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21.01.2022

00:13

Energietechnik-Konzern

Siemens Energy senkt die Prognosen: Windkrafttochter Gamesa weiter in der Krise

Von: Axel Höpner

Nach enttäuschenden Quartalszahlen seiner Windkraft-Tochter Siemens Gamesa hat auch der Dax-Konzern Siemens Energy seine Erwartungen für das laufende Jahr gesenkt.

Die Windkraft-Tochter Gemesa durchkreuzt erneut die Pläne von Siemens Energy – an der Börse kam das nicht gut an. Reuters

Siemens Energy

Die Windkraft-Tochter Gemesa durchkreuzt erneut die Pläne von Siemens Energy – an der Börse kam das nicht gut an.

München Der Energietechnik-Konzern Siemens Energy bekommt die Probleme bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa auch im neuen Geschäftsjahr nicht in den Griff. Wegen der schlechten Zahlen in der Sparte für Erneuerbare Energien musste der Dax-Konzern die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2021/22, das am 30. September endet, nach unten korrigieren.

Wie der Konzern am Donnerstagabend verkündete, erzielte Siemens Gamesa im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres – also im Zeitraum von Oktober bis Dezember – vor Sonderfaktoren einen operativen Verlust von 309 Millionen Euro. Zudem senkt auch Siemens Gamesa die Erwartungen für das Gesamtjahr.

Der Windkraftkonzern begründet die schlechten Zahlen unter anderem mit Problemen in der Lieferkette, der Coronapandemie und mit Schwierigkeiten beim Hochlauf der neuen Onshore-Turbinengeneration 5.X. Im ersten Quartal musste das Unternehmen Sonderbelastungen in Höhe von 289 Millionen Euro verkünden. Im Gesamtjahr ist nun ein operativer Verlust möglich. Beim Umsatz stellt sich Siemens Gamesa nun auf einen Rückgang von zwei bis neun – statt bislang zwei bis sieben – Prozent ein.

Als Folge rutscht der gesamte Siemens-Energy-Konzern in die Verlustzone. Das operative Minus (angepasstes Ebita) habe im ersten Quartal 2021/22 rund 57 Millionen Euro betragen, teilte Siemens Energy mit. Im Vorjahreszeitraum hatte der Siemens-Ableger operativ noch 243 Millionen Euro verdient. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 91 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz von Siemens Energy sank im ersten Quartal auf vergleichbarer Basis um gut elf Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro. Hier hatten Analysten im Schnitt 6,3 Milliarden Euro prognostiziert.

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    Für das Gesamtjahr 2021/22 rechnet Siemens Energy nun mit einem Umsatzrückgang von bis zu zwei Prozent (bisher: bis zu ein Prozent). Im besten Fall werde der Umsatz aber wie geplant um drei Prozent steigen, weil es im Geschäft mit Gas- und Dampfkraftwerken läuft wie geplant.

    Die bereinigte operative Umsatzrendite von Siemens Energy soll im Gesamtjahr vor Sondereffekten zwischen zwei und vier Prozent liegen; bisher war von drei bis fünf Prozent die Rede. Selbst die Prognose für das kommende Geschäftsjahr 2022/23 stellt Siemens Energy nun infrage. Ob wie geplant 6,5 bis 8,5 Prozent operative Rendite vor Sondereffekten drin sind, wolle der Vorstand nun überprüfen.

    An der Börse kamen die jüngsten Zahlen nicht gut an. Auf der Handelsplattform Tradegate sackte der Aktienkurs von Siemens Energy am späten Donnerstagabend in einer nachbörslichen Reaktion um drei Prozent ab. Siemens-Gamesa-Aktien verloren zweieinhalb Prozent.

    Experten empfehlen Vollintegration von Siemens Gamesa

    Der Siemens-Konzern hatte seine Energietechnik vor gut einem Jahr abgespalten und als Siemens Energy an die Börse gebracht. Das traditionelle Kraftwerksgeschäft mit den Gasturbinen galt als Restrukturierungsfall, die Erneuerbaren Energien als Hoffnungsträger. Doch sorgte Siemens Gamesa mit Gewinnwarnungen immer wieder für schlechte Nachrichten. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch tauschte die Führungsspitze bei der börsennotierten Tochter aus und zeigte sich im Herbst zuversichtlich: „Die eingeleiteten Maßnahmen zeigen Wirkung.“

    Ein Problem ist, dass Siemens Gamesa ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen ist. Der Mutterkonzern Siemens Energy hat keinen vollen Durchgriff, kann nur über den Aufsichtsrat kontrollieren. Investoren hoffen, dass sich das eines Tages ändert. „Durch eine Vollintegration könnte Siemens Energy einfacher durchregieren, Strukturen aufbrechen und Entscheidungswege verschlanken“, sagt Ingo Speich von Deka Investment dem Handelsblatt. Auch Vera Diehl von Union Investment ist überzeugt: „Natürlich wäre eine Vollintegration von Siemens Gamesa die beste Lösung.“

    Doch könnte sich Siemens Energy eine bar finanzierte Übernahme der übrigen Anteile von Siemens Gamesa derzeit nach Einschätzung in Branchenkreisen nicht leisten. Siemens-Energy-Vorstand Jochen Eickholt sagte zu den Diskussion kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Dazu ist doch schon alles gesagt: Siemens Gamesa ist bei Offshore und Service super, Onshore bereitet Probleme. Probleme mit Projekten und Neuentwicklungen liegen aber nicht an der Eigentümerstruktur.“

    Ein wenig hilft es Siemens Energy, dass zumindest die Geschäfte beim zweiten Standbein „Gas and Power“ ordentlich laufen. Die Kraftwerkssparte verbuchte im ersten Quartal 2021/22 zwar einen Umsatzrückgang von 4,3 auf 4,1 Milliarden Euro. Doch fiel das angepasste operative Ergebnis mit 259 Millionen Euro deutlich besser aus, als Analysten erwartet hatten. Auch im Gesamtjahr dürfte die Sparte die Prognosen erfüllen.

    Mehr: Investoren machen Druck auf Siemens Energy: „Vollintegration von Gamesa wäre die beste Lösung“

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