichte wie die Frankfurter Mainova, die Leipziger Stadtwerke, die Aachener Stawag oder der hessische Regionalversorger Entega. In den vergangenen Monaten hatten Kommunalversorger schon wiederholt Bedenken gegen die Übernahme geäußert, die Eon Anfang 2018 angekündigt hatte.

Die Bedenken werden auch von unabhängigen Energieunternehmen wie Lichtblick oder Lekker-Energie geteilt. Der Appell jetzt schlägt aber sogar eine Reihe an konkreten Auflagen vor.

Teyssen hatte im März 2018 mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz einen umfangreichen Tausch von Aktivitäten vereinbart. Dabei will Eon die Sparten Vertrieb und Netz der RWE-Tochter Innogy übernehmen und zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen.

RWE wiederum übernimmt das Geschäft mit erneuerbaren Energien. Während RWEs Teil der Transaktion schon Anfang des Jahres gebilligt wurde, stieg die EU-Kommission bei Eon in eine vertiefte Prüfung ein. Im September soll aber die Entscheidung fallen.

Grafik

Teyssen hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, nachdem sein Unternehmen einige Zusagen gemacht hatte. Speziell in Deutschland ist Eon aber nur zum Verkauf kleinerer Aktivitäten bereit.

„Die Übernahme der Innogy durch Eon führt dazu, dass die Erfolge der Liberalisierung der Energiemärkte in Deutschland ad absurdum geführt werden“, warnen die Kommunalversorger dagegen: „Der freie und faire Wettbewerb wäre ebenso beschränkt wie die Wahlfreiheit und der Schutz der Verbraucher. Der Markt würde wieder deutlich intransparenter.“

Rasant steigende Kundenzahl

Die Kommunalversorger sehen Probleme in „allen betroffenen Marktsegmenten“. Im Vertrieb werde die neue Eon so mächtig, dass sie „kurzfristig Kampfpreise anbieten, kleinere Konkurrenten verdrängen und so den Markt verschließen“ könne.

Schließlich steige die Kundenzahl in Europa auf einen Schlag von 31 auf 50 Millionen und in Deutschland von sechs auf fast 14 Millionen. Durch die „Vielzahl von Marken und Konzerngesellschaften“ könne Eon die „für den Vertrieb an wechselwillige Kunden wichtigen Preisplattformen dominieren“.

Im Netz werde Eon „mit weitem Abstand der größte Netzbetreiber“. Mit den Stromnetzen werde Eon 50 Prozent der deutschen Verbraucher versorgen und mit den Gasnetzen 20 Prozent. Dabei werde Eon durch Skaleneffekte Vorteile beim Wettbewerb um Konzessionen für den Betrieb von Netzen haben und auch Vorteile in der Beschaffung von beispielsweise Netzmaterialien.

Aber auch bei der Suche nach neuen Geschäftschancen sei Eon im Vorteil, heißt es in dem Standpunkt. Eon werde „mehr personenbezogene Daten als jeder andere“ haben. „Diese Daten eröffnen Möglichkeiten in der Produktentwicklung und dem Angebot digitaler und innovativer Lösungen, mit denen die Wettbewerber mangels Datengrundlage nicht mithalten können.“ Zudem werde Eon größter Anbieter der Infrastruktur für Elektromobilität.

Die Kommunalversorger schlagen auch konkrete Auflagen vor. So soll Eon unter anderem „als Kompensation die bundesweit agierenden Discountgesellschaften, also Eprimo und E-wie-einfach verkaufen“. Eon müsse aber auch Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern oder Netzgesellschaften abgegeben.

Eon-Chef Teyssen hat die Vorwürfe der Konkurrenten wiederholt zurückgewiesen. Er verweist unter anderem auf den regen Wettbewerb um Strom- und Gaskunden.     

Mehr: RWE profitiert von einem guten Ergebnis beim Energiehandel – nur die Steinkohlekraftwerke bereiten derzeit Sorgen.

Handelsblatt Energie Briefing

Kommentare (1)

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Herr Mark Hartmann

26.08.2019, 16:48 Uhr

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